Kleiner Eifelort als Spiegel der Welt

Ehre: Raabe-Literaturpreis für Norbert Scheuer

KÖLN
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Bekommt den Raabe-Literaturpreis 2019: Norbert Scheuer. Foto: Horst Ossinger (dpa)
Foto: Deutsche Presse-Agentur (DPA), Horst Ossinger
Der von der Stadt Braun­schweig und dem Deut­sch­land­funk ge­s­tif­te­te und mit 30 000 Eu­ro do­tier­te Wil­helm Ra­a­be-Li­te­ra­tur­preis geht in die­sem Jahr an den Schrift­s­tel­ler Nor­bert Scheu­er für sein Buch »Win­ter­bie­nen«. Das Werk des 67-Jäh­ri­gen ist auch für den Deut­schen Buch­preis no­mi­niert.

Der Preis wird am 3. November im Braunschweiger Staatstheater überreicht.

Das lokale Kleine

Zur Begründung erklärte die Jury: »Scheuer hat seinen kleinen Eifelort in bisher acht Romanen zum Spiegel der Welt gemacht, und in jedem seiner Bücher das lokale Kleine zum Gegenstand höchster Aufmerksamkeit gesteigert. Damit hat er zugleich einen großen metaphorischen Raum geöffnet. In seinem Roman Winterbienen leisten dies eben jene in unserer Gegenwart über alles geschätzten, ja geradezu verehrten Insekten, die zu Tausenden einen gemeinsamen Körper bilden.

Der Roman spielt in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs, und mit den summenden Bienen auf den Wiesen an der Urft kontrastieren und korrespondieren die alliierten Jagdflugzeuge am westlichen Himmel. Egidius Arimond ist Epileptiker, der versucht, sich mit Medikamenten ruhig zu halten. Dabei ist es doch die kriegerische Außenwelt, die in konvulsivischen Zuckungen tobt. Ohne Aufhebens rettet er jüdische Mitmenschen vor dem Tod, mit Hilfe seiner Bienenvölker.

In Winterbienen erreicht Scheuer eine äußerste Nähe von symbolischem Zeichen und konkreter Realität. In der Form des Tagebuchs findet er zu einer Kompaktheit der Darstellung und einer Gelassenheit der Schreibweise, die jedes Unheil in der Welt überführt in eine neue ästhetische Ordnung. Das macht ihn zu einem einzigartigen realistischen Erzähler unserer Zeit, zu einem poetisch-realistischen Erzähler auch in der Tradition Wilhelm Raabes.«

Jährliche Vergabe

Mit der Verleihung des Wilhelm Raabe-Literaturpreises zeichnen Deutschlandfunk und die Stadt Braunschweig jährlich ein in deutscher Sprache verfasstes erzählerisches Werk aus. Mit der Auszeichnung soll exemplarisch das bis zum Zeitpunkt der Preisverleihung publizierte literarische Schaffen gewürdigt werden. Namensgeber der Auszeichnung ist der Schriftsteller Wilhelm Raabe (1831-1910), der viele Jahre in Braunschweig lebte.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören Rainald Goetz, Jochen Missfeldt, Ralf Rothmann, Wolf Haas, Katja Lange-Müller, Andreas Maier, Sibylle Lewitscharoff, Christian Kracht, Marion Poschmann, Thomas Hettche, Clemens J. Setz, Heinz Strunk, Petra Morsbach und Judith Schalansky.

bFestakt und Lesung von Norbert Scheuer: 30. November, 20.05 Uhr, Deutschlandfunk.

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