Sehnsuchtsorte und Nachtigallentriller

Brentano-Akademie: Hochkarätiges Meisterkurs-Abschlusskonzert mit jungen Solisten im Stadttheater

Aschaffenburg
2 Min.

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Laura Richter (Sopran) und Haruka Ebina (Klavier) beim Abschlusskonzert des Lied-Workshops der Brentano-Akademie im Aschaffenburger Stadttheater
Foto: Melanie Pollinger
»Al­le Son­nen mei­nes Her­zens, die Pla­ne­ten mei­ner Lust, die Ko­me­ten mei­nes Sch­mer­zens tö­nen laut in mei­ner Brust«: Tief ein­ge­taucht in die Poe­sie der Ro­man­tik sind die Teil­neh­mer am Lied-Meis­ter­kurs der Aschaf­fen­bur­ger Bren­ta­no-Aka­de­mie. Beim Ab­schluss­kon­zert im Aschaf­fen­bur­ger Stadt­thea­ter prä­sen­tier­ten die jun­gen Ge­sangs­so­lis­ten ei­ne zu Her­zen ge­hend aus­drucks­vol­le und tech­nisch hoch­ka­rä­ti­ge Bi­lanz des zwei­tä­g­i­gen Work­shops im Künst­ler­haus Al­tes For­st­amt.

Die Besucher ließen sich verzaubern von den Sehnsuchtsorten der musikalischen Reise und konnten erahnen, wie viel Arbeit in der künstlerischen Durchdringung der Texte und Kompositionen steckte. Durchs facettenreiche Programm führte Kursleiter Julian Prégardien, international gefragter lyrischer Tenor, Professor für Gesang an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in München sowie künstlerischer Leiter der Aschaffenburger Brentano-Akademie. Komponisten aus drei Jahrhunderten hatten neben Gedichten von Clemens Brentano auch Lyrik von Johann Wolfgang von Goethe, Achim von Arnim und Heinrich Heine verarbeitet. Als Dreingabe erklangen romantische italienische Liebeslieder von Vincenzo Bellini und Giuseppe Verdi.

Ins »Land, wo die Zitronen blühn,« entführte die gebürtige Aschaffenburgerin Laura Richter, am Klavier begleitet von HarukaEbina aus München, die Zuhörer. Die 21-jährige Sopranistin studiert an der Münchner Hochschule und hat bereits in mehreren Opern und Oratorien mitgewirkt. Das von Franz Schubert vertonte »Lied der Mignon« aus Goethes Feder bot Richter elektrisierend kraftvoll dar.

Doch sie beherrscht auch die feinsten Nuancen des italienischen Belcanto, wie sie mit den zwei »Ariette« von Bellini bewies. Voller Anmut erklangen »Malinconia« (Melancholie) und »Ma rendi pur contento«. Zu einem besonderen Hörerlebnis mit glasklaren Nachtigallentrillern machte Richter Brentanos »Der Spinnerin Lied«, vertont von Ludwig Thuille (1861 bis 1907) aus Österreich. Verwunschene Koloraturen ließ Richter in »An die Nacht« von Richard Strauss perlen.

Aufhorchen ließ Jasper Lampe aus Detmold mit seinem weichen Bariton, der selbst im Pianissimo noch klar verständlich war und feinste emotionale Facetten ausleuchtete. Am Klavier begleitet wurde Lampe von Doriana Tchakarova, mit der er 2021 den internationalen Dvorak-Wettbewerb in der Liedkategorie gewonnen hatte. In Aschaffenburg sang der junge Bariton sich mit anrührend melancholischen Brentano-Vertonungen in die Herzen der Zuhörer, unter anderem mit »Oh kühler Wald« von Johannes Brahms, »Wenn die Sonne weggegangen« von Julius Otto Grimm (1827 - 1903), und »Einsam will ich untergehn« von Jörg Widmann (Jahrgang 1973). Emotional packend war auch »Einsamkeit, du stummer Bronnen« von Walter Braunfels (1882 bis 1954).

Die Dritte im Bund der Nachwuchstalente war Luzia Ernst aus Weimar, begleitet von Pianistin Leonie Bulenda. Ernst brachte Lebhaftigkeit und einen Hauch von Koketterie in den Liederabend. Goethes »Mailied«, vertont vom Schweden Andreas Hallén (1846 bis 1925), erklang fröhlich und verführerisch. »Der Spinnerin Nachtlied« - die Komponistin Louise Reichardt (1779 bis 1826)hatte das todtraurige Gedicht zu Brentanos Lebzeiten vertont - sang Luzia Ernst zusammen mit dem elfjährigen Johann Prégardien. Es war der erste öffentliche Soloauftritt von Julian Prégardiens Sohn, und der Vater konnte stolz sein.

Über drei wundervolle Zugaben durften sich die Zuhörer freuen: Laura Richters fein gesponnene Interpretation »Mondenschein«, vertont von Brentanos Schwägerin Bettina von Arnim, über das Duett »Starke Einbildungskraft« (Gustav Mahler), neckisch gesungen von Jasper Lampe und Luzia Ernst, und über Julian Prégardiens Meister-Auftritt mit »Du meine Seele, du mein Herz« von Robert Schumann.

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