Dienstag, 20.08.2019

Kennzeichnung mit Farben bevorzugt

Lebensmittel: Modell Klöckners Ende September

BERLIN
Kommentieren
Nutri-Score-Kennzeichnung: Bei Verbrauchern beliebt, doch das Klöckner-Ministerium scheint skeptisch. Foto: Gateau (dpa)
Foto: Christophe Gateau
Die Ver­brau­cher in Deut­sch­land be­vor­zu­gen mit ei­ner gro­ßen Mehr­heit ei­ne farb­li­che Kenn­zeich­nung der Nähr­wer­te von Le­bens­mit­teln. Das geht aus ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Um­fra­ge von acht me­di­zi­ni­schen Ver­bän­den und der Ver­brau­cher­or­ga­ni­sa­ti­on Food­watch her­vor.

Danach bevorzugen 69 Prozent der Befragten den so genannten Nutri-Score, bei dem auf der Vorderseite einer Verpackung auf einer Farbskala von grün bis orange der Gehalt an ungesunden Zutaten gekennzeichnet wird. Das vorgelegte Alternativmodell des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts sieht keine farbliche Markierung vor, beinhaltet dafür aber Details zum Gehalt an Fett, Zucker oder Salz. Diese Darstellung kann der Umfrage zufolge nur jeden vierten Kunden überzeugen.

Kampf gegen Diabetes

»Die Umfrage hat deutlich gezeigt, dass Verbraucher sich den Nutri-Score wünschen«, stellt die Chefin der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Barbara Bitzer, fest. Diese Kennzeichnung müsse schnell eingeführt werden, um die Volkskrankheit Diabetes einzudämmen. Ansonsten sei mit einem weiteren Anstieg der Erkrankten von derzeit sieben auf zwölf Millionen Menschen in Deutschland zu rechnen. Dafür spricht sich auch der Kinderarzt Berthold Koletzko von der Uni München aus. »Wir brauchen ein System, mit dem Eltern nach der Arbeit einfach gesunde Lebensmittel einkaufen können«, sagt der Mediziner.

Mit den bisherigen Strategien, etwa dem Verteilen von Broschüren über gesunde Ernährung, werden die von Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen besonders betroffenen bildungsfernen Schichten nach Einschätzung Koletzkos nicht erreicht. Gerade bei Verbrauchern mit einem geringen Schulabschluss kam die Farbkennzeichnung in der Umfrage gut an. Drei von vier Befragten dieser Gruppe findet die Farbkennzeichnung besser.

Ende September will sich Ernährungsministerin Julia Klöckner für ein neues System der Nährwertkennzeichnung entscheiden. Derzeit befragt das Max-Rubner-Institut in ihrem Auftrag ebenfalls Verbraucher nach deren Präferenz bei der Kennzeichnung. Die CDU-Politikerin stellt dabei vier verschiedene Systeme zur Auswahl. Mit der eigenen Umfrage wollen die Verbände offensichtlich den Druck auf die Ministerin erhöhen, bald eine Farbkennzeichnung einzuführen. Klöckner selbst wirft den Verbänden vor, die Fakten zu verdrehen. Das EU-Recht verlange eine fundierte Verbraucherforschung, erläuterte ein Sprecher. Auf Basis dieser nun laufenden eigenen Studie werde Ende September ein für die Ministerin maßgebliches Ergebnis vorliegen.

Klage gegen Iglo

In Frankreich und Belgien gibt es den Nutri-Score bereits. In Deutschland wollte der Tiefkühlhersteller Iglo die Kennzeichnung freiwillig auf die Verpackung drucken. Das Unternehmen wurde daraufhin verklagt. Diese Rechtsunsicherheit verhindert nach Einschätzung von Foodwatch, dass Hersteller mit gutem Beispiel vorangehen.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!