Mittwoch, 19.06.2019

»Warum kein Drittes Konzil?«

Hans Joachim Meyer: Ex-ZdK-Präsident über »synodalen Weg«, bei dem Kirchenreformen diskutiert werden sollen

DRESDEN/BERLIN
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ARCHIV - Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, sitzt vor dem Komitee-Logo in der Stadthalle Bad-Godesberg bei Bonn (Archivfoto vom (29.04.2005). Der 96. Deutsche Katholikentag in Saarbrücken (24.-28. Mai) stellt das Thema soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt. Meyer bezeichnet im dpa-Gespräch «Drei Fragen, drei Antworten» die Ideologie eines schrankenlosen Wettbewerbs als größte Bedrohung der menschlichen Freiheit seit dem Kommunismus. Foto: Felix Heyder (zu Themenpaket Katholikentag am 23.05.2006) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Foto: Felix Heyder

Auf ei­nem »syno­da­len Weg« wol­len die deut­schen Bi­sc­hö­fe mit Lai­en über Re­for­men in der ka­tho­li­schen Kir­che dis­ku­tie­ren. Wie das kon­k­ret aus­se­hen soll, ist noch weit­ge­hend un­klar. Die The­men in­des wa­ren größ­t­en­teils schon vor 50 Jah­ren ak­tu­ell.

Die Meißner Synode im heutigen Bistum Dresden-Meißen etwa fasste weitreichende Beschlüsse - die jedoch kaum umgesetzt wurden. Der frühere Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer (Foto: Felix Heyder/dpa), verfolgte damals in der DDR die am 13. Juni 1969 beginnende Synode mit großem Interesse. Im Interview spricht er über vertane Synodenchancen und seine Erwartungen an den sogenannten synodalen Weg.

Herr Meyer, die Meißner Diözesansynode (1969-1971) ist weithin in Vergessenheit geraten. Welche Bedeutung hat sie aus Ihrer Sicht?

Es war eine mutige Veranstaltung. Sie lebte vor allem von der Persönlichkeit des damaligen Meißner Bischofs Otto Spülbecks. Er hatte schon beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eine solche Synode angekündigt mit dem Ziel, die Konzilsbeschlüsse auf Bistumsebene umzusetzen. Es war die erste Synode dieser Art in Deutschland. Spülbeck erreichte in Rom auch, dass gewählte Laien als stimmberechtigte Mitglieder teilnehmen konnten. Das war neu im Vergleich mit früheren katholischen Synoden.

Beim Berliner Erzbischof, Kardinal Alfred Bengsch, stieß die Meißner Synode auf massive Kritik. Warum war das damals so?

Bengsch hatte bereits auf dem Konzil gegen das Dokument »Gaudium et Spes - Die Kirche in der Welt von heute« gestimmt, das eine wichtige Grundlage der Meißner Synode war. Bengsch hatte die Sorge, dass eine zu große Öffnung gegenüber der von der SED beherrschten Gesellschaft in der DDR die Kirche gefährden könnte. Er drängte darauf, dass nach dem plötzlichen Tod von Bischof Spülbeck dessen Nachfolger Gerhard Schaffran die Diözesansynode beendete. Schaffran übertrug die nicht behandelten Projekte an die bereits geplante Dresdner Pastoralsynode, die von 1973 bis 1975 pastorale Themen für die ganze Katholische Kirche in der DDR behandelte.

Welche Erwartungen haben Sie selbst mit der Meißner Synode verbunden?

Es war für mich ein Hoffnungszeichen, dass so etwas in der DDR gewagt wurde. Aber die katholische Kirche in der DDR war gelegentlich auch innerkirchlich eine verschwiegene Kirche, so dass ich damals nur das eine oder andere mitbekam. Insgesamt fühlten wir Katholiken in der DDR uns durch das Konzil bestärkt. Vorherrschend war aber nicht die Auffassung, dass wir gegen die Kirchenhierarchie mit Hilfe einer Synode angehen müssten.

Wie erklären Sie sich, dass sich viele der in Kraft gesetzten Meißner Beschlüsse sehr modern lesen, etwa über die Mitwirkung von Laien, dass sie aber in weiten Teilen bis heute nicht umgesetzt wurden.

Das ist eine berechtigte Frage. Auch die Dresdner Pastoralsynode wurde in der Breite kaum umgesetzt. Es entstanden aber überall gewählte Pfarrgemeinderäte und Pastoralräte. Insbesondere ist es eine vertane Chance, dass von den Forderungen der Würzburger Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland von 1971 bis 1975 so wenig umgesetzt wurde. Auch in der DDR gab es Katholiken, die soweit möglich an diese Synoden erinnerten, um sie im Gespräch zu halten. Für sie war das nur innerhalb der Kirche möglich. Bei allem, was wir taten und sagten, war klar: Die Kirche in der DDR wollten wir auf keinen Fall gefährden.

Welche Empfehlungen geben Sie daraus für den jetzt geplanten »synodalen Weg« in Deutschland?

Ich weiß noch nicht, was es werden soll. Ist es eine Kompromissformel? Oder ist es der Versuch, den Zwängen des Kirchenrechts und einer Genehmigung durch Rom, die für eine Synode erforderlich wäre, zu entkommen? Ich hoffe, dass genug Teilnehmer entschlossen wären, sich dafür einzusetzen, dass daraus eine richtige Synode wird. Wenn erst mal vorwärtsweisende Beschlüsse auf dem Tisch liegen, werden wir sehen, wie Rom reagiert.

Wie schätzen Sie die Macht konservativer oder progressiver Kräfte ein, einen »synodalen Weg« zu beeinflussen?

Es gibt einflussreiche Kräfte, die keinen wirklichen Wandel wollen. Wenn allerdings diejenigen, die sich als progressive Kräfte verstehen, im Zorn meinen, sie könnten die Kirche gleichsam von außen erpressen, dann werden sie eine Niederlage erleben. Denn wer mit dem Kirchenaustritt droht, schließt sich aus dem Prozess der Erneuerung der Kirche selbst aus.

Wäre es für einen synodalen Prozess förderlich, wenn man ein Konzil am Horizont sähe?

Warum kein Drittes Vatikanisches Konzil? Aber bitte mit den nötigen Vorbereitungen. Vor dem Zweiten Vaticanum hatte es im westlichen Europa einen wichtigen theologischen Aufbruch gegeben. Eine solche Vorbereitung wäre auch nun unverzichtbar. Vor allem ist jedoch zu beachten: Bei einem neuen Konzil wären andere Teile der Weltkirche viel einflussreicher.

Hintergrund

» Die katholische Kirche in der DDR war auch innerkirchlich eine verschwiegene Kirche. «

Hans Joachim Meyer, Ex-ZdK-Präsident

Hintergrund

» Es gibt einflussreiche Kräfte, die keinen wirklichen

Wandel wollen. «

Hans Joachim Meyer, Ex-ZdK-Präsident

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» Es war ein Zeichen der Hoffnung, dass so etwas in der DDR gewagt wurde. «

Hans Joachim Meyer zur Meißner Synode

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