»Bauen derzeit schwer zu kalkulieren«

Klara Geywitz: Die Bundesbauministerin über Perspektiven für Bauleute und Probleme im eigenen Haus

BERLIN
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21.07.2022, Brandenburg, Potsdam: Klara Geywitz (SPD), Bundesministerin für Bau und Wohnen, besucht die Baustelle des Neubauprojektes Heinrich-Mann-Allee des städtischen Wohnungsbau-Unternehmens ProPotsdam und steht vor einem Bauplan. Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Bildunterschrift 2022-07-27 --> Klara Geywitz. Foto: Soeren Stache (dpa)
Foto: Soeren Stache
Das Bau­en ist teu­er ge­wor­den. Pro­b­le­me bei den Lie­fer­ket­ten, stei­gen­de Zin­sen, die Prei­se klet­tern. Bun­des­bau­mi­nis­te­rin Kla­ra Gey­witz (SPD) kün­digt kos­ten­dämp­fen­de Maß­nah­men an und setzt auf neue För­der­in­stru­men­te. Wer al­ler­dings ein Pent­hou­se bau­en will, soll­te nicht auf staat­li­che Hil­fen hof­fen.

Frau Ministerin, wird Bauen für Privatleute zum Luxus?

Das nicht. Aber das Bauen ist derzeit nur schwer zu kalkulieren. Wir haben große Lieferkettenprobleme, steigende Zinsen und Baukostensteigerungen. Das alles macht das Bauen von neuen Wohnungen teurer.

Wie wollen Sie gegensteuern?

Wir müssen kostendämpfende Maßnahmen auf den Weg bringen. Darüber haben wir im Bündnis bezahlbarer Wohnraum beraten. Das eine ist die Digitalisierung der kompletten Bauphase, das andere ist der Einstieg in die serielle Produktion von Häusern. Auch das hat preisdämpfende Effekte.

Aber das hilft potenziellen Bauherren akut nicht.

Wir wollen Familien dabei unterstützen, Eigentum zu erwerben. Deswegen werden wir im Oktober eine Genossenschaftsförderung an den Start bringen mit zinsgünstigen Darlehen und Tilgungszuschüssen für Privatpersonen, die sich an genossenschaftlichen Vorhaben beteiligen und eine Genossenschaftswohnung selbst nutzen wollen. Die Baufinanzierung muss für Privatleute zu realistischen Preisen möglich bleiben. Auch hier setze ich verstärkt auf die Instrumente Darlehen und Förderung.

Die Bauförderung war zuletzt nicht verlässlich. So hat etwa Wirtschaftsminister Habecks Stopp der Zuschüsse für energieeffizientes Bauen für viel Verunsicherung gesorgt.

Mit dem Bundeswirtschaftsminister ist verabredet, dass die jetzige Förderung für nachhaltiges Bauen bis zum Ende des Jahres ausfinanziert ist. Die Vorgängerregierung hat dafür gesorgt, dass jeder die Mittel bekommen hat für alles, was gebaut wurde. Das funktioniert aber nicht bei einer Volkswirtschaft unserer Größe. Es gab bei der alten BEG-Förderung keinerlei Sozialbindung bei den Zuschüssen für nachhaltiges Bauen. Es ist nicht einsehbar, dass jemand für den Bau eines Penthouses staatliche Förderung kassiert.

Juckt es Sie nicht, den Bauämtern mehr Tempo zu verordnen?

Ich schätze die kommunale Planungshoheit sehr. Vor Ort weiß man besser, was wirklich gebraucht wird. Ich glaube, alle sind sich einig, dass wir beim Planen schneller werden müssen. Auch da wird uns die Digitalisierung helfen. Wir werden mit der Baugesetznovelle im nächsten Jahr die digitale Bauakte als Standard einführen. Zudem ist der Ausbau von Planungskapazitäten ein wesentlicher Punkt. Wir brauchen mehr Personal in den Bauämtern. Dieses dicke Brett müssen wir jetzt zusammen mit den Kommunen bohren.

Wie viel Zeit soll denn künftig maximal von der Planung bis zur Realisierung eines Hauses vergehen?

Das hängt davon ab, was man baut und wo man baut. Wir wollen mit den Ländern verabreden, Typengenehmigungen für das serielle Bauen möglichst bundesweit in allen Landesbauordnungen zu verankern. Das heißt: Ein typisches Haus, das schon einmal im Saarland genehmigt wurde, braucht in Thüringen nicht noch eine Genehmigung. Das wird vieles beschleunigen.

Wohnen zu viele Deutsche allein oder zu zweit in zu großen Wohnungen?

Wir haben einen Zuwachs von individueller Wohnfläche in Deutschland von rund 20 Quadratmetern nach dem Krieg auf jetzt 50 Quadratmeter. Fast alle Effizienzgewinne im Gebäudebereich werden durch die gestiegene Wohnfläche pro Person aufgefressen. Es geht mir nicht um Verzicht oder Verbote. Sondern um Flexi-Bau. Wenn Eltern für sich und ihre drei Kinder ein großes Haus bauen, könnten sie so bauen, dass sie von Anfang zum Beispiel zwei Aufgänge mitdenken, sodass das Haus nach dem Auszug der Kinder geteilt und die eine Hälfte vermietet werden kann.

In Ihrem Haus fehlen funktionierendes WLAN, eine eigene IT und von rund 100 neuen Stellen, die bewilligt sind, sind bislang nur wenige besetzt. Ende dieses Jahres zieht Ihr Ministerium auch noch um. Haben Sie nicht zu viele eigene Probleme, um sich um den Wohnungsbau in Deutschland zu kümmern?

Wichtig ist, was wir auf die Beine stellen. Das Bauministerium war genau das Ministerium, das den ersten Gesetzentwurf dieser Legislaturperiode eingebracht hat. Das war unser Heizkostenzuschuss. Wir haben Mittel für den sozialen Wohnungsbau auf Rekordhöhe erkämpft. Wir hatten einen Wärmepumpen-Gipfel und haben das Konzept für die Wärmewende mit vorgelegt. Und wir haben das Bündnis bezahlbarer Wohnraum gegründet. Im vergangenen Jahr hatten wir noch keinen eigenen Haushaltsplan für ein Bauministerium, weil es dieses Ministerium noch gar nicht gab. Das hat sich jetzt geändert. Kurz: Wir sind voll arbeitsfähig. Wir stehen gerade vor einem interessanten Wochenende, wenn wir uns von der IT-Technik des Bundesinnenministeriums unabhängig machen. Wir sind gespannt, was das mit unseren Emails macht.

Hintergrund

Klara Geywitz. Foto:

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