»Systemsprenger« ist deutscher Oscar-Hoffnungsträger

Jugenddrama: Erster Spielfilm könnte Regisseurin Nora Fingscheidt auf Hollywood-Olymp bringen - Kleines, wütendes Mädchen im Mittelpunkt

MÜNCHEN
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ARCHIV - 16.02.2019, Berlin: 69. Berlinale: Abschluss und Verleihung der Bären, Pressekonferenz: Silberner Bär (Alfred Bauer Preis) für Nora Fingscheidt, Regisseurin, "Systemsprenger (System Crasher)". Der Spielfilm «Systemsprenger» von Nora Fingscheidt ist der deutsche Kandidat für eine Oscar-Nominierung 2020 in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film. (zu dpa "Der Film «Systemsprenger» geht ins Oscar-Rennen") Foto: Jens Kalaene/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Bildunterschrift 2019-08-26 --> Nora Fingscheidt mit dem Silbernen Bären der Berlinale. Foto: Jens
Kalaene (dpa)
Foto: Jens Kalaene
Ein So­zial­dra­ma soll den Aus­lands-Os­car nach Deut­sch­land ho­len. Vie­le Prei­se hat der Film »Sys­tem­sp­ren­ger« von Re­gis­seu­rin No­ra Fing­scheidt schon ein­ge­heimst, bei der Ber­li­na­le im Fe­bruar gab es den Sil­ber­nen Bä­ren. Und die Ge­schich­te ei­nes re­bel­li­schen, lau­ten Mäd­chens räumt wei­ter ab:

Der Beitrag geht ins Rennen um den Oscar in der Kategorie »Bester nicht-englischsprachiger Film«, wie German Films, die Auslands-Vertretung des deutschen Films, mitteilte.

»Wir fühlen uns geehrt«, sagte Fingscheidt. Ihr könnte der gleiche Coup gelingen wie 2007 Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck mit dem Stasi-Drama »Das Leben der Anderen«: Der holte mit seinem Debütfilm gleich die begehrte Hollywood-Trophäe.

Auch Fingscheidt tritt mit ihrem ersten Spielfilm beim Rennen um den Oscar an. Die 36-Jährige aus Braunschweig sagte, der Film sei gerade auf einer weltweiten Festivalreise.

Fingscheidt erzählt von der gewalttätigen neunjährigen Benni (Helena Zengel), die nicht bei ihrer überforderten Mutter leben kann und immer wieder gegen das Sozialsystem rebelliert. Das Mädchen wird von einer Unterbringung in die nächste geschoben, bringt das Jugendhilfe-System an seine Grenzen und treibt seine Mitmenschen zur Verzweiflung. Was Benni eigentlich sucht, sind Liebe und Geborgenheit.

Seit sechs Jahren habe sie immer wieder an diesem Film gearbeitet, erzählte Fingscheidt anlässlich der Berlinale im Februar. »Ich wollte schon lange einen Film machen über ein kleines, wütendes Mädchen und habe nie richtig die Geschichte dafür gefunden.«

Bei Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm über ein Heim für wohnungslose Frauen sei dort plötzlich ein 14-jähriges Mädchen eingezogen. Eine Sozialarbeiterin habe gesagt: »Ach, Systemsprenger, die dürfen wir immer an ihrem 14. Geburtstag aufnehmen.« In diesem Moment habe sie sich gefragt, was »Systemsprenger« für ein Begriff sei, und zu recherchieren begonnen. Das Ergebnis dieser Recherchen kann das deutsche Filmpublikum ab dem 19. September im Kino sehen.

Die neunköpfige Jury mit Jurysprecher Frédéric Jaeger vom Verband der Deutschen Filmkritik ist jedenfalls überzeugt: »Systemsprenger« entwickle Sog und Kraft, mit einer seltenen emotionalen Intensität, begründeten sie ihre Entscheidung.

Die Oscar-Akademie wählt im Januar 2020 fünf der ausländischen Bewerber-Filme aus, die offiziell für den Oscar in der Auslands-Kategorie nominiert werden. Die Verleihung findet dann am 9. Februar in Los Angeles statt.

Sechs weitere Filme standen auf der Bewerber-Liste für den deutschen Oscar-Kandidaten - darunter die Hape-Kerkeling-Biografie »Der Junge muss an die frische Luft« von Regisseurin Caroline Link sowie »Lara« von Jan-Ole Gerster. Link hat den Oscar bereits einmal gewonnen - 2003 für »Nirgendwo in Afrika«.

bVorstellung des Films »Systemsprenger« in Anwesenheit der Regisseurin Nora Fingscheidt am Sonntag, 20. September, 19 Uhr im Aschaffenburger Casino Filmtheater, Ohmbachsgasse 1

Hintergrund

Nora Fingscheidt mit dem Silbernen Bären der Berlinale. Foto:

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