Von Nosferatu bis zum Bauhaus

Konzertreihe: Michael Wollny übernimmt die »Jazz-Residenz« in der Saison 2022/23 in der Alten Oper

FRANKFURT
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Am Klavier: Michael Wollny in Aktion. Foto: Detlef Kinsler
Foto: Detlef Kinsler
Zu Frank­furt hat Mi­cha­el Woll­ny ein ganz be­son­de­res Ver­hält­nis.

Fünf Jahre lebte der 1978 in Schweinfurt geborene Pianist in der Mainmetropole und wäre sicher nicht weggezogen, hätte er nicht das attraktive Angebot einer Professur an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« in Leipzig bekommen.

»Wir hatten vorher keine Pläne, wegzugehen«, sagt er. Schließlich stammt seine Mutter aus Frankfurt, viel Verwandtschaft väterlicherseits wohnt hier, seine heutige Frau Céline Bräuning war Mitglied des Freien Tanztheaters Frankfurt. Er kam schon oft hierher, als er noch in Berlin lebte. Weil er den Platz am Piano im legendären hr-Jazzensemble übernommen hatte, da er mit Jazz-Ikonen wie den Mangeldorff-Brüdern Albert und Emil zusammen spielte und 2001 seine eindrucksvolle Zusammenarbeit mit Saxofonist Heinz Sauer begann, die sogar in renommierten Blättern wie »The Guardian« Beachtung fand.

Frankfurt hat er immer als »sehr kreative und offene Bühne« für sich erlebt, das Frankfurter Publikum als ein sehr offenes, »das sehr gut zuhört und neuen Dingen gegenüber aufgeschlossen war«, wahrgenommen. Kein Wunder also, dass er von Frankfurt nicht loskommt. »Gott sei dank«, wie er lächelnd bemerkt. Also musste Wollny nicht lange überlegen, als ihm von der Alten Oper die »Jazz-Residenz« für die Saison 2022/23 angeboten wurde. Denn wie zur Stadt hat er auch zur Alten Oper ein ganz besonderes Verhältnis, weil sich hier seit jeher, etwa im Rahmen des »Musikfestes«, sehr spezielle Projekte wie die »Goldberg Tangenten« oder die Bearbeitung von Claude Debussys »Prélude à l'après-midi d'un faune« realisieren ließen.

Zwei Abende in der Naxoshalle

Jetzt nimmt er ab 13. September die Chance wahr, bis zum Juni 2023 acht Termine im Großen Saal und im Mozartsaal zu bespielen und hat außerdem ein »Auswärtsspiel«, wenn er für zwei Abende in die Naxoshalle zieht.

Man wird Wollny solo (mit seinem Album »Mondenkind«), im Duo (mit dem geschätzten Kollegen Joachim Kühn) und mit seinem Trio erleben können, aber eben zudem in Konstellationen, die sich aus Kosten- und Organisationsgründen in einem Tourneezusammenhang schwer oder nicht verwirklichen lassen. »Für mich ist immer auch interessant, mit anderen Kunstformen wie zum Beispiel dem Film zu arbeiten«, erzählt der Klavier-Virtuose. Für die Live-Vertonung des Murnau-Stummfilm-Klassikers »Nosferatu« hat er neben Christian Weber (Bass) und Eric Schaefer (Schlagzeug) Mitglieder des Norwegian Wind Ensembles in Kammerensemble-Größe mit dabei. Mit Wollny lassen sich die klassisch ausgebildeten Bläser am 18. September mit Blick auf die Leinwand auf freie Improvisationen ein. »Bau.Haus.Klang - eine Harmoniehre« ist das Opening-Konzert fünf Tage vorher überschrieben. »Bei Bauhaus ist das Interessante, dass man im Kern einen improvisierenden Musiker am Klavier hat und auf der anderen Seite einen Flügel, der mit Lochkarten funktioniert und wir in dieser Gegenüberstellung versuchen nachzuempfinden, was Bauhaus ja auch war - Struktur und Anarchie.« So wie »Nosferatu« eine Neubearbeitung erfuhr, wird das gemeinsame Projekt mit der Cembalistin Tamar Halperin, die Wunderkammer, ebenso eine weitere Umgestaltung erfahren. 2021 gab es bereits eine »XXL«-Version mit der hr-Bigband beim »Deutschen Jazzfestival«. »Wir hatten jetzt das Gefühl, dass man das nach ein paar Jahren Abstand noch mal inszenieren und mit neuen Stücken anfüttern kann, indem man das zurückbringt auf das, was die ursprüngliche Idee des Albums damals war, nämlich alle möglichen Tasteninstrumenten miteinander in Verbindung zu bringen«, erklärt Wollny und will ein ganzes Tasteninstrumenten-Orchester in »diesen tollen freien offenen Kunstraum« der Naxoshalle stellen.

Hintergrund: Infos

Jazz-Residenz Michael Wollny zwischen 13. September 2022 und 3. Juni 2023 in der Frankfurter Alten Oper beziehungsweise in der Naxoshalle, Infos unter www.alteoper.de (Detlef Kinsler)

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!