»Über personelle Konsequenzen nachdenken«

Kunstschau-Skandal: Zentralrat zur documenta

Biebergemünd
2 Min.

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Mit ei­ner Ent­schul­di­gung, Über­le­gun­gen zu per­so­nel­len Kon­se­qu­en­zen und Er­klär­ungs­ver­su­chen geht die Au­f­ar­bei­tung des An­ti­se­mi­tis­mus-Eklats bei der do­cu­men­ta fif­te­en wei­ter.

»Es ist richtig, dass das antisemitische Werk des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi von der documenta entfernt wurde«, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster am Mittwoch in Berlin in einer Stellungnahme. Damit sei jedoch das Thema Antisemitismus sowie die Debatte über eine Nähe der diesjährigen Documenta zu BDS nicht abgehakt. BDS steht für »Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen«. Die Bewegung will Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren.

Welle der Empörung

»Es muss jetzt über personelle Konsequenzen nachgedacht werden«, sagte Schuster. Nähere Angaben machte er dazu nicht. Deutschlands Image in der Welt habe durch diesen Vorfall bereits Schaden genommen. Ein Werk namens »People's Justice« des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi hatte für eine Welle der Empörung gesorgt, viele sahen darin eine antisemitische Bildsprache. Die Verantwortlichen der documenta hatten zunächst entschieden, das Werk mit schwarzen Stoffbahnen zu verhängen. Am Dienstagabend wurde es dann ganz abgebaut.

Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) sieht das Problem zum Teil in einem fehlenden verantwortlichen Kurator begründet. »Die Verantwortung für die gezeigte Kunst liegt in erster Linie bei der künstlerischen Leitung. Dass diese von der Findungskommission diesmal einem Kollektiv übertragen wurde, nicht einem einzelnen Kurator oder einer einzelnen Kuratorin, hat offenbar dazu geführt, dass die Sorgfalt und die Verantwortung des Kuratierens gelitten haben«, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Dorn betonte, ihr sei auf mehrfache Nachfragen bei der documenta gGmbH immer versichert worden, es gebe keine Hinweise auf antisemitische Bildsprache auf der Ausstellung. »Warum nicht alle Werke gerade im Licht der Debatte im Vorfeld der Eröffnung eingehend betrachtet wurden und welchen Beitrag eine bessere Kommunikation durch die Gesellschaft hätte leisten können, wird zu klären sein.« Die Gesellschafter hätten der documenta den klaren Auftrag erteilt, alle gezeigten Werke »im Sinne eines verantwortungsvollen Kuratierens« zu überprüfen.

»Versprechen nicht gehalten«

Die Generaldirektorin der documenta, Sabine Schormann, hatte sich zuvor entschuldigt. Es sei versichert worden, dass auf der documenta fifteen keine antisemitischen Inhalte zu sehen sein würden. »Dieses Versprechen haben wir leider nicht gehalten. Und das hätte nicht passieren dürfen«, sagte sie. »Antisemitische Darstellungen dürfen in Deutschland, auch in einer weltweit ausgerichteten Kunstschau keinen Platz haben. Dies gilt ausdrücklich auch bei allem Verständnis für die Belange des Globalen Südens und die dort verwendete Bildsprache.« Mit Respekt für die Unterschiedlichkeit der kulturellen Erfahrungsräume werde der begonnene Dialog weitergeführt.

»Wichtig ist zunächst, dass das Kunstwerk abgehängt wurde«, sagte Dorn. Nun müsse es um die Aufarbeitung gehen, wie es geschehen konnte, dass eine solche Bildsprache öffentlich gezeigt wurde. »Es ist die Aufgabe und die Verantwortung der documenta gGmbH, für diese Aufarbeitung zu sorgen. Wir haben unsere Erwartungen formuliert und bieten selbstverständlich unsere Unterstützung an.«

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