Mittwoch, 19.06.2019

Nervöse Union diskutiert K-Frage zur Unzeit

Partei: Annegret Kramp-Karrenbauer ist nicht mehr unangefochten - Auch Söder noch im Rennen

BERLIN
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Im Jahr 2002 musste die damalige CDU-Parteichefin Angela Merkel dem CSU-Chef Edmund Stoiber den Vortritt bei der Kanzlerkandidatur lassen. Foto: Altwein (dpa)
Foto: Andreas_Altwein
Markus Söder.
Foto: Sina Schuldt
Friedrich Merz.
Foto: Kay Nietfeld
Jens Spahn.
Foto: Britta Pedersen
Armin Laschet.
Foto: Henning Kaiser
Annegret Kramp-Karrenbauer.
Foto: Michael Kappeler
Angela Merkel.
Foto: Michael Kappeler

Der Zeit­punkt für ei­ne K-De­bat­te ist nicht ge­ra­de güns­tig: In ei­ni­gen Um­fra­gen lie­gen die Grü­nen nun vor der Uni­on, die Par­tei steckt in­halt­lich in der Kri­se und der Koa­li­ti­on­s­part­ner SPD lie­b­äu­gelt of­fen mit künf­ti­gen Links­bünd­nis­sen.

Dennoch diskutiert die CDU bereits nervös über den nächsten Kanzlerkandidaten, der eigentlich erst auf dem Parteitag Ende 2020 bestimmt werden soll. Wer sind die Schlüsselfiguren?

Angela Merkel. Weil Merkel nicht mehr antritt und viel über einen vorzeitigen Bruch der Großen Koalition spekuliert wird, befeuert dies die Debatte über die Kanzlerkandidatur. Merkel ist zwar keine CDU-Chefin mehr, aber sie wird erpicht darauf sein, dass ihr Erbe nicht unter die Räder kommt. Sie hat die Partei modernisiert, ihre Kritiker sagen, entkernt. Zwar werden am Ende die Vorsitzenden von CDU und CSU die K-Frage entscheiden, doch mit ein paar geschickten Sätzen kann die Noch-Kanzlerin potenziellen Anwärtern schaden - oder nutzen.

Annegret Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Vorsitzende hat als Parteichefin das erste Zugriffsrecht. Frak?tionschef Ralph Brinkhaus sagt bereits, AKK sei die nächste Kandidatin. Doch gemach. Die Saarländerin hat Fehler gemacht. Aufgrund dessen stellt mancher ihre Eignung bereits in Frage - und andere wittern ihre eigene Chance. In der Union heißt es, weitere Patzer dürfe sich die Chefin nicht erlauben. Auf Merkel kann sich die 56-Jährige nicht verlassen, das Verhältnis beider hat sich abgekühlt. Kramp-Karrenbauer muss es alleine richten. Gelingt ihr das nicht, wird sie einem anderen den Vortritt überlassen müssen.

Armin Laschet. Der Name des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten fällt hinter den Kulissen immer öfter. Parteichef wollte der Vize-Vorsitzende nicht werden. Kanzler vielleicht schon - auch wenn Laschet von der Frage genervt ist. Doch er ist bedacht darauf, die Entscheidung über die Kandidatur möglichst offen zu halten. Das nährt Spekulationen über eigene Ambitionen. Und seit die Union bei der Europawahl so stark verloren hat und die Grünen ihr im Nacken sitzen, gilt Laschet als Alternative zu AKK. Auch inhaltlich grenzt sich der 58-Jährige mitunter ab - so wollte er eine CO2-Steuer nicht ausschließen. Laschet ist übrigens Chef des stärksten Landesverbandes. Das darf man nicht unterschätzen.

Jens Spahn. Der Gesundheitsminister und Gegenkandidat Kramp-Karrenbauers bei der Wahl zum Parteivorsitz verhält sich am geschicktesten von allen. Zu Migrationsfragen äußert sich der Konservative kaum noch. Stattdessen legt er einen Gesetzentwurf nach dem anderen vor. Da will jemand durch solide Ministerarbeit überzeugen. Wer Spahn kennt, der weiß, dass er auf seine nächste Gelegenheit wartet. In der Union ist zu hören, Spahns große Stunde könne noch kommen. Bei einer Bundestagswahl hätte der 39-Jährige gegen Grünen-Chef Robert Habeck möglicherweise bessere Chancen als AKK. Selbst bei einer Urwahl, die die Wertunion nun ins Spiel gebracht hat, könnte dies der Fall sein.

Friedrich Merz. Seine Anhänger haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der 63-Jährige nicht nur irgendwann Minister, sondern vielleicht sogar nächster Kanzlerkandidat wird. Wann immer jedoch in der Union Kritik an dem einen oder anderen kolportiert wird, ist oft davon die Rede, dass das Merz-Lager dahinter stecke. Wirtschaftsminister Peter Altmaier soll zuletzt Leidtragender gewesen sei. Das sind keine guten Voraussetzungen für den bei der Wahl zum Parteivorsitz knapp Unterlegenen. Merzens größtes Problem ist Angela Merkel. Sie wird alles daran setzen, ihren Intimfeind zu verhindern.

Markus Söder. In der ganzen Debatte darf nicht vergessen werden, dass die CSU in der K-Frage ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Schließlich wird es sich um einen Kandidaten beider Parteien handeln. AKK hat bei den Bayern im Moment die besten Karten. Sie kann gut mit Parteichef und Ministerpräsident Söder. Und sie hat die CSU nach ihrer Wahl zur Vorsitzenden geschickt umgarnt und wieder mit der CDU versöhnt. Am Ende werden sich die Christsozialen jedoch die Frage stellen, mit wem sie in Bayern die besten Chancen haben werden. > Seite 3

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