RBB -Reportage über «Knut, Flocke & Co»

Berlin (dpa)
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«Mein Baby ist ganz schön alt geworden.» Das sagte die frühere Berliner Tierpflegerin Veronika Buchholz im Zoo des serbischen Palic, als sie vor ihrem einstigen Pflegekind stand.

Das «Baby» aus Berlin ist 22 Jahre alt, heißt Björn Heinrich und ist heute ein putzmunterer dreifacher Eisbär-Vater. Der Sender RBB dokumentierte am Freitagabend in der Reportage «Knut, Flocke & Co. - Eisbären als Flaschenkinder» die lange vor Eisbär-Liebling Knut gelungene Handaufzucht im Ost-Berliner Tierpark Friedrichsfelde. Die Tierpflegerin nahm damals ihren kleinen Schützling sogar für Monate mit nach Hause und ließ ihn dort mit ihren Kindern spielen. Der Fall erinnert an Knut, die Bilder aus DDR-Zeiten waren bisher so gut wie unbekannt.

«Die Eisbären müssen gerettet werden, für uns alle war das damals ein großer Erfolg», berichtete Veronika Buchholz in der Reportage. Für den Zoo-Biologen Heiner Klös, der im Zoologischen Garten Berlin für alle Bären verantwortlich ist, handelt es sich «einfach um eine wunderschöne Geschichte». Daraus gewinne der Zoo durchaus Kraft in der weiteren Betreuung von Knut, dessen Ziehvater Thomas Dörflein vor knapp zwei Wochen einem plötzlichen Herztod erlag. «Es gibt Tiere, die es gepackt haben, und Knut kann es auch packen», sagte Klös am Samstag der dpa.

Der Optimismus von Klös ist geboten, denn die reinen Zahlen lösen eher Sorgen aus. Der niederländische Koordinator für die Eisbärzucht in Zoos, Hans van Weerd, sagte dem RBB, dass es in den vergangenen 25 Jahren in Zoos 60 Handaufzuchten gab. Nur 30 Tiere überlebten, und nur in fünf Fällen hatten die Eisbären, die dank menschlicher Hilfe überlebten, schließlich eigenen Nachwuchs. Klös verbindet seine Hoffnung, dass Knut zu dieser Minderheit gehören wird, noch mit einer anderen Erkenntnis aus dem Zooleben: «Eisbär-Vater zu werden ist einfacher als Eisbär-Mutter zu sein.»

Der früheren Tierpflegerin Buchholz, die aus Berlin nach Serbien zu ihrem damaligen Ziehkind gereist war, ging die Begegnung doch unter die Haut. «Ich hatte ihn liebgewonnen wie ein eigenes Kind», berichtete sie im Film aus ihren Erinnerungen. «Ossi» Björn Heinrich war mit nur 750 Gramm Lebendgewicht auf die Welt gekommen. Knut hatte es immerhin auf 810 Gramm gebracht. Anders als bei Knut, der zum Medien- und sogar Filmstar wurde und bisher mehr als fünf Millionen Besucher in den Zoo lockte, ging die Aufzucht von Björn Heinrich zu DDR-Zeiten ganz im Stillen vor sich. «Da waren wir noch nicht in der Mediengesellschaft», sagte Klös zu den ganz unterschiedlichen Lebenswegen der beiden Berliner Eisbären.

Björn Heinrich, der als Eisbär über einen phänomenalen Geruchssinn verfügt, erkannte seine damalige Ersatz-Mutter bei der Begegnung in diesem Sommer nicht mehr. «Hallo Björni», rief Veronika Buchholz und ging noch ein paar Schritte näher heran. Doch Björn Heinrich interessierte sich nicht. «Das ging mir ganz schön nahe», sagte die Tierpflegerin.

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