Mittwoch, 24.07.2019

Teurer Zahnersatz nicht immer besser

Gesundheit: Barmer-Untersuchung legt große regionale Unterschiede offen - Ostdeutsche oft beim Zahnarzt

BERLIN
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Teurer Zahnersatz ist nicht unbedingt besser. Das ergibt sich aus einer Untersuchung, die die Barmer Krankenkasse vorgestellt hat. Foto: Hans Wiedl (dpa)
Foto: Hans Wiedl

Zeig mir dei­ne Zäh­ne und ich sa­ge dir, wo du wohnst. Die­sen Schluss legt ei­ne am Don­ners­tag ver­öf­f­ent­lich­te Un­ter­su­chung der Kran­ken­kas­se Bar­mer na­he. Dem­nach gibt es in Deut­sch­land gro­ße re­gio­na­le Un­ter­schie­de bei der Zahn­ver­sor­gung. Nach­fol­gend die wich­tigs­ten Er­geb­nis­se der Stu­die:

Wer geht besonders häufig zum Zahnarzt?

Am häufigsten lassen sich die Ostdeutschen in die Zähne schauen. Die Inanspruchnahme-Rate liegt in den neuen Ländern durchweg höher als im Westen. Spitzenreiter ist Sachsen. 2017 gingen dort 77,1 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt. Im Osten insgesamt liegt die Quote bei gut 75 Prozent.

Im Westen kommen die Spitzenreiter Bayern und Baden-Württemberg jeweils nur auf 73,7 beziehungsweise 72,2 Prozent. Mit 65,2 Prozent bilden die Saarländer das Schlusslicht. Der bundesweite Schnitt liegt bei 71,5 Prozent. Eine Ursache für den Unterschied könnte sein, dass Präventionsangebote im Osten traditionell stärker genutzt würden, erklärte Chef der Barmer-Ersatzkasse Christoph Straub.

Wie steht es um die Früherkennung?

Bei Früherkennungsuntersuchungen für kleine Kinder hat eher der Süden die Nase vorn. Bundesweit nimmt gut jedes dritte Kind (35,9 Prozent) zwischen zweieinhalb und sechs Jahren daran teil. In Bayern sind es 42,5 Prozent, im Saarland dagegen nur 27,7 Prozent.

Gibt es auch Unterschiede beim Zahnersatz?

Ja, vor allem bei den Kosten für Kronen, Brücken und Implantaten. In den ostdeutschen Flächenländern liegen die Gesamtkosten mit 1274 Euro bis 1379 Euro deutlich unter dem bundesweiten Schnitt von 1524 Euro. Am teuersten ist der Zahnersatz in Niedersachsen mit 1877 Euro. Eine Ursache dürfte das Einkommensgefälle zwischen Ost und West sein. So zahlen die gesetzlichen Krankenkassen für Zahnersatz einen festen Zuschuss, der sich an der »Regelversorgung« bemisst. Je mehr der Patient darüber hinaus will, also etwa ein Implantat anstelle einer Brücke, desto höher fällt sein Eigenanteil aus. In Bayern und Baden-Württemberg zum Beispiel sind das zwei Drittel der Gesamtkosten. Patienten in Sachsen-Anhalt zahlen dagegen weniger als die Hälfte aus eigener Tasche.

Ist teurerer Zahnersatz auch besser?

Nein. Bei einer Untersuchung zur Haltbarkeit von Kronen stellte sich heraus, dass sie bei einer reinen Regelversorgung nach sechs Jahren in 92,2 Prozent aller Fälle intakt waren. Bei teureren Produkten lag die Haltbarkeit bei 92,8 Prozent und damit nur unwesentlich höher. Wer zum Beispiel eine teure Vollkeramikkrone bevorzuge statt einer billigeren Metallkrone, dem gehe es um ästhetische Aspekte, meinte Barmer-Chef Straub.

Welche Schlussfolgerungen gibt es?

Nach Einschätzung des Studienautors Michael Walter von der Technischen Universität Dresden hat sich die Zahngesundheit in Deutschland insgesamt verbessert. Es gebe keine speziellen Problemgebiete. Auch die Regelversorgung sei »grundsätzlich« solide. Allerdings müsse sie im Hinblick auf ältere Menschen überprüft werden. Den Erkenntnissen der Barmer zufolge haben rund 20 Prozent der über 75-Jährigen einen zahnlosen Kiefer. Hier würde die Versorgung mit Implantaten statt Prothesen eindeutig eine Verbesserung der Lebensqualität bringen, meinte der Studienautor Michael Walter.

Hintergrund: Hoher Eigenanteil in Bayern

Im Freistaat Bayern tragen Patienten mit ihrem Eigenanteil 66 Prozent der Kosten. Im Osten liegt die Quote dagegen nur bei 47,7 bis 50,2 Prozent. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen für Zahnersatz einen festen Zuschuss; wer mehr will als die Regelversorgung, muss die Mehrkosten selbst bezahlen. Für den Zahngesundheitsatlas wurden Daten von etwa 9,4 Millionen Versicherten der Barmer Krankenkasse erhoben. Dies entspricht den Angaben zufolge einem Anteil von knapp 13 Prozent aller Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung. (dpa)

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