Samstag, 20.07.2019

Globuli zulasten der Beitragszahler?

Homöopathie: Groko streitet über Zuzahlungen

BERLIN
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Die Wirkung von Globuli ist umstritten. Foto: Ralf Hirschberger (dpa)
Foto: Ralf Hirschberger

Glo­bu­li auf Kos­ten der Bei­trags­zah­ler? In der Gro­ßen Koa­li­ti­on gibt es St­reit dar­über, ob die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen auch wei­ter­hin für ho­möo­pa­thi­sche Mit­tel auf­kom­men dür­fen. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um sieht laut ei­ner Sp­re­che­rin kei­nen Kor­rek­tur­be­darf.

Beliebt sind sie allemal: Schätzungen zufolge greifen etwa 60 Prozent der Bundesbürger auf homöopathische Mittel in Form von Kügelchen (Globuli), Kapseln oder Tropfen zurück. Während Nutzer auf die auch als »sanfte Medizin« bekannten Therapien schwören, halten Kritiker sie für Scheinmedikamente mit zweifelhaftem Nutzen.

Notfalls Kasse wechseln

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung forderte, wie in Frankreich die Zuzahlungen der Krankenkassen abzuschaffen. In der Groko scheinen sich die Stimmen dafür zu mehren. Die Wirksamkeit sei nicht nachgewiesen. Daher sehe sie es »kritisch«, dass Krankenkassen und damit die Beitragszahler solche Mittel finanzierten, meinte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar. Ähnlich hatte sich Fraktionsvize Karl Lauterbach geäußert. Unterstützung kam vom Chef des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU). Dagegen verteidigte die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag (CDU), die geltende Praxis mit dem Hinweis, dass sich Kassenpatienten, die Homöopathie ablehnten, für eine Kasse entscheiden sollten, die keine Kosten dafür erstatte.

Nach Angaben des »Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte« kommt mehr als die Hälfte der rund 100 gesetzlichen Krankenkassen freiwillig für entsprechende Behandlungskosten auf. Diese Maßnahme soll vor allem der Mitgliederwerbung und der Kundenbindung dienen. Im Interesse des Kassenwettbewerbs waren die gesetzlichen Möglichkeiten für zusätzlichen Angebote im Jahr 2012 massiv ausgeweitet worden. Darunter fallen zum Beispiel auch Zahnprophylaxe, eine erweiterte Nutzung von Haushaltshilfen bei Krankheit sowie die Versorgung mit rezeptfreien Arzneimitteln.

»Kein Korrekturbedarf«

Das Bundesgesundheitsministerium sieht keinen Korrekturbedarf. Auf Nachfrage unserer Redaktion verwies man dort auf die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts, wonach homöopathische Behandlungen als zusätzliche Satzungsleistungen der Kassen möglich seien. Die Kosten für solche Leistungen hätten die Krankenkassen aus Eigenmitteln zu tragen und nicht aus Zuweisungen des Gesundheitsfonds, erklärte eine Sprecherin. Nach ihren Angaben gaben die Kassen zuletzt insgesamt 500 Millionen Euro für freiwillige Leistungen aus. Homöopathische Mittel schlugen laut einem Bericht der Pharmaindustrie im Jahr 2017 lediglich mit 10,7 Millionen Euro für die Kassen zu Buche. Die gesamten Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Kassen in jenem Jahr hätten sich dagegen auf 39,6 Milliarden Euro belaufen. Auch wegen dieser sehr überschaubaren Kosten halte sie die geltende Praxis für »verträglich«, meinte die CDU-Gesundheitspolitikerin Maag. > Seite 3

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