Donnerstag, 23.05.2019

Mächtige Lobby für Verkehr auf zwei Rädern

Geburtstag:Fahrradclub ADFC 40 Jahre alt

BERLIN
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Aschaffenburger ADFC-Aktivisten bei Freigabe der Radwege in der Alexandrastraße. Archivfoto: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich

Schon der Na­me war ei­ne Kamp­f­an­sa­ge: Der am 18. April 1979 ge­grün­de­te »All­ge­mei­ne Deut­scher Fahr­rad­club« (ADFC) soll­te die Kon­kur­renz­or­ga­ni­sa­ti­on zum mäch­ti­gen Au­to­ve­r­ein ADAC sein. Man be­gann mit 17 Leu­ten in Bre­men, heu­te sind es 175 000 Mit­g­lie­der bun­des­weit. Ten­denz: Jähr­lich um fünf Pro­zent stei­gend.

Die Lobbyorganisation für den Zweiradverkehr hat große Erfolge verzeichnet, doch der Traum von »holländischen Verhältnissen« ist noch immer weit weg.

Die Gründer wollten dem Fahrrad in den Städten wieder Platz verschaffen. Den gab es noch bis weit in die 50er Jahre hinein, ehe der Pkw-Boom das Fahrrad an den Rand drängte. Zu den ersten Aktionen gehörten die ADFC-Aufkleber »Parke nicht auf unseren Wegen«. Inzwischen sitzt der Fahrradclub mit seiner Zentrale in Berlin, in einem Bürogebäude neben dem Supermarkt, in dem Angela Merkel einkauft. Er arbeitet nun viel stärker als politische Lobbyorganisation. Sein Thema hat sich kaum verändert: Es ist noch immer der Kampf um den Platz in den Städten. Dort erlebt das Rad einen regelrechten Boom. Die Politik kommt oft nicht nach.

Volksbegehren unterstützt

Vielerorts unterstützt der ADFC Volksbegehren. In Berlin verabschiedete der Senat unter dem Druck eines solchen Volksentscheides ein Mobilitätsgesetz, mit dem die Investitionen in den Radverkehr stark erhöht werden sollen, auch zu Lasten von Parkplätzen. Die Abschaffung der generellen Benutzungspflicht von Radwegen im innerörtlichen Verkehr zählt der ADFC zu seinen Erfolgen, ebenso die Möglichkeit der Kommunen, reine Fahrradstraßen auszuweisen oder den Radverkehr in Einbahnstraßen in Gegenrichtung zuzulassen. Fahrradtouristen schätzen den Verein als Ratgeber. Viele Urlauber fahren mit seinen Karten oder suchen sich Quartiere mit dem »Bett+Bike«-Qualitätssiegel des ADFC.

Aktuell wirbt die Organisation unter dem Titel »Mehr Platz fürs Rad« für abgetrennte, breite Radwege in den Städten - zu Lasten einer Fahrspur oder von Parkplätzen. »Protected bike lane«, geschützter Radweg, ist der Fachbegriff. Das ist eine Kurskorrektur, denn in den 2000er Jahren trat der ADFC für aufgemalte Radspuren auf den Fahrbahnen ein, auch als Zeichen velophiler Gleichberechtigung. Doch zeigen Umfragen, dass weniger sportliche Menschen sich hier nicht zu fahren trauen. Zudem sind die Radspuren oft zugeparkt. Nun also die Lösung, die auch in Vorbild-Großstädten wie Kopenhagen oder San Francisco verfolgt wird. Die Forderung nach sechs Millionen sicheren Abstellmöglichkeiten gehört zu den vordringlichen Zielen.

Leitbild Holland

Das große Leitbild des ADFC ist Holland. Dort werden 27 Prozent aller Wege per Rad gemacht, in Deutschland sind es nur elf Prozent. Und dieser Anteil stagniert trotz der aktuellen Fahrradbegeisterung. Denn auf dem Land ist der Radanteil rückläufig. Dabei ist jede zweite Autofahrt unter fünf Kilometer lang. Distanzen, die ein Radler in rund 20 Minuten schafft, mit E-Bikes erst recht. Stau- und schadstofffrei.

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