Kommentar des Tages: Wachsen lassen

Martin Schwarzkopf ?über neue Köpfe?in Staatsämtern

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Bärbel Bas
Bärbel Bas soll neue Präsidentin des Bundestags werden.
Foto: Michael Kappeler/dpa
Nun also Bärbel Bas: Die SPD-Politikerin aus Duisburg, bis zuletzt eher sozial- und gesundheitspolitischen Insidern ein Begriff, steht als neue Präsidentin dem Bundestag vor. Wer noch vor einigen Monaten gewagt hätte, über die Sozialdemokraten als stärkste Kraft im frisch gewählten Parlament zu sinnieren, wäre wohl kaum ernst genommen worden. Dennoch ist es so gekommen – weil in Zeiten der ständigen und tiefgreifenden Veränderung eben auch in der großen Politik fast alles möglich ist.


Tatsächlich übertreibt der wahrscheinlich nächste Kanzler Olaf Scholz nicht, wenn er in Interviews die anstehenden Umbrüche in unserem Leben mit der Zeit der Industrialisierung vergleicht. Der Umbau unserer Gesellschaft zu einer (wirklich) digitalen und klimaneutralen wird uns allen viel abfordern. Er wird – wie jede große Transformation – nicht ohne erhebliche Schmerzen möglich sein, er wird Gewinner und Verlierer produzieren.
Diesen zwingenden Veränderungsprozess politisch zu steuern, ist eine gigantische Aufgabe. Ob das künftige Ampelbündnis dafür die nötige Kraft aufbringen wird, ist noch nicht ausgemacht. Erste positive Signale gibt es. Noch liegt aber zu vieles im Ungefähren, im Unkonkreten. Bei aller Begeisterung für die Chancen dieser gesellschaftlichen Modernisierung dürfen soziale Aspekte nicht vernachlässigt werden, müssen Überforderungen so weit es geht abgefedert werden.
Es ist gut und richtig, dass neue, unverbrauchte Köpfe in diesem Prozess mehr Verantwortung übernehmen. Bärbel Bas steht als Parlamentspräsidentin dafür beispielhaft. Auch dem Bundeskabinett wird es guttun, wenn frische Ideen Einzug halten. Daran sollte vor allem die SPD denken, die gut beraten wäre, einige ihrer bisherigen Minister nicht erneut aufzubieten. 
Die Neuen in den Staatsämtern werden Zeit brauchen, um in ihre Aufgaben hinein zu wachsen – sie haben diese Geduld verdient. Hoffentlich werden sie dabei vom Regierungsapparat nicht zu schnell abgeschliffen und erhalten sich einen Blick, der nicht von Routinen und eingeübten Standards, sondern von Lust auf das Gestalten der Zukunft geprägt ist.

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