Sonntag, 18.08.2019

Darlehen für Pflege wird kaum genutzt

Soziales: Stattdessen Pflegezeitgeld gefordert

BERLIN
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Die Deut­sche Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz hat staat­li­che Dar­le­hen für die Pf­le­ge von An­ge­hö­ri­gen als ge­schei­tert kri­ti­siert. »Kein Mensch nimmt ei­nen Kre­dit, um we­ni­ger ar­bei­ten zu müs­sen und da­für An­ge­hö­ri­ge zu pf­le­gen«, sag­te Vor­stand Eu­gen Brysch in Ber­lin.

Brysch forderte stattdessen die Einführung eines Pflegezeitgelds ähnlich dem Elterngeld. Dies solle eine staatlich finanzierte Lohnersatzleistung sein, sagte der Stiftungs-Vorstand. Hintergrund ist, dass nur wenig Menschen die Möglichkeit von zinslosen Darlehen nutzen, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren oder eine Auszeit nehmen, um zu Hause einen Angehörigen zu pflegen.

Eingeführt wurden diese Darlehen durch das Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf 2015. Seither haben lediglich 921 Personen davon Gebrauch gemacht, wie eine vom Bundestag veröffentlichte Antwort der Bundesregierung auf eine FDP-Anfrage im Bundestag zeigt.

Rechtsanspruch auf Freistellung

Beschäftigte haben in Unternehmen ab 15 Beschäftigten einen Rechtsanspruch auf eine bis zu sechsmonatige Freistellung, wenn sie einen Pflegebedürftigen in häuslicher Umgebung pflegen. Während dieser Pflegezeit kann ein solches Darlehen in Anspruch genommen werden. Dies haben seit der Einführung 520 Menschen genutzt. Ein solches Darlehen kann auch bei der Familienpflegezeit genutzt werden, bei der man die Arbeit für bis zu 24 Monaten auf 15 Wochenstunden reduzieren kann. 401 Personen haben dies bisher genutzt.

Geringer als erwartet

Die Darlehen werden beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt und ausgezahlt. Nach offizieller Schätzung haben 2017 rund 82 000 Personen eine Pflegezeit oder Familienpflegezeit in Anspruch genommen. Die Inanspruchnahme der Förderung der Beschäftigten durch das zinslose Darlehen sei dabei hinter den vom Gesetzgeber getroffenen Annahmen zurückgeblieben, räumt die Bundesregierung ein.

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