Queen königlich kopiert

Pop trift Klassik: Coverband Merqury zaubert in der Stadthalle mit Orchester und dem Aschaffenburger Chor Ars Antiqua

Aschaffenburg
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Freddie Mercury mag tot sein - seine Musik ist es nicht. Sie haut um, sie macht platt, sie bewegt, sie rührt zu Tränen, sie reißt mit, sie ist voll da. Am Donnerstagabend in der Aschaffenburger Stadthalle sogar noch viel mehr als sonst: Denn dort hatte die Dresdner Queen-Coverband Merqury zum »Queen-Classical« und damit zum Gipfeltreffen für rund 1200 selige Queen-Fans geladen.
+23 weitere Bilder
Queen-Klassical mit MerQury und Orchester
Foto: Thomas Minnich |  25 Bilder

Bilderserie: Thomas Minnich

Die Band hatte sich rund 50 Musiker der Thüringen Philharmonie Gotha, die Sopranistin Sandra Danyella und den Aschaffenburger Kammerchor Ars Antiqua auf die Bühne geholt, um die symphonischen Kompositionen der britischen Rockband Queen adäquat zeigen zu können. Die beste Voraussetzung dafür bringt die Band Merqury schon mit: Die fünf Musiker nehmen ihre Aufgabe, Queen-Gut auch 19 Jahre nach Freddie Mercurys Tod zugänglich zu machen, erfreulich ernst. Auch dass Merqury-Sänger Johnny Zatylny seinem Vorbild Freddie in Aussehen und Stimme erstaunlich nahe kommt, ist kein Geheimnis mehr. Seit 19 Jahren gibt es Merqury, seit über zehn Jahren ist die Gruppe regelmäßig im Colos-Saal zu Gast. Doch was die Musiker gemeinsam mit dem Colos-Saal-Team in der ausverkauften Stadthalle auf die Beine gestellt haben, hat es in Aschaffenburg noch nie gegeben. Jeder Moment des Abends ist gefärbt von diesem Gefühl und dem Wissen, das dies hier etwas besonderes ist.

Freddies späte Liebe zur Oper

Das klassische Gewand steht der Musik von Queen ausnehmend gut: Johnny Zatylny, Sänger der Queen-Coverband Merqury, die Sopranistin Sandra Danyella, die Thüringen Philharmonie Gotha und der Aschaffenburger Kammerchor Ars Antiqua haben am Donnerstag rund 1200 Zuschauer in der Aschaffenburger Stadthalle mit einem »Queen-Classical« begeistert.

Foto: Christine Blume-Esterer

Pate für den Auftritt steht die Zusammenarbeit zwischen Freddie Mercury und der Opernsängerin Montserrat Caballé am Ende der 80er-Jahre. Die beiden veröffentlichten 1988 mit »Barcelona« ein Album, das Genre-Grenzen sprengte: Viele der Kompositionen spiegeln Mercurys späte Liebe zur Oper und zur Klassik. Doch live konnten die Fans diese Musik kaum erleben, denn Mercury starb, noch bevor der Titelsong des Albums zur Hymne der Olympischen Spiele 1992 wurde.
Schon deshalb musste es den Atem nehmen, was da am Donnerstag in der Stadthalle zu sehen und zu hören war. Vor allem gegen Ende des Abends überraschen Zatylny und Sandra Danyella mit raren Queen-Perlen: Mit »Golden Boy« oder »Fallen Priest« hat sich der Komponist Mercury beinahe selbst ins Opern-Milieu vorgewagt. Seine Musik ist programmatisch, erzählt Geschichten, wechselt Tempi und Stimmungen wie Launen, lullt ein, schreckt auf - ein Sammelsurium, das fühlen muss, wer es begreifen will.
An anderen Stellen zeigt der Abend vor allem, wie nahtlos sich Queen-Hits ins klassische Gewand fügen. »The Great Pretender« oder »Love of my life« etwa scheinen gemacht zu sein für das große Orchester, für die flirrenden Geigen und die engelsgleichen Einwürfe des Chors. Die Band Merqury hat sich viele der Stücke eigens für diese Besetzung arrangieren lassen - von Bernd Wefelmeyer, der an diesem Abend auch am Dirigentenpult steht. Immer wieder aber ist es nicht nur die Musik in ihrer Fülle, die den Zuhörer in den Sitz drückt. Sondern auch die Erkenntnis, dass die Macher von Queen ein unglaubliches Händchen für Harmonie und Komposition hatten.

Premiere und Wagnis zugleich


Für den Kammerchor Ars Antiqua, der seinen Part unter der Leitung von Stefan Claas eingeübt hat, ist all das eine Premiere und ein Wagnis: Die erste gemeinsame Probe mit Band und Orchester gab es erst am Donnerstagnachmittag. Zu Beginn des Abends wirkt es dann prompt noch, als seien die Sänger nur Statisten: Bei »Teo Torriatte« sind sie kaum zu hören in den Klangkaskaden, die rund 80 Musiker auf der Bühne aufgetürmt haben. Dann aber finden die Sänger ihre Rolle und spielen sie großartig: Bei »Barcelona« schwingen sich die Stimmen über die Trompeten, füllen den Hintergrund mit Pomp und Strahlen. Diese ganz großen Gesten verfehlen ihre Wirkung nicht: Mehrmals lässt sich das Publikum von den Stühlen reißen, um spontan zu applaudieren.
Doch es ist Johnny Zatylny, der diesen Abend stemmt und trägt. Sogar neben einer bezaubernden Sandra Danyella kann er bestehen - auch, weil er selbst über eine ausgebildete Tenor-Stimme verfügt. Mag es auch kaum möglich sein, die Energie eines Freddie Mercury zu kopieren - Zatylny schafft es über weite Strecken. Vor allem, wenn seine Band ganz Rockband ist. »The Show must go on« geben sie und natürlich, ganz am Schluss, »We will rock you« und »We are the Champions«. Aber Champion ist am Ende vor allem die Musik von Queen: Musik, die am schönsten ist, wenn sie Grenzen niederreißt. Musik, die vielleicht niemals stirbt.
Moni Münch 
Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!