Was im Vertrag mit dem Pflegedienst stehen muss

Ambulante Unterstützung: Worauf Angehörige und Betreuer bei der Anbietersuche und beim Kleingedruckten achten sollten

Ambulante Unterstützung
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Ambulanten Pflegedienst finden - Was im Vertrag stehen muss
Wer auf Pflege angewiesen ist, braucht mitunter schnell Hilfe. Daher ist es gut, wenn der beauftragte Pflegedienst nicht weit vom Wohnort entfernt ist. Foto: Caroline Seidel (dpa)
Foto: Caroline Seidel (dpa-tmn)
Be­vor Pf­le­ge­be­dürf­ti­ge nach ei­nem am­bu­lan­ten Pf­le­ge­di­enst su­chen, soll­ten sie zwei Fra­gen klä­ren: Wel­che Hil­fe brau­che ich? Was da­von sol­len pro­fes­sio­nel­le Pf­le­ge­kräf­te über­neh­men? »Die an­ge­bo­te­nen Leis­tun­gen müs­sen zu den in­di­vi­du­el­len An­for­de­run­gen pas­sen«, sagt As­trid Schult­ze vom Pf­le­ge­stütz­punkt Pan­kow in Ber­lin. »Muss der Pf­le­ge­be­dürf­ti­ge et­wa be­at­met wer­den, soll­te der An­bie­ter dar­auf spe­zia­li­siert sein.«
Außerdem wichtig bei der Auswahl: »Der Pflegedienst sollte nicht allzu weit weg sein«, rät Schultze. »Damit er auch in Notfällen schnell helfen kann.« Adres᠆sen von Anbietern in Wohnortnähe finden Betroffene über die Pflegekassen, Pflegestützpunkte oder online über die Weisse Liste.
»Vergleichen Sie immer mehrere Angebote«, sagt Petra Hegemann, Leiterin des Projekts Pflegeverträge der Verbraucherzentrale Berlin. Im Vertrag sollten alle Leistungen und Kosten genau aufgeschlüsselt sein. »Idealerweise lassen sich Interessierte einen konkreten Kostenvoranschlag von dem Anbieter erstellen, der zu den eigenen Bedürfnissen passt«, empfiehlt Hegemann.
Um einen ersten Anhaltspunkt zu bekommen, kann man bei den Pflegekassen nach Preisvergleichslisten fragen. »Fast noch wichtiger als die Kosten ist es, die angebotenen Leistungen genauer unter die Lupe zu nehmen«, sagt Hegemann. Auch hier sollten Art, Inhalt und Umfang genau beschrieben sein.
Fragen stellen, Wünsche äußern
Bevor Pflegebedürftige einen Vertrag unterschreiben, sollten sie den Anbieter um ein persönliches Gespräch bitten. »Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Pflegedienst vorab bei einem Hausbesuch kostenlos und ausführlich über seine Leistungen informiert«, sagt Schultze. Bei diesem Termin können Kunden Fragen und Wünsche ansprechen - wenig Personalwechsel, ein Nichtraucher als Pfleger oder bestimmte Pflegewunschzeiten zum Beispiel.
Wenn sich der Anbieter darauf einlässt, sollte man die mündlich besprochenen Vereinbarungen idealerweise schriftlich im Vertrag festhalten. »Das sorgt für Klarheit auf beiden Seiten. Denn kommt es zu Schwierigkeiten, gilt nur die schriftliche Vereinbarung«, sagt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. »Mündliche Vereinbarungen durchzusetzen wird schwierig.« Weiterer Vorteil: Bei wechselndem Pflegepersonal sind alle gleich über die Bedürfnisse und Wünsche des Pflegebedürftigen informiert.
Interessierte sollten zusätzlich nach den Kompetenzen des Personals fragen. »Es ist gut zu wissen, welche Leistungen von Hilfskräften und welche von Fachkräften durchgeführt werden«, sagt Schultze. Auch die Haftung muss klar geregelt sein: Der Pflegedienst sollte diese auch bei einfacher Fahrlässigkeit nicht ausschließen. »Das gilt insbesondere für den Punkt Schlüsselverlust«, sagt Hegemann.
Außerdem muss schriftlich fixiert sein, was in Ausnahmefällen gilt - etwa bei einem Krankenhausaufenthalt. »In der Regel ruht der Vertrag dann«, erklärt die Verbraucherschützerin. Die entscheidende Frage lautet: Bis wann kann man dem Pflegedienst kostenlos absagen? »Die Frist dafür sollte nicht länger als 24 Stunden betragen.«
Auch Geld ist ein Pflege-Thema
Noch ein Tipp: Pflegebedürftige sollten im Vertrag besser keine Vorauszahlungen oder Abschlags᠆rechnungen mit dem Pflegedienst vereinbaren. »Auch hier gilt der Grundsatz: Erst die Leistung, dann die Bezahlung. Geht der Pflegedienst in die Insolvenz, ist das vorausgezahlte Geld weg«, so Brysch.
Ist die Entscheidung gefallen, sollte nur der Pflegebedürftige den Vertrag unterschreiben. »Andernfalls kann der Pflegedienst auch gegenüber dem Angehörigen finanzielle Ansprüche geltend machen«, erklärt Hegemann. »Wer doch im Auftrag für den Pflegebedürftigen das Dokument unterschreibt, sollte die Vertretung deutlich kenntlich machen.« Am Ende muss der Pflegebedürftige ein Exemplar des Vertrags erhalten. »Damit hat er den Beweis über die vereinbarten Leistungen in den Händen«, sagt Brysch. So kann er Ansprüche leichter geltend machen und Details nachlesen.
Faire Kündigungsregelungen
Ganz egal, was im Vertrag steht, es gilt immer: Der Pflegebedürf᠆tige kann den Vertrag jederzeit fristlos kündigen. Für den Pflegedienst sollte hingegen eine möglichst lange Kündigungsfrist gelten. »Vier bis sechs Wochen sind empfehlenswert«, sagt Hegemann. Noch besser: »Der Anbieter darf erst kündigen, wenn die weitere Versorgung des Pflegebedürftigen gesichert ist«, sagt sie. Dann kann man bei Problemen in Ruhe einen anderen Anbieter suchen.
Für Fragen und Beschwerden sollte es bei dem Pflegedienst einen klaren Ansprechpartner geben. Schultze rät: »Tauchen Probleme auf, sollte man ein offenes Gespräch suchen.« Das sei langfristig oft besser, als den Vertrag einfach zu kün᠆digen.
ISABELLE MODLER
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