Wohlfühlprogramm aus der Steiermark

Kabarett-Bundesliga: Christof Spörk triumphiert in der Kochsmühle Obernburg

Obernburg
1 Min.

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Auch musikalisch überzeugend: Christof Spörk in Obernburg.
Foto: Heinz Linduschka
Es war ein be­mer­kens­wer­ter Spiel­tag in Ka­ba­rett­bun­des­li­ga. In der aus­ver­kauf­ten Obern­bur­ger Kochs­müh­le sorg­te das Pu­b­li­kum als Ju­ry für das klars­te Er­geb­nis in die­ser Sai­son. Mit 7,4 zu 2,6 Punk­ten lag am En­de der ös­t­er­rei­chi­sche Ka­ba­ret­tist und Mu­si­ker Chri­s­tof Spörk weit vor den zwei Frank­fur­ter Co­me­di­ans Jo­chen Döring und Tim Ka­rach, alias »Frank­fur­ter Klas­se«.
Die boten an diesem Abend »derbste Milieucomedy aus der Großstadt«, schlüpften in eine Vielzahl von Rollen und stellten Typen auf die Bühne, denen das Kochsmühlen-Publikum offenbar nicht viel abgewinnen konnte.
Ob als Mario und Speedy auf der Suche nach Flaschenpfand, ob als Handwerkerprolls Lutz und Rainer oder als Zeynep, das türkische It-Girl mit festgetackertem Handy und ihr arabischstämmiger Hip-Hop-Freund Nabil - die Verwandlungskünstler Döring und Karach schafften skurrile Komik  und sorgten mit der »Kamelinvasion in deutschen Zoos« oder ihrem Herzen für schwule weiße Tiger in Las Vegas für Glanzlichter. Allerdings lief sich die Methode schnell tot, ihr Sound wurde nervig.
Ganz anders der 44-jährige Christof Spörk aus der Steiermark. Er trug seine selbst gestrickten Gedichte mit einer Mixtur aus Philosophie und Komik vor, stimmte kluge und zugleich eingängige Lieder wie das »Du musst dich optimieren« an und ließ das kritische »Ich bin kein Gutmensch, aber …« in ein Stimmungslied münden. Spörk setzte sich ans Keyboard oder griff zu Ziehharmonika und Klarinette - und immer schlug ihm die Sympathie der Besucher entgegen.
Selbst ihn dürfte der Jubelsturm am Ende seines Kinderliedes über das Bruttoinlandsprodukt verblüfft haben. Dass seine Erzählungen über seine sechsköpfige Familie genau so gut ankamen wie sein Song über die Lärmschutzwanderstbesteigung erlaubte es ihm, auf explizite Pointen bewusst zu verzichten und das auch immer wieder zu sagen.
Alltagsphilosophie
Mit seinem musikalisch anspruchsvollen Wohlfühlprogramm, seinen oft nachdenklichen Texten voller sympathischer Alltagsphilosophie konnte Spörk in Obernburg als »einziger Ausländer« unter den 14 Kabarettisten der diesjährigen Bundesligasaison punkten.
Das Ergebnis war mehr als eindeutig und sorgt aktuell dafür, dass nach der Hälfte der Spielzeit Spörk mit 5,82 Durchschnittspunkten auf Platz 1 der Tabelle steht. Die »Frankfurter Klasse« hingegen bildet mit 3,97 Punkten das Schlusslicht. Allerdings -  ganz so  ernst sollte man diesen Tabellenstand nicht nehmen.
HEINZ LINDUSCHKA
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