Paul Schellenberg wird Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik bei der Stadt Aschaffenburg

Schlauster Azubi: Damit die Illusion auf der Bühne im Stadttheater perfekt wird

Aschaffenburg
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Ohne Liebe zum Theater geht es gar nicht: Auszubildender Paul ?Schellenberg in der Werkstatt im Stadttheater Aschaffenburg.
Foto: Stefan Gregor
Es ist dun­kel, eng und ir­re hoch: 18 Me­ter un­ter ei­nem sieht man durch die Me­tall­git­ter­brü­cke des Schnür­bo­dens die Büh­ne. Man hört die Stim­men der Schau­spie­ler, sieht Schat­ten über die Sze­ne hu­schen. Im Dun­keln über der Büh­ne hän­gen Äp­fel. Sie sind Teil des Büh­nen­bil­des der Vor­stel­lung »Adams Äp­fel« im Stadt­thea­ter Aschaf­fen­burg und war­ten hier oben auf ih­ren Ein­satz im Stück. Mit­ge­hol­fen sie an­zu­brin­gen hat Paul Schel­len­berg.

Sich hier ohne Mühe zurechtzufinden und dabei für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen, ist Schellenbergs Job. Er ist Auszubildender für Veranstaltungstechnik beim Kulturamt der Stadt Aschaffenburg. Genauer gesagt ist er angehende Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik. Der 21-Jährige hilft mit, dass die Kultur in Aschaffenburg glatt über die Bühne gehen kann. Er und seine Kollegen liefern den technischen Hintergrund für die Kultur.

Azubi Paul Schellenberg (hier mit einem Bühnenscheinwerfer) hilft beim Aufbau und bei den Proben zu "Adams Äpfel" im Stadttheater Aschaffenburg.
Foto: Stefan Gregor

Das Stadttheater ist ein reines Gastspielhaus, hat kein eigenes Ensemble. Für »Adams Äpfel« ist das Theater Chemnitz angereist. Die Zusammenarbeit mit fremden Crews ist für Schellenberg deshalb selbstverständlich. Der sympathische, selbstbewusste Aschaffenburger hat sich bewusst für diesen Beruf entschieden. Ursprünglich hatte er mal Fachinformatiker gelernt. Nach dem Abitur wusste er nicht, was er machen sollte und fing er eine Ausbildung zum Fachinformatiker an, brach aber nach einem Jahr ab. »Weil ich mich in meiner Freizeit schon viel damit beschäftigt hatte, aber nicht den ganzen Tag vor dem Computer sitzen wollte«, sagt er. Ein Jahr hat er sich dann orientiert, diverse Praktika gemacht, unter anderem bei einer Firma für Veranstaltungstechnik in Aschaffenburg und einer Firma für Eventmanagement in Heusenstamm (Kreis Offenbach).

Azubi Paul Schellenberg hilft beim Aufbau und bei den Proben zu "Adams Äpfel" im Stadttheater Aschaffenburg.
Foto: Stefan Gregor

Rigging wird er erst noch lernen

Schellenberg hat eineinhalb Jahre Ausbildung bereits hinter sich. Er ist voll eingesetzt in seiner Position. »Man muss das wollen. Wenn andere feiern, arbeiten wir. Der Abbau nach einer Veranstaltung kann auch mal bis nachts um eins dauern«, sagt der 21-Jährige. In der Tontechnik kennt er sich inzwischen gut aus. In der Lichttechnik hat er bisher noch nicht so viel gemacht. Auch das Rigging –das Aufbauen von Bühnenkonstruktionen und das Befestigen von Ton- und Lichttechnik daran – wird er erst später noch intensiver kennenlernen. Schellenberg ist froh, dass er an einem nicht so großen Haus seine Ausbildung macht. »In größeren Theatern bekommt man nicht so viel mit und darf nicht so selbstständig arbeiten. Ein Freund von mir lernt an einem Staatstheater. Ich darf hier wirklich viel machen«, sagt er und wickelt dabei Kabelstränge auf und hängt sie ordentlich weg.

Die in Aschaffenburg gastierenden Produktionen müssen von den Veranstaltungstechnikern vor Ort auf die Bühne angepasst werden. Auch bei »Adams Äpfel« gab es ursprünglich etwas, was in Aschaffenburg so nicht möglich war. »Eine Kanzel haben wir hier nicht. Wir hätten eine bauen können, aber dann hätten wir Zuschauerplätze verloren. Also haben wir unseren Balkon dafür genommen, haben dort ein Mikrofon aufgebaut und es so gelöst«, erklärt Schellenberg. Man müsse oft improvisieren, kreativ sein und schon mal ungewöhnliche Lösungen finden.

Die Werkstatt liegt über dem Kabellager. Auch hier hört man –wie in allen anderen Räumen hinter der Bühne – die Stimme der Inspizientin, die gerade Darsteller auf die Bühne ruft oder mitteilt, wann Pause ist. In dem Raum mit Werkbänken, Schreibtischen und Metallschränken werden Geräte und Gegenstände repariert.

Azubi Paul Schellenberg (hier mit einem Bühnenscheinwerfer) hilft beim Aufbau und bei den Proben zu "Adams Äpfel" im Stadttheater Aschaffenburg.
Foto: Stefan Gregor

Schellenberg lötet gerade einen Stecker. Über einer Werkbank hängt ein Kruzifix. Fotos alter Aufführungen und Veranstaltungsplakate schmücken die Wände. Seit September 2020 ist das auch einer von Schellenbergs Arbeitsplätzen. »Mitten in Corona bin ich gerade so reingerutscht. Zuerst sind die meisten Veranstaltungen abgesagt worden, dann gab es im Sommer wenigstens die Sommerbühne im Nilkheimer Park und am Forstamt. Da haben wir Bühnen draußen aufgebaut. Das ist etwas ganz Anderes als die Arbeit im Stadttheater«, erinnert sich der junge Mann. Traversen anschlagen heißt der Bühnenaufbau im Fachjargon – ein Standard bei Open-Air-Veranstaltungen. Er schätzt diese Abwechslung und die Vielfalt in seiner Ausbildung sehr.

