2,4 Cent pro Kilowattstunde mehr

Gasumlage: Experten erwarten Belastung von Privathaushalten in Höhe von 20 oder 40 Euro mehr pro Monat

BERLIN
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Nun kön­nen sich die Pri­vat­haus­hal­te und Un­ter­neh­men aus­rech­nen, wie viel mehr sie dem­nächst für Gas be­zah­len müs­sen. Am Mon­tag­mit­tag wur­de die neue Gasum­la­ge be­kannt­ge­ge­ben.Wie hoch ist der Auf­schlag?

Die Umlage beträgt rund 2,4 Cent pro Kilowattstunde. Sparsame Haushalte mit 10.000 Kilowattstunden jährlichen Verbrauchs würden etwa 240 Euro innerhalb eines Jahres mehr zahlen, monatlich 20 Euro. Familien, die 20.000 Kilowattstunden brauchen, müssten mit etwa 480 Euro pro Jahr rechnen, 40 Euro pro Monat. Die Umlage wird alle drei Monate neu berechnet, kann zunehmen, aber auch sinken. Hinzu kommt eventuell die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, wobei die Bundesregierung mit der EU-Kommission über eine Ausnahme verhandelt, um sie nicht erheben zu müssen.

Die Umlage kommt zu den sowieso steigenden Gaspreisen hinzu. Diese sind das größere Problem. Schon für sparsame Privathaushalte können sie momentan 150 Euro monatlich betragen. Ein Anstieg auf 300 pro Monat ist nicht unwahrscheinlich.

Wer muss die Umlage bezahlen?

Alle Privathaushalte und Unternehmen, die Erdgas beziehen, um zu heizen, zu kochen, Wasser zu erwärmen oder Güter zu produzieren.

Warum wird sie erhoben?

Im Zusammenhang mit dem Angriff auf die Ukraine liefert Russland viel weniger Erdgas als vereinbart. Hiesige Importeure müssen sich deshalb zu weit höheren Kosten auf dem Weltmarkt eindecken, während sie den Brennstoff noch zu früher festgelegten niedrigen Preisen an die Gasversorger abgeben. Diese Schere bedroht manchen Importeur in der Existenz. »Wenn die Verluste zu groß sind, droht die Insolvenz dieser Unternehmen und damit der Zusammenbruch der Gasversorgung von privaten und gewerblichen Verbrauchern insgesamt«, erklärte das Wirtschaftsministerium. Deshalb deckt die von der Ampel-Koalition beschlossene Umlage die Zusatzkosten der Importeure und verteilt sie auf die Kunden. Praktisch organisiert das die Firma Trading Hub Europe (THE), eine gemeinsame Tochter der Gasimporteure.

Welche Firmen profitieren?

»Insgesamt haben zwölf Gasimporteure ihre Ersatzbeschaffungskosten bei THE angemeldet«, erklärte das Wirtschaftsministerium, »sie machen 34 Milliarden Euro Kosten geltend.«

Erwirtschaften Unternehmen Gewinne, obwohl sie die Umlage erhalten?

Das meiste Geld wird wohl an Uniper fließen, den größten deutschen Gasimporteur. Dieser macht wegen Russland augenblicklich hohe Verluste, weshalb ihn die Bundesregierung stützt. Grundsätzlich erscheint aber denkbar, dass Gasimporteure mit ihrem Russland-Geschäft rote Zahlen schreiben, in anderen Geschäftsfeldern jedoch Gewinne verbuchen. Das ist bei RWE (Strom) und Shell (Benzin) so. Diese beiden haben freiwillig auf die Umlage verzichtet.

Will die Regierung den Haushalten helfen?

Mehrere Entlastungen sind bereits beschlossen. Demnächst erhalten alle steuerpflichtigen Erwerbstätigen einen staatlichen Energiepreiszuschuss von 300 Euro, der allerdings versteuert werden muss. Die Ökostrom-Umlage wurde abgeschafft, das Kindergeld einmalig um 100 Euro angehoben. Je nach individueller Konstellation können die staatlichen Entlastungen 600, 700 oder mehr Euro pro Privathaushalt erreichen. Trotzdem werden sie nicht die kompletten Mehrkosten für Energie und Lebenshaltung abdecken.

Ein zusätzliches Entlastungspaket ist deshalb in der Diskussion - ob und wie schnell es kommt, ist unklar. Für den Jahresanfang 2023 hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ein höheres Wohngeld für Niedrigverdiener und das neue Bürgergeld (bisher Hartz IV) angekündigt. FDP-Bundesfinanzminister Christian Lindner propagiert eine Steuersenkung. > Seite 3

Hintergrund: Wann wird die Umlage fällig?

Sie gilt ab kommenden Oktober. Vielleicht dauert es aber ein bisschen, bis die Versorger sie in Rechnung stellen. »Die Umlage wird mit etwas Zeitverzug wahrscheinlich erstmals im November/ Dezember ausgewiesen«, sagte das Wirtschaftsministerium. Das spüren die Immobilieneigentümer zuerst. Bei vielen Mietern könnte die Umlage im Zuge der Betriebskostenabrechnung erst nächstes Jahr ankommen. Die Regelungen gelten grundsätzlich bis September 2024. (hako)

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