Donnerstag, 15.04.2021
75 Jahre Main-echo Main-Echo Startseite

Pro&Contra: Corona - Sollen Geimpfte mehr Freiheiten zurückbekommen als Ungeimpfte?

Zwei Meinungen

Corona
5 Kommentare
2 Min.

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Symbolbild Biergarten, KNeiope
München: Zwei Frauen stoßen in einem Biergarten in mit zwei Bierkrügen an.
Foto: Sven Hoppe (dpa)
Immer mehr Menschen in Deutschland sind gegen Covid-19 geimpft. Sport, Kino, Treffen, Restaurentbesuch - Stimmen werden zahlreicher, die Geimpften mehr altgewohnte Freiheiten während der Corona-Beschränkungen zugestehen wollen. Dazu eine Pro&Contra:

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 

---------------------------
PRO - Die Türen für diesen Kreis aufsperren

Ich bin noch nicht gegen Corona geimpft, müsste also derzeit draußen bleiben, wenn Restaurants, Kinos, Theater und Sporthallen für Geimpfte geöffnet werden würden. Dennoch bin ich unbedingt dafür, die Türen für diesen Kreis aufzusperren.

Denn wer geschützt ist und das Virus nicht verbreiten kann (was erste Studien nahelegen), darf auf sein Grundrecht pochen. In Artikel 2 des Grundgesetzes steht: »Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt...« Der freie Zutritt in Lokal oder Saal ist für nicht ansteckende Geimpfte also kein »Privileg«, sondern eine Garantie unserer Verfassung.

Klar, gleich im nächsten Artikel des Grundgesetzes steht: »Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.« Doch dieses wichtige Gebot erlaubt Gesetze, die Ungleichbehandlungen regeln. Die Fälle sind aus dem Alltag bekannt: Unter 17 darf niemand am Steuer sitzen, für Berufe sind bestimmte Qualifikationen vorgeschrieben, Wohngeld gibt es nur für Bedürftige.

Deshalb darf der Staat auch sagen: Nur wer einen »grünen Pass« oder ein ähnliches Zeugnis des Siegs über das Virus hat, darf Konzerte oder Fitnessstudios besuchen, sofern dort Hygieneregeln gelten. Vermutlich ließe sich diese Freizügigkeit auch auf Menschen ausweiten, die einen zuverlässigen und aktuellen Corona-Test vorzeigen können.
Übrigens wurde eine Ungleichbehandlung gerade in der schwersten Corona-Zeit von der Gesellschaft wie selbstverständlich akzeptiert: Alte Menschen mussten in Heimen ihre Zimmer hüten, während die anderen draußen wenigstens die Sonne genießen konnten.

Gerade geimpften Senioren nun als ersten die Möglichkeit zu geben, ein Café zu besuchen, wäre ein Signal der Fairness durch die Nicht-Geimpften. Umgekehrt kann es nicht sein, dass Impf-Gegner das Tempo der Öffnung vorgeben und Geschützten die Freiheit rauben.

Zum Glück wird dieses sehr grundsätzliche Thema nur vorübergehend aktuell sein. Denn wenn jetzt die Zahl der Impfungen rasch zunimmt, sollte sich bald ein breiter Schutz der Bevölkerung einstellen (»Herdenimmunität«). Dann werde die Türen wieder für alle offen sein.

Claus Morhart

 

 
CONTRA - Kontrolle nicht möglich

Auch ich bin nicht gegen das Virus geimpft – altersbedingt zähle ich zur Gruppe 3 »Erhöhte Priorität«. Wann ich mich impfen lassen kann, wird nicht verbindlich gesagt: Vielleicht im Sommer, vielleicht im Herbst – Sprecher von Bundesregierung und Gesundheitsministerium nennen lieber keine Zeitpunkte mehr seit die Impfstrategie sich eher als -chaos erweist.

Insofern ist es einfach, mich mit dem Hinweis auszuhebeln, Neid sei mein eigentliches Motiv für eine Absage an offene Türen zu Restaurants, Kinos, Theater und Sporthallen für bereits Geimpfte. Tatsächlich aber ist dieser mögliche Neid-Faktor gar nicht das entscheidende Kriterium: Schließlich ist es ja durchaus sinnvoll und notwendig, eine Rangliste der zu Impfenden aufzustellen, um möglichst schnell Risikogruppen und mit potenziell Infizierten besonders häufig in Kontakt Kommende zu schützen. Aber genau das ist und muss der Grund sein, weshalb es Priorisierungen gibt – und nicht, um Freizügigkeit nach biografischem und anderen Zufällen zu ermöglichen.

Die Frage stellt sich mithin gar nicht, ob nach dem Grundgesetz alle Menschen gleich und inwieweit Ungleichbehandlungen zulässig sind. Eher ist in der Realität des Alltags kaum zu überprüfen, ob eine bereits erfolgte Impfung das Recht gibt, ins Restaurant, ins Kino, auf den Sportplatz zu gehen. Kein Problem, sagen Sie? Der Vermerk im Impfpass, ein amtliches Dokument, ein Nachweis auf dem Smartphone ist kein Hexenwerk und sollte als Nachweis genügen?

Stimmt. Und eben weil das sehr einfach ist, werden wir schnell einen Wildwuchs an gekauften oder selbst gefakten Impf-Nachweisen haben, die Freiheit ist verständlicherweise doch sehr verlockend. Und bitte jetzt nicht mit der politikersprechüblichen »verschwindenden Minderheit« dagegenhalten. Wenn uns die Pandemie etwas gelehrt hat, dann: Verwaltungen sind ruckzuck überfordert. Und wer glaubt auch allen Ernstes, dass der Gastronom, der Einzelhändler jeden einzelnen Kunden genau überprüfen kann und wird?

Wir sollten Geduld haben. Dann – da stimme ich Kollege Morhart im Resultat zu – werden die Türen wieder für alle offen sein. 

Stefan Reis

5 Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!