Blank polierte Scheinwerfer warten auf ihren Einsatz. Schwarze Samtvorhänge liegen sauber gestapelt auf einem Wagen im Foyer. Die Vorhänge werden von Hand angebracht. »Jede einzelne Schleife davon muss man im Zug einbinden«, meint der Azubi und grinst. Ein Geduldsspiel. Es sei viel körperliche Arbeit, sagt er. Man müsse fit, belastbar und gesund sein für den Job. Und man müsse auch Probleme lösen wollen. Gerade beim Aufbau stoße man in der Technik immer wieder auf Hindernisse. »Gestern hatten wir in der Probe ein kleines Hintergrundbrummen auf einem Mikrofon. Dann habe ich das Kabel getauscht, aber es war immer noch da. Danach habe ich den Anschlussstecker getauscht, dann war es weg«, erklärt Schellenberg.

Am Ende sei alles Elektronik. Und deswegen müsse man auch offen dafür sein. Licht und Ton, Drehbühne, Züge, alles in einem Theater funktioniert darüber. Aber der Umgang mit Elektrik birgt Risiken und Gefahren. Wer in der Abschlussprüfung in Elektrotechnik eine Fünf hat, kann die Ausbildung nicht erfolgreich abschließen. Paul Schellenberg ist fasziniert von Elektrik. Er überlegt auch, ob er nach der Ausbildung noch ein Studium in dieser Richtung machen soll. Alle zwei Monate muss er für den Blockunterricht von zwei Wochen in die Berufsschule nach München.

Sauber gestapelt: die Farb- und Effektfilter für die Scheinwerfer.
Foto: Stefan Gregor

Scheinwerfer mit Filter ausrüsten

Schellenberg rüstet gerade einen Scheinwerfer im Lager mit einem Filter auf. Stück an Stück lagern sie in einem riesigen Regal. Die verschiedenen Farbeffekte haben Nummern. Die Lichttechnik im Stadttheater ist kürzlich komplett auf LED umgestellt worden. Der Stromverbrauch ist seitdem dramatisch gesunken. »Nachhaltigkeit und Sicherheit sind große Themen in meiner Ausbildung«, sagt er.

Theater sind Labyrinthe. Viele Gänge, viele Türen. »Bitte Ruhe« steht über vielen. Überall ist es eng. Steile Treppen, verwinkelte Gänge. Bis auf den Schnürboden muss Schellenberg oft mehrere Male an einem Arbeitstag. Alleine da hinaufzusteigen verlangt Kondition. Über Schwindelfreiheit muss man zudem verfügen. 18 Meter hoch und noch bepackt mit Ausrüstung oder Werkzeug über der Bühne zu arbeiten: Wer da nicht sportlich ist, für den ist ein solcher Job nichts.

Schwere Geräte, mit der man alle möglichen Situationen auf der Bühne zaubern kann: Scheinwerfer im Lager des Stadttheaters.
Foto: Stefan Gregor

Heben, klettern, schleppen

Handzüge beladen ist auch ein Knochenjob. Sie werden für eine schnelle szenische Verwandlung der Theaterdekoration verwendet. Damit sie das Gewicht tragen und vor allem sicher an Ort und Stelle halten können, müssen sie mit doppeltem Gewicht gekontert werden - wie ein Flaschenzug. Heben, klettern, schleppen. Über enge, verwinkelte Treppen in die Höhe steigen. Es ist viel körperliche Arbeit. Alles nichts für Weicheier oder Stubenhocker.

Theater sei Illusion. »Und wir Techniker helfen mit, dass diese Illusion weiterleben kann«, sagt Schellenberg. Und dann geht er und holt die Scheinwerfer wieder von der Bühne. Stöpselt die Stecker ab und wickelt die Kabel auf und hängt sie weg. Die Folien für die Scheinwerfer legt er sorgfältig zurück in die Schubfächer des Regals. Bis am nächsten Morgen dann wieder neue Aufgaben im Dienst der Kultur auf Paul Schellenberg warten.

Hintergrund: Größere Betonung liegt auf Elektrotechnik

Fachkraft für Veranstaltungstechnik ist ein seit 1998 staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Schwerpunkte der Tätigkeit sind die Konzeptionierung und Durchführung von Veranstaltungen aller Art - der Auf- und Abbau sowie das Betreiben von bühnen- und szenentechnischen Bauten sowie Beleuchtungs-, Projektions- und Beschallungsanlagen. Die Ausbildung dauert 36 Monate und läuft dual ab: Einsatz im Ausbildungsbetrieb und Blockunterricht in der Berufsschule. Im Schnitt beginnt die Ausbildung mit 741 Euro brutto im Monat, steigt auf 798 Euro im zweiten Lehrjahr und endet mit 868 Euro im letzten Ausbildungsjahr. Die Ausbildungsordnung aus dem Jahr 2002 wurde 2016 erneuert. Angehende Azubis müssen seitdem eine elektrotechnische Grundausbildung mitbringen und werden Elektrofachkräfte für Veranstaltungstechnik. (bk)

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