Teuflisch gut auch ohne Alkohol

Tanzshow:Danceperados of Ireland begeistern mit »Whiskey You are the Devil« 400 Besucher in der Stadthalle Aschaffenburg

Aschaffenburg
2 Min.

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Mitreißender Tanz in der Aschaffenburger Stadthalle: Die Danceparados mit ihrem »Whiskey You are the Devil.« Foto: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich
Al­les hat sich um das hoch­pro­zen­ti­ge iri­sche Na­tio­nal­ge­tränk ge­dreht bei der Tanz­show »Whis­key You are the De­vil« am Sonn­ta­g­a­bend in der Stadt­hal­le. Trotz­dem konn­ten sich die gut 400 Be­su­cher auch oh­ne Al­ko­hol be­rau­schen an der teuf­lisch gu­ten Mi­schung aus Stepptanz, Mu­sik, Ge­sang und In­fo­tain­ment der Dan­ce­pe­ra­dos of Ire­land.
Ein Gläschen im Hintergrund

Abgesehen von den Fotos, Videoclips und ausführlichen deutschen Info-Texten über die Geschichte Irlands und des Whiskeybrennens, die auf den Bühnenhintergrund projiziert wurden, war alles live bei den Danceperados, den »Tanzwütigen«. Deshalb kam auch keine Sekunde Langeweile auf in der nur mäßig gefüllten Aschaffenburger Stadthalle. Dass ein Teil der Tänzer nach der - enthusiastisch mit Applaus im Stehen gefeierten - Show gut gelaunt im Stadthallenfoyer für Selfies postierten, machte die exzellente Truppe noch sympathischer.

Die mit einer samtweichen Altstimme ausgestattete Sängerin und Bodhran-Trommlerin Geraldine MacGowan ist offensichtlich die Seele der Band mit Gitarrist und Sänger Ian Smith, Geigerin Deirdre O'Meachair, Keyboarder Tadhg O'Meachair, Schlagzeuger Conor Martin und Eimhin Liddy am Akkordeon.

Da kommt Fernweh auf

Liddy - der sich mit 14 Jahren der Gruppe Planxty O'Rourke anschloss und mit 17 Jahren Sult - arrangiert als Musikdirektor der Danceperados traditionellen Irish Folk.

Zur Einstimmung gab es »The Hills of Connemara« vor Landschaftsaufnahmen, die sofort Fernweh nach der Grünen Insel weckten. Und Aufklärung über den Ursprung des Whiskeys: Obwohl er seinen heutigen Namen - das »e« wird von den Showmachern als Prädikat für »exceptional« (außergewöhnlich) im Vergleich zum schottischen Whisky dargestellt - erst im 18. Jahrhundert bekam, brachten irische Wandermönche das Rezept bereits aus dem mittelalterlichen maurischen Südspanien mit, in dem das islamische Alkoholverbot offenbar noch nicht so streng genommen wurde.

Ian Smith sang die über 400 Jahre alte Ballade von »John Barleycorn« (Gerstenkorn), die der schottische Nationaldichter Robert Burns im 18. Jahrhundert niederschrieb. Unter dem Titel »John Barleycorn« (König Alkohol) setzten sich übrigens die amerikanischen Autoren Jack London (1876 - 1916) und T. C. Boyle (geboren 1948) kritisch mit der Alkoholsucht auseinander, die auch in der Danceperados-Show nicht ganz ausgeklammert wurde.

Ein Video begleitete das Lied vom »starken John« mit ländlich-urigen Bildern: vom Säen, Ernten und Einweichen der Gerste in klarem Gebirgswasser über das Keimen und Darren über Torffeuer und Mahlen in einer wasserbetriebenen Steinmühle bis hin zum Moment, in dem die hochprozentige klare Flüssigkeit namens Pure Pot Still aus der Destille ins Glas rinnt.

Ein Glanzlicht des Abends war die musikalische und szenische Aufklärung darüber, warum Whiskey nicht farblos, sondern bernsteinfarben in allen Schattierungen ist. Es gibt nämlich eine »Spanish Connection« - so der Titel des feurigen Gitarrenstücks - von Irland zu den Sherryfässern, in denen der Whiskey reift und jedes Jahr einige Prozente Flüssigkeit verliert.

Traumwandlerisch sicher

Eine irre Mischung aus spanischen Flamenco und irischem Steppdance hin bis zum »Dancing Delirium« konnten die Zuschauer miterleben, dargeboten mit traumwandlerisch präziser Taktsicherheit und einem Feuer, dessen Kraft aufs Publikum übersprang. Da brauchte es gar keinen wärmenden echten »Whiskey in the Jar« mehr.

Schön, dass auch Choreograph Michael Donellan vorgestellt wurde, wenn auch nur auf einem Video. Voller Magie war Donnellans Auftritt mit der Bhodran auf einem Sherryfass in einer alten Scheune. Die acht Frauen und vier Danceperados in der Stadthalle nahmen den Funken des Videos auf und ließen ihre atemberaubende Tanzkunst in Echtzeit sprühen.

Hintergrund: Michael Donnellan und der »Sean Nós«

Der Choreograph der Danceperaodos of Ireland, Michael Donnelan, ist 1977 in Galway in der Republik Irland geboren und zweifacher Stepdance-Weltmeister. Er war sowohl Solist bei »Riverdance« und »Lord of the Dance« sowie Lead Dancer und Choreograph von »Magic of the Dance«. Um die Tanzwut der Danceperados umzusetzen, arbeitet er mit dem »Sean Nós«, was »old style« oder auch »solo« bedeutet.

Der Ursprung des irischen Tanzes kannte die strenge Reglementierung, dass mit steifem Oberkörper und an diesen geklemmten Händen getanzt werden muss, noch nicht. Daher setzen die vier Stepptänzer und acht Stepptänzerinnen der Danceperados auch ihre Hände und Oberkörper ein, so dass bei ihren Darbietungen die »Lebensgeister frei und ungezügelt« fließen können, wie Donnellan meint. (mel)

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