Kommentar des Tages: Kein Wünsch-dir-was

Torsten Henke über Wissenschaft und Politik

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Atomkraftwerk Isar 2
Wasserdampf steigt aus dem Kühltum des Atomkraftwerks (AKW) Isar 2 in Essenbach.
Foto: Armin Weigel/dpa
Hört auf die Wissenschaft, fordern Greta Thunberg und ihre Mitstreiter immer wieder. Was aber, wenn die Wissenschaft unliebsame Forderungen erhebt? 20 Professoren deutscher Universitäten, es dürften sich weitere anschließen, fordern in ihrer »Stuttgarter Erklärung« ein Umsteuern in der deutschen Energiepolitik und bescheinigen der Energiewende, sie habe das Land mit der einseitigen Ausrichtung auf Sonne, Wind und Erdgas in die »Energienot« geführt. Deutschland dürfe die Aussagen des Weltklimarats über die Kernenergie als Klimaschutztechnologie nicht länger ignorieren. Ausführungen, die vor allem für die grüne Regierungspartei eine Zumutung sind.


Die durch Gaskrieg drohende Energiekrise verstärkt den Druck auf die Ampel und den grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck. Während er mittlerweile von einem »Sonderszenario« spricht, das den Weiterbetrieb erfordern könne, geht die Debatte bereits über einen Streckbetrieb der verbliebenen drei Kernkraftwerke mit den vorhandenen Brennstäben hinaus. CDU-Chef Friedrich Merz verlangt einen raschen Einkauf neuer Brennstäbe, aus Bayern kommt die Forderung, bereits vom Netz genommene AKW wieder hochzufahren. Laut TÜV kein Problem, für die Grünen ein Horrorszenario.

Appelle werden lauter
Doch Energiesicherheit ist kein Wünsch-dir-was. Es wäre schon sehr überraschend, wenn der erneute Stresstest keinen Weiterbetrieb der Atommeiler nahelegen würde. Denn es gibt mit Blick auf den Winter zu viele Unsicherheitsfaktoren: Was lässt Russlands Diktator sich noch einfallen? Wie viel Wind- und Sonnenstrom kann »geerntet« werden. Wird es genug Wasser für die Wasserkraftwerke geben? Kann ausreichend Kohle zu den Kraftwerken transportiert werden? Gibt es einen kalten Winter, könnten in etlichen Wohnungen und Büros Heizlüfter Strom fressen. Und was ist mit unseren Nachbarn?
Wenn die Bundesrepublik von den EU-Partnern Solidarität erwartet und verlangt, dass sie Erdgas einsparen, damit im Winter genug für alle da ist, sollte sie als Gegenleistung wenigstens ihre sicheren Kernkraftwerke eine Weile weiter betreiben, um den Nachbarn, die seit Jahren mit Sorge auf den deutschen Energie-Sonderweg blicken, im Notfall mit Strom aushelfen zu können. Die Appelle werden auch in der EU lauter.

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