Stimmungsvolle Liebeserklärung an das Cello

Konzert: Das Quartett des Collegium Musicum verzaubert die über 100 Zuhörer bei der »Cello-Night« im Hof der Mildenburg

Miltenberg
2 Min.

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Das Celloquartett des Collegium Musicum entfachte im ausverkauften Hof der Mildenburg am Dienstagabend Begeisterungsstürme: (von links): Andreas Lippert, Katrin Penz, Ingo und Christina Lafrenz. Foto: Heinz Linduschka
Foto: Heinz Linduschka
»Das Cel­lo rührt auf tie­fer, un­er­gründ­li­cher Ebe­ne an un­ser Ge­fühl«, sag­te kein Cel­list, son­dern der welt­be­kann­te Gei­ger Ye­hu­di Men­u­hin, und am Di­ens­ta­g­a­bend hät­te ihm kei­ner der mehr als 100 Be­su­cher der Cel­lo-Night auf der Mil­den­burg wi­der­spro­chen.

Die Begeisterung nach den 90 Minuten war riesig und lebhafter Beifall »zwang« das Celloquartett des Collegium Musicum Aschaffenburg noch zu zwei Zugaben, einem Stück von Debussy mit Ragtimecharakter und - einer der vielen Höhepunkte des Abends - dem mitreißenden Tango »Oblivion« des Astor Piazolla.

Spürbare Spielfreude

Davor hatten Andreas Lippert, Katrin Penz, die auch die witzige Moderation übernommen hatte, und Ingo und Christina Lafrenz auf ihrer temperamentvollen und abwechslungsreichen Reise durch drei Jahrhunderte Musikgeschichte den schier unerschöpflichen Facettenreichtum des Instruments in ihrer Viererkonstellation mit spürbarer Spielfreude und - nach ganz kurzer Einstimmung - mit großer Harmonie und bruchlosem Zusammenspiel zelebriert. Die hörbare Freude, die Begeisterung der Zuhörer wuchs von Minute zu Minute. Bei Schuberts »Opener«, seinem schwungvollen »Marche Militaire«, konnte man sich damit beruhigen, dass diese melodische Musik keinesfalls kriegerische Auseinandersetzungen befeuern würde, Ob Georg Christoph Wagenseil, im 18.Jahrhundert sehr produktiv und sehr erfolgreich, wirklich so ganz zu Unrecht vergessen ist, wie es der Vicace-Satz seiner C-Dur Sonate nahelegt, schien spätestens dann zweifelhaft, als man sein »Menuet« mit Mozarts »Menuett« aus »Don Giovanni« vergleichen konnte, das die Cellisten vor der Pause ganz luftig und mit großer Eleganz interpretierten. Bachs berühmtes »Air« war im Arrangement für vier Celli zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, konnte schnell aber mit dem ganz und gar unsentimentalen und dennoch berührenden Klang voll und ganz überzeugen.

15 Titel hatten die vier Cellisten im Programm und lieferten damit den Beweis, dass das Cello zwar für klassische Musik von Barock bis Gegenwart ein ideales Instrument ist. Die vier Celli könnten mit Richard Wagners Opernauszüge »Einzug der Gäste« und »Zug zum Münster« auch den Zuhörern den Reiz von Wagners Musik vermittelt haben, die gegen die Texte in seinen Opern eine schier unüberwindliche Abneigung haben. Und der Kontrast zur witzigen, pointierten »Humoreske« des Julius Klengel hätte nicht besser gewählt sein können, wie befreites Lachen und Bravorufe bewiesen. In einer Art anspruchsvoller und zugleich höchst unterhaltsamer »Cellohitparade« durften natürlich die »Ohrwürmer« nicht fehlen, bei denen man in dieser Besetzung ganz neue und immer spannende Seiten entdecken konnte, beispielsweise beim »Tango« des Isaac Albeniz. Fast am lautesten waren Beifall und Bravorufe bei der Celloversion des Musicalhits »Wenn ich einmal reich wär«. Selbst Iwan Rebroff dürfte in der Rolle des Milchmann Tevje kaum größere Begeisterung ausgelöst haben als die vier Cellisten in ihrer Interpretation dieses fast schon legendären Evergreens.

Erstaunlicherweise war dann sogar eine Steigerung möglich, als das Quartett seine Version des Metallica-Hits »Nothing else matters« - ganz ohne Schnickschnack, ohne Videoeinblendungen, ganz im Vertrauen auf die Kraft des Celloklangs, der zwischen dem Zupfen, das hier Christina Lafrenz in Reinkultur vorführte, und einem höchst reizvollen Flageolettsound in etlichen Stücken an diesem Abend changierte. Über ein Vierteljahrhundert alt ist das Debütalbum der finnischen Cello-Rockband Apocalyptica und hat bis heute nichts von seinem Zauber verloren, der auf der Mildenburg die Besucher im positiven Sinn ausrasten ließ. Spontan kürte auch die neunjährige Eva in der ersten Reihe diesen Cello-Rock zu ihrem klaren Favoriten und wenn nicht alles täuscht, wird sie ihren Cellolehrer an der Musikschule Erlenbach bald mal fragen, ob sie sich auch an dieses Stück wagen kann.

Mit beiden Beinen umklammern

Das vor einem guten halben Jahrtausend erstmals nachgewiesene Instrument, mit seinem Tonumfang von rund fünf Oktaven und einer Höhe von etwa 1,20 Meter, hat seitdem einen Siegeszug angetreten. Vor allem, als der Stachel erfunden wurde und die Damen dann nicht mehr das Cello mit den Beinen umklammern musste - eine damals für Frauen als ungehörig empfundene Haltung, die nur Männern öffentliche Auftritte als Cellospieler erlaubte. Da hätte man also dieses Celloquartett mit zwei Frauen und zwei Männern nicht hören können - und das wäre doch jammerschade.

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