Mittwoch, 24.07.2019

»Breites Verständnis für Fahrverbote«

Florian Phleps: Tirol-Werbung-Chef Phleps befürchtet keinen nachhaltigen Schaden für Image des Urlaubslands

MÜNCHEN/INNSBRUCK
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Im St­reit zwi­schen Bay­ern und Ti­rol um den Tran­sit­ver­kehr stellt sich die Ti­ro­ler Frem­den­ver­kehrs­wirt­schaft auf die Sei­te ih­rer Lan­des­re­gie­rung.

Die von ihr für die Sommerwochenenden verfügten Fahrverbote für das untergeordnete Straßennetzjenseits der Inntal- und Brenner-Autobahn halte er für »zumutbar«, sagte der Geschäftsführer der »Tirol-Werbung« Florian Phleps (Foto: Tirol-Werbung) in einem Gespräch mit unserer Münchner Redaktion.

Herr Phleps, die Tiroler Landesregierung verschärft seit Wochen ihre Maßnahmengegen den Straßen-Transitverkehr. Hat dies bislang Auswirkungen auf das Buchungsverhalten ausländischer Gäste in Tirol?

An uns wurden bisher noch keine Änderungen im Buchungsverhalten von Gästen herangetragen.

Für wie groß halten Sie die Gefahr, dass Auto-Touristen aus anderen europäischen Ländern durch die getroffenen Fahrverbots-Maßnahmen das Gefühl bekommen, in Tirol unerwünscht zu sein und damit das Image des Urlaubslands Tirol leidet?

Vielfach scheint der falsche Eindruck entstanden zu sein, dass alle niederrangigen Straßen in Tirol gesperrt sind und ein Durchqueren unseres Landes abseits der Autobahn nicht mehr möglich ist. Wir stellen allerdings fest, dass es großes Verständnis gibt,sobald wir erläutern, dass diese Maßnahmen dem Schutz der hier lebenden Bevölkerung sowie der Verkehrs- und Versorgungssicherheit dienen und dass es sich um temporäre und räumlich begrenzte Sperren handelt. Daher habe ich keine Sorge, dass unser Image dadurch nachhaltigen Schaden nimmt.

Tirol-Touristen, die mit dem Autoanreisen, müssen an den Wochenenden Polizeibeamten erklären, warum sie die Autobahn verlassen. Dasselbe gilt wohl auch, wenn sie im Rahmen ihres Aufenthalts Exkursionen mit dem Auto unternehmen. Beeinträchtigt dieser ständige Rechtfertigungsdruck den Urlaubsgenuss oder halten Sie das für zumutbar?

Da es sich um zeitlich und örtlich beschränkte Maßnahmen handelt, halte ich das für zumutbar. Tirol-Urlauber stehen auf den für den Durchreiseverkehr gesperrten Straßen dadurch nicht mehr im Stau. Der Anrainer-, Ziel- und Quellverkehr ist von den Sperren ausgenommen. Im Übrigen betreffen diese Regelungen Ausländer und Inländer gleichermaßen. Auch Österreicher und selbst Tiroler, die aus anderen Bezirken stammen, müssen eine Erklärung liefern, wenn sie eine Sperre passierenwollen.

Hat sich die Tiroler Fremdenverkehrswirtschaft bereits zu den Fahrverboten der Tiroler Landesregierung geäußert und wenn ja, mit welcher Tendenz und mit welcher Wirkung?

Im Tiroler Tourismus herrscht aufgrund der Verkehrsbelastung in den betroffenen Orten ein breites Verständnis für die damit verbundenen temporären Fahrverbote der Regierung des Landes Tirol.

Früher konnten Urlauber mit Ziel WilderKaiser/Kitzbühel die Autobahn bis Kufstein-Süd mautfrei benutzen. Das wurde abgeschafft. Würden Sie eine Wiedereinführung dieser Regelung begrüßen?

Hier wird seit Jahren von der Tiroler Politik und Wirtschaft eine erneute Lösung in dieser Sache gefordert. Leider bisher ohne Erfolg.

Hintergrund: Österreich bereit zu Dialog über Transitstreit mit Deutschland

Im Streit um den Transitverkehr zwischen Deutschland und Österreich könnte ein Treffen der Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Andreas Reichhardt sowie dem Tiroler Landeschef Günther Platter (ÖVP) eine Deeskalation der Lage bringen. Nach einem Gesprächsangebot von Scheuer erklärten sich die beiden Österreicher zu einem Treffen bereit. Das österreichische Bundesland Tirol hatte an den drei vergangenen Wochenenden Fahrverbote auf Ausweichstrecken im Großraum Innsbruck durchgesetzt, um so die Dörfer in Autobahnnähe zu entlasten. Auch das Bundesland Salzburg hatte ein ähnliches Vorgehen angekündigt. Die Maßnahme soll noch bis September an den Wochenenden umgesetzt werden, damit Fahrzeuge auf der Autobahn bleiben. Auch die Blockabfertigung von Lastwagen an der Grenze will Tirol weiter beibehalten.

Dies stößt in Deutschland und vor allem in Bayern auf scharfe Kritik. Scheuer hatte gesagt, dass er Platter und Reichhardt zu Gesprächen nach Berlin eingeladen habe. Reichardt begrüßte das und erklärte: »Die Fronten dürfen sich nicht weiter verhärten.« Platter sagte klar, er werde nur Gespräche über Maßnahmen führen, die die Tiroler und bayerische Bevölkerung entlasten. Zudem schlug er vor, sich lieber in Tirol als in Berlin zu treffen. (dpa)

Hintergrund

» Die Maßnahmen sind zeitlich und örtlich begrenzt.

Ich halte das für zumutbar. «

Florian Phleps, Tirol-Werbung-Chef

Hintergrund

» Uns sind keine Änderungen im Buchungsverhalten von Gästen mitgeteilt worden. «

Florian Phleps, Tirol-Werbung-Chef

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