Sonntag, 22.09.2019

Unterrichtsfach Religion ein Auslaufmodell?

Kirchen: Folge des Mitgliederschwunds

MÜNCHEN
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Immer weniger Schüler besuchen den Religionsunterricht. Foto: Friso Gentsch (dpa)
Foto: Friso Gentsch

Die Schülerzahlen im klassischen Religionsunterricht gehen vor allem im Westen Deutschlands zurück. Laut der Kultusministerkonferenz (KMK) besuchten im Schuljahr 2017/18 noch 2,1 Millionen Schüler bundesweit den evangelischen und rund 1,8 Millionen den katholischen Religionsunterricht. Das war jeweils ein rundes Drittel aller Schüler. Selbst im noch immer als sehr katholisch geltenden Bayern zeigt sich dies: Dort nahmen nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums im gerade abgelaufenen Schuljahr zwar noch 75 Prozent der 1,25 Millionen Schüler am katholischen oder evangelischen Religionsunterricht teil. Das sind aber satte elf Prozentpunkte weniger als vor zehn Jahren. Damals, im Schuljahr 2008/2009, lag der Anteil noch bei 86 Prozent.

Sinkende Schülerzahlen

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die katholische und die evangelische Kirche kämpfen seit Jahren mit sinkenden Mitgliederzahlen. Bei den Katholiken ist eine Hauptursache hierfür der Skandal um tausendfachen Missbrauch. Für die Kirchen sind die sinkenden Schülerzahlen ein großes Problem. Denn: »Der Religionsunterricht in der Schule ist für Schüler der erste und oft auch wichtigste Ort, an dem sie über viele Jahre sich mit Fragen der Lebensgestaltung und den Antworten des christlichen Glaubens und anderer Religionen auseinandersetzen können«, sagte DBK-Sprecher Matthias Kopp.

Das sieht auch der Sprecher der katholischen Reformbewegung »Wir sind Kirche«, Christian Weisner, so. »Der Religionsunterricht ist eine große Chance und hat ein ganz großes Potenzial. Da wird ein Fundament für das spätere Leben gelegt und gezeigt, was Religion bedeuten kann.« In Bayern sank die Zahl der Religionslehrer innerhalb von zehn Jahren von 20 700 auf 18 700.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sieht die Entwicklung positiver. Erstens müssten aus EKD-Sicht zur Rechnung der KMK noch Schüler dazugezählt werden, die an einem »übergreifenden Religionsunterricht« teilnehmen. Dieser werde in einzelnen Bundesländern »konfessionell-kooperativ« erteilt, gehe aber entweder auf evangelischen oder katholischen Religionsunterricht zurück. Dies eingerechnet läge der Anteil der Schüler, die in Deutschland den Religionsunterricht besuchen, laut EKD bei knapp drei Vierteln.

Lichtblick im Osten

Und zweitens sei die Entwicklung im Osten erfreulich: »Über 20 Jahre hinweg hat sich die Zahl der Teilnehmer am Religionsunterricht etwas reduziert - in Westdeutschland ist das sicher so«, sagt der zuständige Referent im Kirchenamt, Matthias Otte. Im Osten sei das aber anders. »In Mecklenburg-Vorpommern etwa haben wir etwa 15 Prozent Kirchenmitglieder - und knapp 50 Prozent aller Schüler besuchen dort den evangelischen Religionsunterricht.« Die absoluten Zahlen in Mecklenburg-Vorpommern sind aber nicht sehr hoch: Gut 42 000 Schüler besuchten dort im Schuljahr 2017/18 nach KMK-Angaben den evangelischen Religionsunterricht - und nur 828 den katholischen.

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