Poesie und dichte Atmosphäre

Aschaffenburger Gitarrentage: Drei Ensembles musizieren auf höchstem Niveau um den Wettbewerbssieg

Aschaffenburg
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Aschaffenburg Städt. Musikschule AB - 4. Internationaler Wettbe
Überzeugten mit Gitarre und Flöte: Das Duo Bohemico (Anna Jakubova und Pavel Chuchal) errang beim 4. Internationaler Wettbewerb für Kammermusik mit Gitarre in der Aschaffenburg Musikschule den zweiten Platz. Foto: Bj
Foto: Björn Friedrich
Span­nend bis zum Ver­k­lin­gen des letz­ten Tons war das Fi­na­le des 4. In­ter­na­tio­na­len Wett­be­werbs für Kam­mer­mu­sik mit Gi­tar­re, das am Sonn­tag im Rah­men der Aschaf­fen­bur­ger Gi­tar­ren­ta­ge in der Städ­ti­schen Mu­sik­schu­le ab­ge­hal­ten wur­de. Drei En­sem­b­les von ins­ge­s­amt 19 teil­neh­men­den Grup­pen hat­ten es bis in die En­drun­de ge­schafft, in der auf höchs­tem Ni­veau um den ers­ten Platz ge­run­gen re­spek­ti­ve mu­si­ziert wur­de.
Den mit 5000 Euro dotierten ersten Preis erspielte sich das polnisch-dänische Erlendis-Quartett (Anna Chorazyczewska, Adrian Furmankiewicz, Wojciech Jurkiewicz und Karol Mruk) mit einer elegant gespielten Bearbeitung von Mozarts Flötenquartett d-Moll und einer schmissigen, ins Blut gehenden Suite aus Bizets Oper »Carmen«.
Perfektes Ensemblespiel
Die Übertragung der Flötenstimme auf die Gitarre gelang prächtig. Das Quartett überzeugte mit perfektem Ensemblespiel, parallelen Läufen aus einem Guss und vor allem mit feinsinnigem Pianospiel und überraschenden, harten Akzenten.
Was sich bei Mozart angedeutet hatte, wurde bei Bizets »Carmen« übertroffen: Ensemblespiel ist immer auch eine Frage der Kommunikation, und die war - wie am ständigen Augenkontakt erkennbar - bei den vier Musikern hervorragend, sei es bei der sanft wiegenden »Habanera«, beim Ohrwurm der »Toreadores« oder der atemlosen Beschleunigung am Schluss des Zigeunertanzes.
Mit und in der Musik leben
Wie sehr die Musiker mit und in ihrer Musik lebten, zeigte sich an der ausdrucksvollen, nie gekünstelten Mimik: Der eine hat den Schalk im Nacken, zeigt offen seine Freude, der Stimmführer hingegen singt wie weiland Glenn Gould hingebungsvoll mit.
Den zweiten Preis errang das Duo Bohemico (Anna Jakubcová und Pavel Cuchal mit Flöte und Gitarre) aus der Tschechischen Republik. Die Auswahl der Stücke verzichtete auf die allseits bekannten Komponisten und war auf die klanglichen Möglichkeiten der Flöte zugeschnitten, mit einer über der Gitarrenbegleitung schwebenden Melodie eine ganz besondere Atmosphäre jenseits des strengen Taktmaßes zu zaubern.
In Leoš Janáceks Werk mit dem poetischen Titel »Das Käuzchen ist nicht fortgeflogen« wechselte sich Impressionistisches mit einem einfachen, volksliedhaften Thema ab. Ein Werk voller Überraschungen, in dem auch die Gitarre solistisch zum Zuge kommt, ist die »Suite populaire« von Robert Paul Delanoff. Das Duo überzeugte durch das sensible Zusammenspiel, das zu einem fulminanten Schluss führte und bei dem auch die kleinsten Nuancen übereinstimmten.
Dritte spielen auswendig
Nicht weniger spannend als die anderen Ensembles, aber eben »nur« mit dem dritten Preis bedacht, musizierte das Artis-Guitar-Duo (Julia und Christian Zielinski aus Deutschland), das seine Wettbewerbsstücke auswendig vortrug.
Das begann mit einer immer beweglicher und schneller werdenden Chaconne von Georg Friedrich Händel und führte zu einem Klassiker von Debussy, dem »Clair de lune« (»Mondschein«), dem bekanntesten Teil aus seiner »Suite Bergamasque«. Das der Komposition zugrundeliegende Gedicht von Verlaine, das eingangs rezitiert wurde, ließ erkennen, in welchem Maße Poesie sowohl aus Worten als auch aus Tönen spricht.
Auf Messers Schneide
Höhepunkt war schließlich ein Auszug aus de Fallas Ballett »Liebeszauber«. Das Duo versetzte die Zuhörer in Hochspannung, die explosive »Danza ritual del fuego« war ein Feuertanz auf des Messers Schneide.

bIm Internet: aschaffenburger-gitarrentage.de
Werner Ziegler
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