Kommentar des Tages: Das wird ein Horror-Sommer - Urlaub per Auto, Bahn oder Flugzeug

Mobilitätskrise

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Übervolle Züge
Das 9-Euro-Ticket führt zu nicht wenigen übervollen Zügen.
Foto: Fabian Sommer/dpa
Teurer Sprit, Chaos an Flughäfen, überfüllte Züge - Deutschland steckt in einer veritablen Mobilitätskrise. Dazu ein Kommentar:

Das wird für viele Reisende ein Horror-Sommer werden. Wer mit dem Auto in den Urlaub fahren will, muss teuren Sprit und ellenlange Staus einkalkulieren. Flugreisende werden Chaos an den Flughäfen erleben, und auch die Bahn bietet bereits jetzt schon einen Vorgeschmack darauf, was sich mit Ferienbeginn noch einmal verschärfen könnte – massive Verspätungen, unzählige Ausfälle, überfüllte Züge. Deutschland steckt in einer veritablen Mobilitätskrise. So schaut's aus. Und ein Ende ist nicht in Sicht. 

Auch bei der Bahn nicht. Konzernchef Lutz und Verkehrsminister Wissing zeichneten am Mittwoch nicht nur ein düsteres Bild vom Sanierungsfall Bahn. Die Pläne zum Umbau und zur Modernisierung ab 2024 werden Jahre in Anspruch nehmen und neue Verwerfungen produzieren. Schon jetzt ist das marode Netz über Gebühr ausgelastet, die Nachfrage kann nicht mehr solide erfüllt werden; auch beim Güterverkehr nicht, weshalb die Verlagerung von mehr Transport auf die Schiene illusorisch bleiben wird. Besser wird es in den nächsten Jahren – wenn überhaupt – nur langsam werden. Das bedeutet für die Kunden: Weiterhin viel Ärger und Frust. Wer kann, nimmt vermutlich das Auto. 

Milliarden werden überdies zusätzlich notwendig sein, um die Sanierungspläne zu finanzieren. Geld, so Minister Wissing, das er von Finanzminister Lindner bekommen wird. Sicher? Wie hoch die Mittel sein müssen, ist offen. Da drucksen die Verantwortlichen herum. Die Bahn ist nämlich ein Fass ohne Boden. Und der Finanzminister will sich am Einhalten der Schuldenbremse nächstes Jahr messen lassen. Insofern ist es auch richtig, dass Wissing den Konzern jetzt an die Leine nimmt, in dem der Bund als Eigentümer stärker bei der Steuerung der Infrastruktursanierung eingreifen und koordinieren wird. Das ist zugleich aber auch ein Misstrauensvotum gegen die Konzernspitze.

Es muss was geschehen, keine Frage. Das merkt jeder, der derzeit mit dem Zug unterwegs ist. Aber das bedeutet nicht, dass man die Frage nach Verantwortung einfach ausklammern kann. Die Bahn hat in den letzten Jahren viele Umbauphasen durchgemacht, die Probleme sind komischerweise fast immer gleichgeblieben, auch unter dem jetzigen Bahnchef. Bei der Pünktlichkeit, beim Service, bei der Digitalisierung, beim Umgang mit Wettbewerbern sowie der Verlagerung von mehr Verkehr auf die Schiene. Dass das Netz veraltet ist, ist auch nicht neu. Die Bahn war meist nie vor der Entwicklung, sondern fast immer hinter ihr. Auch jetzt. Das ist ihr Hauptproblem.

Womit die Sache auch eine politische Dimension bekommt. Zu lange hat der Eigentürmer die Dinge schleifen lassen oder mit Desinteresse begleitet. Vor nur zwei Jahren schrieb der Bundesrechnungshof der Politik dies ins Stammbuch. Auch deshalb ist die Bahn jetzt da, wo sie ist: Am Ende. Und im Aufsichtsrat sitzen Abgeordnete, Staatssekretäre, Betriebsräte.

Eines muss man Lutz zumindest lassen – seine Bestandsaufnahme ist schonungslos. Die Bahn steht damit jetzt wohl vor ihrer wichtigsten Weichenstellung überhaupt. Der Erfolg ist nicht garantiert. Konzern und Eigentümer haben aber die Dramatik erkannt. Wenigstens etwas. 

Hagen Strauß

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