Sonntag, 26.05.2019

Ein wichtiges Zentrum vor dem Aus?

Medizin:In der Villa Metabolica in Mainz werden MPS-Patienten behandelt - Sparzwang bedroht Einrichtung

Aschaffenburg
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Sel­te­ne Er­kran­kun­gen sind kos­ten­in­ten­siv: so­wohl bei der Diag­no­se als auch in der Be­hand­lung. Die Vil­la Me­ta­bo­li­ca in Mainz ist ein Zen­trum, das sich auf ly­so­so­ma­le Spei­che­r­er­kran­kun­gen wie Mu­ko­po­ly­sac­cha­ri­do­sen (MPS) spe­zia­li­siert hat. Es ist auf dem Ge­län­de der Uni­ver­si­täts­k­li­nik Mainz an­ge­sie­delt, die auch der Trä­ger der Ein­rich­tung ist.

Innerhalb weniger Jahre können diese Erkrankungen zum Tod führen, insbesondere wenn sie nicht richtig behandelt werden. Deswegen kommen auch Patienten aus ganz Deutschland und teilweise aus dem Ausland nach Mainz. 900 Menschen werden hier regelmäßig behandelt. Nun aber muss die Uniklinik sparen. 100 von insgesamt 8000 Stellen sollen wegfallen.

Im Rahmen der Behandlungen kommen therapeutische Maßnahmen wie die Enzymersatztherapie zur Anwendung. Die Kosten für das Medikament tragen die Krankenkassen. Alle weiteren Kosten wie die pflegerische und ärztliche Betreuung muss die Klinik finanzieren. Konkret erhalte die Universitätsmedizin für ihre Hochschulambulanzen pro Patient im Quartal 145 Euro. Auf dieser Basis sei eine kostendeckende Finanzierung der Villa Metabolica nicht möglich, erklärte die Uniklinik kürzlich. Dennoch halte man am Fortbestand der Einrichtung fest.

»Mit jetzt noch 3,4 Arztstellen ist das Zentrum definitiv nicht mehr arbeitsfähig. Entweder leidet massiv die Versorgung der Patienten oder es können keine Forschungen und die so wichtigen Medikamentenstudien mehr durchgeführt werden«, kritisiert Folker Quack, Vorsitzender der Selbsthilfegruppe Hand in Hand gegen Tay-Sachs und Sandhoff und selbst Vater eines von Morbus Sandhoff betroffenen Jungen aus Würzburg. »Wenn sie eine Villa Metabolica zerstören, dann zerstören sie eine Anlaufstelle. Das schafft Unsicherheit bei Betroffenen«, sagt auch Carmen Kunkel von der Gesellschaft für Mukopolysaccharidosen in Aschaffenburg. Patienten müssten nun in weiter entfernte Zentren zur Behandlung fahren.

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