Ärger um manche Flüssigkeiten für E-Zigaretten

Dampfen: Regierungspräsidium Darmstadt hat einige E-Liquids aus dem Verkehr gezogen - Fehlende oder mangelhafte Kennzeichnungen

FRANKFURT
2 Min.

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Verlockende Geschmacksrichtungen: Liquids für E-Zigaretten finden sich in verschiedenen Ausführungen in den Ladenregalen. Foto: Sven Hoppe (dpa)
Foto: Sven Hoppe

Dampfen ist für die Gesundheit allemal weniger schädlich als Rauchen. Heino Stöver, Direktor des Instituts für Suchtforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences, fordert deshalb schon lange ein Umdenken bei E-Zigaretten. »Die E-Zigarette ist nicht harmlos, aber immer noch besser als Weiterrauchen - wenn anders der Verzicht auf die weit gefährlichere Tabakzigarette nicht gelingt«, sagt Stöver.

In den Fokus geraten aber immer mal wieder die Flüssigkeiten, die zum Verdampfen in solche E-Zigaretten gefüllt werden: sogenannte E-Liquids. Die Hauptbestandteile sind in der Regel Propylenglykol und Glycerin. Sie dienen als Verneblungsmittel und als Träger für weitere Inhaltsstoffe. Dazu zählen Nikotin - wenn es enthalten ist -, Aromastoffe wie Ethylacetat, Linalool oder Zimtaldehyd und Geschmacksstoffe wie Vanilleextrakt, Menthol oder Apfelsäure.

Was aber steckt wirklich hinter so wohlklingenden und verlockenden Namen wie Strawberry Macaroon, Zitronenrolle, Yuzu Lemon Meringue oder Toffee Cream? Laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) wurden in einer US-Studie ein Arzneimittel zur Behandlung der erektilen Dysfunktion und ein Appetitzügler nachgewiesen. Ob diese Liquids in Deutschland landeten, ist laut BfR nicht bekannt.

Aber auch weniger spektakulär fallen die Flüssigkeiten für E-Zigaretten negativ auf. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen hat im Jahr 2018 E-Liquids auf Einhaltung der chemikalien- und tabakrechtlichen Vorgaben untersucht. Von 51 nikotinhaltigen Liquids aus dem Einzelhandel als auch dem Onlinehandel wurden 29 tabakrechtlich beanstandet. Der Grund waren eine fehlende oder eine mangelhafte Kennzeichnung. Proben aus dem Internethandel hatten mit 70 Prozent eine etwas höhere Beanstandungsquote als Einzelhandelsproben mit 54 Prozent.

Auch das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) hat kürzlich falsch oder mangelhaft gekennzeichnete E-Liquids aus dem Verkehr gezogen. Viele dieser Konzentrate ließen sich bis Ende 2020 in Online-Shops in Großbritannien bestellen und wurden von dort nach Deutschland versandt. Mit Beginn des Jahres 2021 trat der Brexit und seine Folgen für Wirtschaft und Handel in Kraft. Großbritannien zählt nun als EU-Ausland und Warenlieferungen von dort werden dementsprechend durch den Zoll kontrolliert.

Verfünfzehnfachung der Fälle

»Im ersten Halbjahr stieg die Anzahl der Verdachtsmitteilungen zu kennzeichnungspflichtigen Gefahrstoffen, die der Zoll am Frankfurter Flughafen und dem Osthafen der zuständigen Marktüberwachungsbehörde für Chemikaliensicherheit übermittelt hatte, sprunghaft an«, sagt Pressesprecher Christoph Süß vom RP. Der Anteil der E-Liquids an den angezeigten Produkten mit nicht korrekter Kennzeichnung lag bei über 40 Prozent. »Das ist eine Verfünfzehnfachung im Vergleich zum Vorjahr.«

Im Regelfall seien beispielsweise die in den Liquids enthaltenen Aromastoffe als sensibilisierend eingestuft. »Eine entsprechende Einstufung und Kennzeichnung als sensibilisierend bedeutet, dass Allergien ausgelöst werden können«, sagt der RP-Pressesprecher. Fehlt diese, kann der Konsum für Allergiker ernste Folgen haben.

Sehr häufig sei auch die erforderliche Kennzeichnung nicht in deutscher Sprache vorhanden gewesen. Vergessen oder unvollständig angegeben wurden auch allgemeine Gefahrenhinweise oder auch der Kontakt des Lieferanten des Liquids.

Was aber noch ärgerlicher ist für die Kunden, die solche beanstandeten E-Liquids bestellt haben: Eine beanstandete Ware ist laut RP nicht einfuhrfähig. »Der Kunde bekommt seine Ware nicht. Wenn er schon bezahlt hat, kann er nur versuchen, sein Geld vom Händler zurückzuerhalten«, sagt der Pressesprecher.

Das RP rät, sich entsprechende Anzeigen im Netz aufmerksam durchzulesen, bevor man eine Bestellung aufgibt. Bei den Anzeigen seien oft auch Bilder der Ware abgebildet. Wenn dabei schon keine deutsche Sprache erkennbar sei, sei davon abzuraten. »Insbesondere bei vermeintlich günstigen Importprodukten ist Vorsicht geboten«, warnt Süß.

Hintergrund: E-Zigaretten streng reguliert

Nikotinhaltige E-Zigaretten und Liquids sind in Europa streng reguliert. In Deutschland unterliegen sie seit 2016 dem Tabakerzeugnisgesetz und der Tabakerzeugnisverordnung. Bestandteile der E-Liquids müssen den Behörden mitgeteilt werden. Name und Anschrift des in der EU ansässigen Herstellers oder Importeurs müssen im Beipackzettel vermerkt sein. Der Nikotingehalt der Liquids darf 20 Milliliter pro Milligramm nicht überschreiten. Inhaltsstoffe müssen eine hohe Reinheit aufweisen. Zusatzstoffe wie Vitamine, Carnitin, Koffein, Taurin und Aromen wie Diacetyl, Cumarin oder Bittermandel sind verboten. ()

Hintergrund

» Besonders bei vermeintlich günstigen Importprodukten ist Vorsicht geboten. «

Christoph Süß, Regierungspräsidium Darmstadt

Hintergrund

» Die E-Zigarette ist nicht harmlos, aber immer noch besser als Weiterrauchen. «

Heino Stöver, Suchtforscher

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