«Schlauer als der Rest der Welt» - ZDF-Film über Hochbegabte

Berlin (dpa)
2 Min.

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«Schlauer als der Rest der Welt»
Das Gehirn des Rechengenies Rüdiger Gamm wird von Neurologen im fMRT untersucht.
Foto: Florian Stege/ZDF/dpa
Verpflichtet ein hoher IQ zur Karriere? Eine spannende Reportage über Menschen, die einfach nur ein normales Leben führen wollen.

Thorsten Heitzmann ist schlauer als 99,9 Prozent der Weltbevölkerung, er will aber kein Leistungsträger sein.

«Ich mach was. Und wo ich dann denk, es ist gut, dann ist es ausreichend. Mir fehlt Ehrgeiz. Ich hab unglaublich wenig Ehrgeiz», berichtet der 52-Jährige in der bemerkenswerten ZDF-Reportage «Schlauer als der Rest der Welt - Hochbegabte im Alltag» am Dienstag um 22.15 Uhr.

Trotz seiner extrem seltenen Intelligenz - IQ 150 plus - hat der sympathische Mann mit dem kahlen Haupt Probleme, etwas durchzuhalten. Sechs Anläufe hat er schon zur Promotion genommen und keinen beendet.

«Ich bin sicher, dass ich mal eine Doktorarbeit abgeschlossen hätte, wenn ich mal irgendwie gelernt hätte, mich an irgendwas festzubeißen und das durchzuziehen.» Nun ist Heitzmann Mädchen für alles in der Augenarztpraxis seiner Frau, wobei er den Ausdruck «Graue Eminenz» bevorzugt. Er wechselt Druckerpatronen, er repariert Wasserspender, plant Abläufe, kauft Schokolade für Patienten, betreut die Webseite. Sein wichtigstes Ziel im Leben hat er klar definiert: glücklich sein.

Hochbegabte und das gängige Schulsystem

Als hochbegabt gilt, der einen IQ von mindestens 130 hat. Das heißt aber nicht, dass man zwingend Überdurchschnittliches leistet. Manche scheitern auch bereits als junge Menschen an einem Schulsystem in Deutschland, das nicht auf Schülerinnen und Schüler mit Spitzen-IQ ausgelegt ist. «Ich bin ja sechs Mal sitzengeblieben und hab die Schule nicht geschafft - wegen Mathe», erinnert sich Rüdiger Gamm.

Das Rechen- und Gedächtnisgenie Gamm - geschätzter Intelligenzwert 200 - hat im Vorjahr einen Weltrekord aufgestellt: Unter Wasser musste er «Potenz-hoch-5-Aufgaben» rechnen. Er hat es geschafft. 87 hoch 12? Kein Problem. In Sekunden nennt er die Antwort, eine 24-stellige Zahl. Einen Taschenrechner braucht er nicht. Nur seinen Kopf. Mit dem Talent wurde er deutschlandweit bekannt. Gamm tingelte, löste überall im Land Matheaufgaben – in Discos, bei Straßenfesten.

Pia Beyer-Wunsch promoviert derweil in Informatik. Sie hat einen IQ von 138. «Ich hatte mich ja nicht für sonderlich intelligent gehalten. Erfolg hatten die anderen um mich herum, aber ich nicht.»

Pia fehlt der Mut

Die alleinerziehende Mutter einer ebenfalls hochbegabten elfjährigen Tochter, weiß erst seit acht Jahren von ihrer Hochbegabung. Laut Ärzten hat sie sich aus Eigeninteresse medizinisches theoretisches und praktisches Wissen angeeignet und befindet sich auf dem Stand eines fortgeschrittenen Medizinstudenten. Pia fehlte aber der Mut, dann auch wirklich Medizin zu studieren. Ihre Pläne hatten selten Bestand, sagt sie. Nun promoviert sie in Medizinischer Informatik. Sie fand Doktorväter, die um ihre Besonderheiten wissen, sie fördern und ihr helfen, durch Struktur zum Ziel zu kommen, dem Doktortitel.

Antje Diller-Wolff hat für die renommierte Reportagereihe «37 Grad» drei Hochbegabte durch ihren Alltag begleitet, von denen keiner besondere Höchstleistungen vollbringt. Ihr größtes Ziel ist es, im Alltag und mit den Mitmenschen zurechtzukommen. Sie möchten ein «normales» Leben führen, obwohl sie selbst außergewöhnlich sind. Die hohe Intelligenz erleichtert ihnen nicht das Leben, im Gegenteil, sie kämpfen und hadern damit im Alltag. Der Film gibt Einblicke in das Leben und Denken einer Gruppe von 1 bis 2 Prozent der Menschheit, er stellt verbreitete Klischees auf den Prüfstand - und widerlegt sie.

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