Stiller Beobachter

Kunst Aquarelle von Bernd Liebisch und Skulpturen von Helmut Massenkeil in Amorbach

Amorbach
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Stiller Beobachter
Melancholie: "Regenstimmung vor dem Hotel Post" hat Bernd Liebisch sein Aquarell genannt. Es ist derzeit in der Galerie Kreuzer in Amorbach zu sehen.
Foto: Galerie
Nein, heimattümelnd sind sie ganz und gar nicht. Die Aquarelle von Bernd Liebisch überraschen eher durch ungewöhnliche Perspektiven, eine ungewohnte Sicht auf gewohnte Details. Da ragen die beiden Türme der Amorbacher Abteikirche in den Himmel
Überhaupt sind es die Farben, die einen gefangen nehmen in den Werken Bernd Liebischs, die derzeit zusammen mit Skulpturen von Helmut Massenkeil in der Amorbacher Galerie Kreuzer zu sehen sind. Ein Jahr war Liebisch in Amorbach mit seinem Mal-Brett und seinen Utensilien unterwegs. Er kletterte auf Dachböden, stieg in alte Speicher, suchte von dort einen neuen Blick auf Altbekanntes. Die 23 Werke zeugen vom Suchen und Finden dieser Perspektive. Und davon, wie ein Jahr über die Stadt hinweg geht. Wie Winter, Frühjahr, Sommer und Herbst sich abwechseln. Wie das Licht, die Stimmung wechseln. Liebisch ist stiller Beobachter dieses Naturschauspiels, fängt es mit leichter Hand ein, lässt die Regentropfen, den Wind, die Sonne an seinen Aquarellen teilhaben - ohne all das zu seinem Hauptthema zu machen.

Windschief ragen die Giebel in "Regenstimmung vor dem Hotel Post" in den wolkenverhangenen Himmel. Die Fassaden schimmern regennass. Melancholie macht sich breit. Eine Hommage an ein Städtchen, das über seine offensichtlichen touristischen Reize hinaus ein Gesicht hat, das es lohnt entdeckt zu werden. Bernd Liebisch führt es dem Betrachter auf gelungene Weise vor Augen.

Die Werke noch eines Aschaffenburgers finden sich derzeit in den Galerieräumen. Helmut Massenkeils kraftvolle Skulpturen stellen einen reizvollen Gegensatz zu Liebischs zarten Aquarellen dar. Die kräftigen Köpfe mit den wulstigen Lippen, den kantigen Nasen und den hervorspringenden Augäpfeln wirken wie archaische Idole. Überhaupt sind es keine Puppenköpfchen, sondern Typen, die Massenkeil so meisterhaft als Bronzen und Eisengüsse formt. Stumm künden die massigen Schädel auf den dicken Hälsen von einer urhaften Kraft, die ihnen zu eigen ist. Doch die Risse, Nähte, Sprünge in der rauhen Oberfläche erzählen davon, wie verletzlich jeder Einzelne ist. Wie verwundbar. Und wie menschlich.

An den Wänden die Zerbrechlichkeit einer Postkarten-Idylle, im Raum Köpfe und Büsten, in denen sich Stärke und Zartheit vereinen. Eine gelungene Begegnung zweier Aschaffenburger in Amorbach. Bettina Kneller Bis 16. August. Geöffnet Dienstag bis Freitag und Sonn- und Feiertage 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 09373/1756.
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