Kommentar des Tages zum Zuwachs der Millionäre

Eine Binsenweisheit

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Wer wird Millionär?
Wer wird Millionär?
Foto: Felix Heyder/dpa
Eigentlich ist das kein Aufreger, sondern eine Binsenweisheit: Die Reichen werden reicher – und mehr. Dazu eine Kommentar

Im vergangenen Jahr stieg der Zahl der Vermögensmillionäre weltweit auf rund 22,5 Millionen Personen. Ihr gemeinsames Kapital nahm auf etwa 82.000 Milliarden Euro zu, hat die französische Unternehmensberatung Capgemini gerade errechnet. Das entspricht ungefähr der Wirtschaftsleistung der Welt eines Jahres. Ja, das ist unermesslich viel Geld. Aber warum regt es uns auf?

Ein Blick zurück in die Geschichte: Die Könige, Kurfürsten, Erzbischöfe des Mittelalters waren im Vergleich zur damaligen Bauern- und Handwerkerbevölkerung mindestens so reich wie die heutige Elite, wenn nicht reicher. Der soziale Abstand zwischen einem venezianischen Kaufmann der Renaissance und dem Seemann, der die Waren übers Meer transportierte, war unüberbrückbar. Die Industriellen des 19. Jahrhunderts lebten wahrscheinlich doppelt so lange wie ihre Arbeiterinnen und Arbeiter.

Der Unterschied zwischen diesen historischen Epochen und der Jetzt-Zeit besteht im Ideal der sozialen Gleichheit und Gerechtigkeit. Diese Theorie lässt die heutigen Menschen zu große Differenzen im Wohlstand als unmoralisch betrachten. Außerdem gefährdet eklatante soziale Ungleichheit die politische Gleichberechtigung: Wenn öffentliche Schulen wegen Geldmangels so schlecht ausgestattet sind, dass Kinder aus ärmeren Familien keine vernünftige Bildung erhalten, untergräbt das die Demokratie.

Trotzdem ist es normal, dass Kapital Kapital gebiert. Die erste Million ist schwer, danach geht es viel leichter aufwärts, oft quasi von selbst. Diese Reichtumsvermehrung kann man nicht einmal mit diktatorischen Methoden wie in China oder Nordkorea verhindern – selbst dort fährt die Elite Lamborghini. Allerdings müssen es sich die Reichen in zivilisierten Staaten wie Deutschland heute gefallen lassen, dass sie einen guten Teil ihrer Zugewinne an die Allgemeinheit abtreten.

Wie viel Steuern zu erheben und gerecht sind, ist immer wieder Gegenstand der öffentlichen Debatte. Momentan dürfte es ruhig etwas mehr sein. Schließlich ginge es nur darum, dass die Reichen etwas weniger schnell noch reicher werden. Die Verlangsamung schadet ihnen nicht, auch wenn der Verband der Familienunternehmen das Gegenteil behauptet.

Von unserem Korrespondenten Hannes Koch

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