»Sky und die ARD sind zwei getrennte Kreisläufe«

Christine Strobl: Die Geschäftsführerin der ARD-Filmtochter Degeto über die Fortsetzung der Serie »Babylon Berlin« - 2018 im Ersten

Christine Strobl
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Christine Strobl
ARCHIV - Die Geschäftsführerin der ARD Degeto, Christine Strobl, blickt am 14.01.2014 in Hamburg vor Beginn der Jahres-Pressekonferenz von ARD-Koordination Fernsehfilm und ARD Degeto in die Kamera. (zu dpa "ARD: «Babylon Berlin» wöchentlich - Jaenickes Einsatz in Amsterdam" am 17.11.2017) Foto: Angelika Warmuth/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Foto: Angelika Warmuth (dpa)
Die ARD-Film­toch­ter De­ge­to, mit ei­nem Ge­samt­bud­get von 400 Mil­lio­nen Eu­ro für Auf­trag­s­pro­duk­tio­nen und Ei­gen­ent­wick­lun­gen aus­ge­stat­tet, ar­bei­tet noch vor der Pre­mie­re im Ers­ten an ei­ner Fort­set­zung der his­to­ri­schen Kri­mi­se­rie »Ba­by­lon Ber­lin«. Ge­schäfts­füh­re­rin Chris­ti­ne Strobl (46) spricht über die Grün­de.

Jede Jubelmeldung, die Sky über die Nutzung von »Babylon Berlin« verbreitet, ist doch zum Schaden für den Kooperationspartner ARD - handelt es sich doch um Zuschauer, die bei der Ausstrahlung im Ersten nächstes Jahr fehlen werden.
Das glaube ich nicht, wir freuen uns mit Sky zusammen - ganz im Ernst, weil es zeigt, dass die Serie begeistert. Ich glaube nicht, dass es eine direkte Wechselwirkung zwischen Sky-Abonnenten und dem ARD-Zuschauer gibt.

Ist das ein anderes Publikum?
Wer ein Sky-Abonnement hat, schaut »Babylon Berlin« im Zweifel dort, und der ARD-Zuschauer ohne Abo guckt es bei uns. Wir haben Erfahrungen mit dem Publikumsverhalten etwa bei Spielfilmlizenzen. Wenn ein Film bei Sky erfolgreich ist, kann er das trotzdem bei uns auch sein. Als Beispiel nenne ich »Ziemlich beste Freunde«, der bei Sky bis dahin der erfolgreichste Film war und auch bei uns einen Marktanteil von 28 Prozent hatte. Daher bin ich ziemlich überzeugt davon, dass es sich um relativ getrennte Kreisläufe mit verschiedenen Zielgruppen handelt.

Getrennte Kreisläufe? Sky hat mehr als fünf Millionen Abonnenten. Wenn das noch mehr werden, müssten das dann ja doch Leute sein, die der ARD irgendwann abhanden kommen...
Im Moment ist es nicht so. Wenn wir etwas merken, dann sind es eher Verschiebungen innerhalb der ARD zwischen dem Ersten und den dritten Programmen.
Aber dass »Babylon Berlin« im Ersten im Herbst 2018 in Quoten-Regionen vorstößt wie die »Charité« mit rund acht Millionen zu Beginn der Ausstrahlung ist ja kaum noch anzunehmen.
Wir müssen zwei Sachen trennen. Erstens: Glauben wir an den Erfolg von »Babylon Berlin« im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Und zweitens: Wie sind die Rechteverteilungen der Zukunft? Wir reden über eine Serie, die serielles Erzählen noch einmal auf andere Füße stellt und den Vergleich mit internationalen Serien nicht scheuen muss. Wir glauben damit einen Publikumswunsch zu bedienen, den man vielleicht im Ersten bisher vermisst hat und den wir mit »Babylon Berlin« bedienen können. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns dieser Erzählweise öffnen müssen, weil wir in Deutschland ja nicht auf einer Insel leben, die keinen Funkkontakt zur Außenwelt hat. Vor allem jüngere Leute sehen Netflix oder Amazon in Originalsprache und vergleichen Sie mit unserem Angebot, und wenn wir moderne Erzählformen nicht selbst interpretieren, verlieren wir einen Teil unserer Zuschauer.

Aber schon bevor »Babylon Berlin« bei Sky über den Sender gegangen ist, steht die Fortsetzung fest?
Der Vertrag zur Drehbuchentwicklung für die dritte Staffel wurde abgeschlossen, wir gehen jetzt an die Arbeit und hoffen natürlich auf eine nahtlose Fortsetzung.

Würden Sie eine Zusammenarbeit wie mit Sky noch einmal machen?
Meine feste Überzeugung ist, wenn wir international konkurrenzfähig sein wollen, müssen wir solche Partnerschaften - wie beim Einkauf von Spielfilmlizenzen üblich - mit unterschiedlichen Playern, der Förderung, mit dem Weltvertrieb, aber auch mit Pay-TV-Anbietern eingehen. Die Rundfunkbeiträge steigen nicht, aber die Budgets vergleichbarer Serien im internationalen Geschäft schon. Wenn wir wissen, dass die Serie in 60 Länder verkauft wurde, heißt das doch, dass wir diese Zeit in Deutschland und Berlin aus unserer Sicht in der ganzen Welt erzählen und zum Exportschlager gemacht haben.

Wäre so eine Koproduktion auch mit einem Partner möglich, der der ARD nähersteht - zum Beispiel mit dem ZDF oder RTL?
Grundsätzlich müssen wir auch darüber nachdenken - müssen aber darauf achten, dass wir dann nicht um die gleichen Zuschauerkreise buhlen. Ich würde es aber trotzdem für die Zukunft nicht ganz ausschließen, zum Beispiel wenn es um die ganz großen Projekte geht wie vielleicht 100 Jahre Mauerfall. Aber der natürliche Partner ist einer, der andere Zuschauerkreise bedient.
CARSTEN RAVE
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