Schlauster Azubi: Sofia Kosyakova-Simonchyk ist Volontärin bei den Museen der Stadt Aschaffenburg

Sie möchte Menschen Kunst näherbringen

Aschaffenburg
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Es ist vor allem viel einsame Schreibtischarbeit: Sofia Kosyakova-Simonchyk an ihrem Computer in der Verwaltung der Museen der Stadt Aschaffenburg im Schloss Johannisburg.
Foto: Victoria Schwab
Studieren, lesen, nach Details suchen: Arbeitsalltag in der Verwaltung der Museen der Stadt Aschaffenburg.
Foto: Victoria Schwab
Arbeitsplatz mit Aussicht: Sofia Kosyakova-Simonchyk ist Volontärin bei den Museen der Stadt Aschaffenburg.
Foto: Victoria Schwab
Bücher über Bücher. Gro­ße, mit­tel­gro­ße und klei­ne Bän­de eng an eng sor­tiert. Je­de Wand ist mit Re­ga­len bis un­ter die De­cke be­stückt. Und da­vor sitzt So­fia Ko­sya­ko­va-Si­mon­chyk an ih­rem Sch­reib­tisch und sucht in Kunst­ka­ta­lo­gen. Mit dem Fin­ger fährt die Kunst­his­to­ri­ke­rin über ein De­tail ei­ner Ab­bil­dung, prägt es sich ein und forscht dann im In­ter­net wei­ter. Als sie dort nicht fün­dig wird, steht sie auf und geht su­chend die Buch­rei­hen im Raum ab.

So kann das schon mal Stunden, Tage gehen, wenn die 31-Jährige auf der Jagd ist. Auf der Jagd nach dem einen Detail. Nach dem einen Puzzlestück, das ihr fehlt für ein Bild einer Ausstellung.

Hoch oben über dem Schlosshof

Der Raum ist in der Verwaltung der Museen der Stadt Aschaffenburg im Schloss. Hoch oben über dem Schlosshof in einem der Türme ist die Verwaltung untergebracht. Ein wunderbarer Arbeitsplatz sei das, sagt Kosyakova-Simonchyk. Seit eineinhalb Jahren ist es ihr Arbeitsplatz. Die gebürtige Russin, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt und in Bremerhaven aufgewachsen ist, absolviert gerade ein wissenschaftliches Volontariat im Museum. Es ist der übliche Weg, um als Kunsthistoriker oder Kunstwissenschaftler in einem Museum arbeiten zu können. Ihre Eintrittskarte war ihr Master-Abschluss in Kunstwissenschaft.

Dass sie eines Tages in einem Museum landen würde, war aber nicht von Anfang an klar. Während ihres Master-Studiums der Komparatistik an der Universität Frankfurt hatte sie für sich entdeckt, dass sie in diese Richtung gehen möchte. »Diese Fülle an Museen in Frankfurt hat mich beeindruckt. Da habe ich das erste Mal gedacht, dass das auch etwas für mich sein könnte«, meint sie.

Parallel zum Studium fing Kosyakova-Simonchyk an in Frankfurt im Museum zu arbeiten. Im Bibelhaus Erlebnismuseum hat sie alles von A bis Z kennengelernt, was zu einem Museumsbetrieb gehört.

»Zuerst habe ich nur zum Geldverdienen Aufsicht gemacht. Danach habe ich ein Praktikum im Museumsmanagement drangehängt. Später habe ich dann die Museumspädagogik entdeckt und Führungen gemacht, um das im Museum Gezeigte zu vermitteln«, erzählt sie. Eineinhalb Jahre hat sie im Bibelhaus in der Kunstvermittlung gearbeitet - und dabei gemerkt, dass der Museumsbereich ihre Zukunft sein könnte. »Aber schon damals habe ich festgestellt, dass ich eher im kuratorischen Bereich tätig sein möchte«, meint sie. Kuratieren ist das Organisieren und Betreuen von Ausstellungen.

Viel erlebt, viel gesehen

Kosyakova-Simonchyk hat während ihres Studiums viel gesehen, hat schon an vielen verschiedenen Orten gelebt. Sie hat außer in Frankfurt auch schon in Potsdam, München und in Paris gelebt. Im Muca Museum in München hat sie als Werkstudentin angefangen und schließlich den Bereich Kunstvermittlung gemanagt. Diese Tätigkeiten von damals helfen ihr heute im Volontariat. Denn als Kuratorin müsse man Kunstvermittlung immer mit im Blick haben. Die schönste und am sorgfältigsten geplante Ausstellung bringt nichts, wenn sich kein Zuschauer dafür interessiert. »Ich will die Schwelle für alle Besucher zerstören. Das sehe ich als meine Aufgabe. Die Leute sollen sich ins Museum trauen. Ohne Angst etwas falsch zu machen. Dafür muss man sich etwas überlegen«, erzählt die 31-Jährige und gerät gleich danach ins Schwärmen. Sie wolle vor allem junge Leute für die Kunst begeistern - und vor allem Gruppen, die normalerweise nicht ins Museum kommen würden, erreichen.

