Hingeschaut: Einmal Haupttreiber sein

Sind Geprahle und Nichtstun Aufgaben von "Top-Managern"?

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Oliver Blume
Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG.
Foto: Sven Hoppe/dpa
Vier Jahre ist's her, Bayern hatte gerade seine Landtagswahl hinter sich gebracht: Da rief Markus Söder mich an und bat um Rat wegen der Regierungsbildung.

Neben anderem habe ich mir da den kleinen Spaß erlaubt und die Freien Wähler als Koalitionspartner und deren Chef Hubert Aiwanger als seinen Vize und Wirtschaftsminister vorgeschlagen. Da bin ich Haupttreiber gewesen, mit ganz engem Kontakt an die Koalitionsparteien. Der Markus Söder hat mich in den letzten Tagen der Kabinettsbildung fast stündlich auf dem Laufenden gehalten und gefragt, ob das alles okay ist, was er sich dann selbst noch zu meinen Vorgaben überlegt hat. Ich wollte mich damit ja eigentlich nicht brüsten, aber ich hab's neulich doch mal im Kolleginnen- und Kollegenkreis so beiläufig erwähnt: Unser Medienhaus hat sehr großen Anteil gehabt an den Themen und Inhalten, die in den Koalitionsvertrag miteingeflossen sind


Oliver Blume und der Lack
Bitte! Das war ein Spaß. Und wenn's doch keiner gewesen wäre, würde ich mich ganz sicher nicht damit in der Öffentlichkeit brüsten. So blöd kann doch keiner sein, auszuplaudern, wie er Einfluss auf die Politik genommen hat.
Obwohl: Doch, so blöd kann man sein. Porsche-Chef Oliver Blume soll die oben kursiv gesetzten Satzteile kürzlich bei einer Betriebsversammlung als Beweis für seine engen Kontakte zum FDP-Vorsitzenden und Bundesfinanzminister Christian Lindner zum Besten gegeben haben. Widersprochen hat er entsprechenden Medienberichten nicht, auch wenn seine Presse-Abteilung die Scherben zusammenzukehren versuchte und von »überspitzter Wortwahl« schrieb – und: »Die Wortwahl entspricht nicht den Tatsachen. Der Austausch hat so nicht stattgefunden und es gab keine Einflussnahme.« Was ganz schön raffiniert ist: Entspricht die von Medien dargestellte Wortwahl nicht den Tatsachen? Oder entspricht Blumes Wortwahl nicht der Wahrheit, mithin: Hat der gute Mann sich vor der Belegschaft einfach mal aufplustern wollen, welch Riesenkanone er ist?
So oder so: Der vor seiner Zeit bei Porsche für den Lack bei Audi verantwortliche Oliver Blume scheint viel Energie auf die Selbstdarstellung zu legen. Die 35.000 Porsche-Beschäftigten würden – das unterstelle ich forsch – sich eher freuen, wenn ihr Chef diese Energie investiert, dem Unternehmen eine langfristige Perspektive zu geben. »Management« nennt sich so etwas – und Management gilt seit der griechischen Antike als das gute Führen Dritter in die Zukunft.

Carsten Spohr und die Flaute
Nun gut, dafür gibt es Management-Seminare: Lernen ist ein lebenslanger Prozess, auch jenseits des 54. Geburtstags wie bei Oliver Blume. Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa ist ja auch schon 55. Das sind eigentlich genügend Lebensjahre, um zu lernen, dass in einer wirtschaftlichen Flaute entlassenes Personal fehlt, wenn's brummt. Wenn ihm das als »Top-Manager« nicht klar war: Er hätte mich – da bin ich ein bisschen großkotzig – jederzeit anrufen können und ich hätte ihn als Haupttreiber fast stündlich auf dem Laufenden gehalten, damit die Lufthansa momentan nicht so blöd da steht. Und niemals hätte ich geprahlt, sehr großen Anteil am Höhenflug der Airline zu haben.

STEFAN REIS

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