Mittwoch, 19.06.2019

Ein Herz für die Regionen

Europawahl: Das ist der SPD-Abgeordneten Kerstin Westphal aus Schweinfurt wichtig

Partenstein
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Freut sich über gern genutzte Kulturwege: Europaabgeordnete Kerstin Westphal (SPD) mit Teilnehmern einer Wanderung zum Partensteiner Erichstollen. Foto: Sabine Dreher
Foto: Sabine Dreher

Ei­gent­lich ist es ein Ter­min nach Kers­tin West­phals Ge­sch­mack: Der SPD-Orts­ve­r­ein Par­ten­stein hat die Eu­ro­pa-Ab­ge­ord­ne­te zur Wan­de­rung auf dem Eu­ro­päi­schen Kul­tur­rund­weg »Schwerspat und Ei­sen­bahn« ein­ge­la­den. Doch auf der Fahrt in den Kreis Main-Spess­art geht ihr Au­to ka­putt. Der Wa­gen muss am Abend noch zur Werk­statt ge­bracht und ein Er­satz­fahr­zeug or­ga­ni­siert wer­den. So kurz vor der Eu­ro­pa­wahl hat die 56-Jäh­ri­ge kei­ne Zeit zu ver­lie­ren.

Ob der Vorfall sie stresst, ist ihr nicht anzumerken. Westphal geht auf die Gruppe zu, die sich vor dem Partensteiner Heimatmuseum zum Abmarsch bereit hält, und - Kabumm! - ist präsent. Mit jedem Satz lässt sie ihre Gesprächspartner spüren, wie wichtig ihr das Projekt Europa ist. Egal, zu welchem Thema die Wanderer von der Abgeordneten etwas wissen wollen: Westphal gibt nicht einfach nur Auskunft, sondern plädiert mit Leidenschaft: Für Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden - das alles gebe es mit Europa.

Der Anstieg durch den Wald auf der alten Sandsteinstraße zum Schwerspat-Stollen ist taugt fast als Symbol dafür, welch steiniger Weg der Europäischen Union nach der Wahl bevorsteht. Westphal sorgt sich, dass es zu einem Rechtsruck im Europäischen Parlament kommt und zum Beispiel die regionale Förderpolitik zurückgefahren wird. Bereits jetzt seien neue Töne zu hören, berichtet sie: So habe ein Abgeordneter die Lohngleichheit von Männer und Frauen mit dem Argument abgelehnt, Frauen hätten kleinere Gehirne. »Solche Sprüche zeigen, wohin die Reise gehen soll«, warnt die Mutter zweier Kinder.

Keine Aufzugfahrt mit Meuthen

Sie selbst weigert sich, mit Rechtsnationalen zu reden. Neulich, berichtet sie, sei AfD-Chef Jörg Meuthen zu ihr in den Aufzug gekommen. Da sei sie ausgestiegen und habe lieber die Treppe genommen. Seit zehn Jahren ist die Schweinfurterin, deren Hamburger Herkunft noch deutlich zu hören ist, Mitglied des Europäischen Parlaments. Zweimal hatte sie zuvor kandidiert. Auch bei der Wahl am 26. Mai tritt die gelernte Erzieherin wieder an, allerdings auf einem aussichtslosen 23. Listenplatz. Es sei eine Ehre gewesen, das Mandat ausüben zu dürfen, sagt sie dazu. »Ich bin überzeugte Sozialdemokratin, und ich liebe diese Partei. Wir haben ganz viele Sachen durchgesetzt, die es ohne uns nicht gegeben hätte. Dafür kämpfe ich.«

Im Europaparlament gehört sie unter anderem dem Ausschuss für regionale Entwicklung an - und arbeitet damit an jener Förderpolitik mit, von der zum Beispiel die Europäischen Kulturrundwege profitieren. Die Wandertouren im Spessart zu heimatgeschichtlichen Themen werden zu von der EU gefördert. »Das ist europäisches Geld, ganz nah an den Menschen dran«, erklärt Kerstin Westphal, als sich die Wandergruppe beim Erichstollen einfindet. »Genau solche Beispiele brauche ich, weil sie zeigen: Europa ist näher, als ihr glaubt.«

Lehrjahre im Stadtrat

Wie nahe, hat Kerstin Westphal selbst im Regionalausschuss erfahren: »Ich weiß nicht, ob ich die Förderpolitik so gut verstanden hätte, wäre ich nicht zwölf Jahre lang im Stadtrat gesessen.«Ihr Wunsch für Europa? Man müsse auch in Brüssel über Mindestlöhne und Steuerpolitik reden. »Wir haben ein wirtschaftliches Europa«, sagt sie, »es fehlt das soziales Europa.«

Zur Person: Kerstin Westphal

 

Kerstin Westphal wurde 1962 in Hamburg geboren. Die gelernte Erzieherin ist seit 2009 Abgeordnete im Europäischen Parlament. Dort ist sie Mitglied im Ausschuss für regionale Entwicklung sowie in mehreren Gremien für die Beziehungen zu europäischen Nicht-EU-Mitgliedern. Bei der SPD engagiert sie sich, seit sie 18 Jahre alt ist. Seit 2007 ist sie im Vorstand der Unterfranken-SPD. Von 1996 bis 2008 war sie Stadträtin in ihrer Heimatstadt Schweinfurt. Kerstin Westphal ist verheiratet und hat zwei Kinder. (bin)

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