Kommentar des Tages: Nationaler Stresstest

Holger Möhle zum? bevorstehenden?Corona-Herbst

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Pandemie: Wie wir uns in Freundschaften wieder näher kommen
Lange nicht gesehen! Die Annäherungen von früheren Freundschaften bleiben meist noch distanziert - mit Ellenbogen-Gruß statt Begrüßungsküsschen.
Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
Dieser Sommer ist ein Sommer in Freiheit. Er wird uns teuer zu stehen kommen. Der Bund hat im Frühjahr in fahrlässiger Art und Weise das Infektionsschutzgesetz auslaufen lassen - und die Länder mit seinem Alleingang düpiert und verärgert. Spätestens ab Herbst, wenn die Lage neu bewertet werden soll, wird das gesamte Land die Corona-Zeche zahlen. Denn schon jetzt, in diesen Sonnen-Wochen im Freien, explodieren die Infektionszahlen, melden Intensivstationen bedenklich steigende Einlieferungen von Corona-Patienten.


Draußen im normalen Leben macht kaum noch jemand PCR-Tests, die Schutzmasken sind (außer in Krankenhäusern, Pflegeheimen und der Bahn) nahezu völlig abgelegt, das soziale Abstandsgebot vergessen und die Quote der Menschen mit einer Grundimmunisierung liegt hierzulande weiter deutlich unter 80 Prozent. Rund 22 Prozent Nicht-Geimpfte sind einfach zu viel. In einer solchen Lage glaubt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sogar, ganz von der Isolationspflicht für Corona-Infizierte lassen zu können. Mehr noch: Corona-Infizierte, die keine Symptome haben, sollen weiter zur Arbeit gehen dürfen. Für den Betrieb in Krankenhäusern und Altenheimen, wo Menschen mit Vorerkrankungen und ohnehin geschwächtem Immunsystem liegen, könnte dies verheerende Folgen haben.
Das Land erlebt gerade eine Sommerwelle. Noch hat der Herbst nicht begonnen. Aber schon geht es bei Vorschlägen, wie eine nächste Corona-Welle eingedämmt werden könnte, drunter und drüber. Sollen wieder Schulen schließen, wird es wieder Ausgangssperren geben? Vermutlich kommt die Maskenpflicht zurück, auch wenn die Menschen Corona-müde sind. Zehntausende Infizierte sind wirklich müde, weil das Virus selbst bei mildem Verlauf Symptome großer Erschöpfung mit sich bringen kann. Nun könnten nächste Einschränkungen, Auflagen und Verbote anstehen. Sie zerren an den Nerven, weil die Menschen am liebsten hätten, dass das Virus einfach weg ist. Doch so wird es nicht kommen. Wir alle werden lernen müssen, dauerhaft mit SarsCov2 zu leben.
Auch wenn laut Grundgesetz gemäß Artikel 74 Absatz 1 Nr. 19 »Maßnahmen gegen gemeingefährliche und übertragbare Krankheiten« Sache des Bundes sind, muss der Bund jetzt endlich mehr auf die Länder zugehen. Das Virus mutiert. Es ist in seiner Omikron-Variante hochansteckend, und wer weiß welche Mutationen sich noch entwickeln. Fast sieht es so aus, als habe der Bund auch im dritten Corona-Sommer wenig gelernt. Impfen, Testen (kostenlose Bürgertests), Abstandhalten, Maskentragen, womöglich auch wieder Personenobergrenzen bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen - ohne diese Maßnahmen wird es nicht gehen. Dieser Herbst und dieser Winter werden hart, kalt und bitter. Krieg, Gas, Strom, Inflation - und dann noch Corona. Ein nationaler Stresstest.

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