Es war Kosyakova-Simonchyks Traum, eines Tages in einem Museum zu arbeiten. »Ich fühle mich gesegnet und glücklich, dass ich das erreicht habe. Aber ich habe einen langen Atem bis hierhin gebraucht«, sagt sie und lacht dabei. Wer das wolle, brauche Geduld, Ausdauer, müsse hartnäckig und fleißig, auch schon mal Kritik einstecken können und dennoch selbstbewusst und durchsetzungsstark sein.

Wichtig sei auch die Bereitschaft zur Flexibilität. »Man muss vielleicht auch mal weiter wegziehen, weil es Stellen im Museumsbereich nicht wie Sand am Meer gibt. Auch die Arbeitszeiten sind oft gewöhnungsbedürftig. Vernissagen oder Führungen sind abends oder am Wochenende - dann, wenn andere Leute frei haben«, meint die Kunsthistorikerin. Für sie war das nie ein Problem, denn als freie Kunstvermittlerin kannte sie das schon sehr gut.

Kosyakova-Simonchyk empfiehlt Interessierten, viele Praktika in verschiedenen Bereichen zu machen. »Mal bei staatlichen Institutionen, aber auch bei privaten Einrichtungen. Da gibt es große Unterschiede«, meint sie. Sie kennt beides. Die Museen der Stadt Aschaffenburg sind ein kommunaler Betrieb. Das Bibelhaus Erlebnismuseum in Frankfurt gehört hingegen einem Verein.

Kosyakova-Simonchyks Volontariat endet im April. »Ich habe viel selbstständig gearbeitet in meinen Praktika. Das hat mir hier im Volontariat sehr geholfen«, meint sie. Vom Vorbereiten von Ausstellungen, Leihverkehr, Versicherung, Transport, Kunstvermittlung bis hin zum Abwickeln und Nachbereiten hat sie alles machen können. Für die Ausstellung »Ernst Ludwig Kirchner - Eine Leidensgeschichte: Ein Comic von Sambal Oelek« im Kirchnerhaus - die noch bis 10. April zu sehen ist - hat sie sich verstärkt mit Kunstvermittlung auseinandergesetzt. Die von ihr betreute Ausstellung war der Höhepunkt in ihrem Volontariat.

Menschen berühren

Will sie denn irgendwann mal selbst ein Museum leiten? »Nein, das ist nicht meine Priorität. Ich glaube, die inhaltliche Arbeit ist mir da wichtiger«, sagt Kosyakova-Simonchyk. Sie würde gerne Ausstellungen machen, die gesellschaftlich relevant sind und die die Zuschauer interessieren. »Ich möchte Menschen damit berühren, zum Nachdenken bringen und ihnen etwas näherbringen.«

Und vielleicht sucht sie dann immer noch im Schlossturm in den Regalen nach Büchern, die ihr bei der Recherche zu einer neuen Ausstellung helfen.

Letzte Folge am Montag, 28. Februar: Ausbildung 2021/22 - Das war's

Hintergrund: Volontariat ist auch eine Ausbildung

o Voraussetzung: Nach einem abgeschlossenem Studium noch einmal eine Ausbildung beginnen, mag seltsam vorkommen. Aber das wissenschaftliche Volontariat im Museum - wie es Sofia Kosyakova-Simonchyk in Aschaffenburg absolviert - ist ein Ausbildungsverhältnis zur Vermittlung weiterführender Kenntnisse und Fertigkeiten in allen relevanten Tätigkeitsfeldern eines Museumsbetriebes.

Für die kuratorische Arbeit am Museum wird vom Deutschen Museumsbund eine Promotion empfohlen. In der Praxis haben jedoch nur zehn Prozent der Volontäre an Museen eine Promotion (Stand 2016).

o Dauer: Das wissenschaftliche Volontariat sollte grundsätzlich zwei Jahre dauern.

o Inhalte: Aufgrund des Ausbildungscharakters des Volontariats sollte die praktische Tätigkeit möglichst viele Fachbereiche umfassen und die Institution Museum als Ganzes vermitteln. Neben dem Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln gehören dazu das Museumsmanagement und die Verwaltung.

o Verdienst: Der Deutsche Museumsbund empfiehlt seit 2007 eine Vergütung von 50 Prozent der Entgeltgruppe 13 der Tarifverträge für den öffentlichen Dienst. Eine solche Vergütung erhalten in der Praxis lediglich 56 Prozent der Volontäre in Deutschland (Stand 2016).

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