Mit zarter Wucht, aber Bedacht

Ausstellung:»Just Nature« zeigt Ölgemälde von Susannah Martin in Darmstadt - Für US-Künstlerin ist es erste Schau in Rhein-Main-Gebiet

Darmstadt
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Susannah Martin, Nature Bildunterschrift 2019-03-27 --> Ruhige Idylle, aber trotzdem unheimlich: »Kreuzung« hat Susannah Martin 2010 gemalt. Es ist in der Ausstellung »Just Nature« im Kunstforum der TU Darmstadt zu sehen. Foto: Kunstforum der TU Darmstadt
Foto: Kunstforum der TU Darmstadt
Blick in die Schau im Kunstforum auf »Bavaria« (rechts). Foto: Andre Hirtz
Foto: André Hirtz
Oh­ne Scheu, aber nie an­stö­ß­ig: Sie hat ein ab­so­lu­tes Fai­b­le für den men­sch­li­chen nack­ten Kör­per. Sie zeigt ihn in al­len mög­li­chen Po­si­tio­nen, ana­ly­siert ihn in al­len denk­ba­ren Be­we­gungs­ab­läu­fen und nimmt ihn in den Fo­kus aus al­len er­denk­li­chen Per­spek­ti­ven. Aber im­mer ist ei­ne tie­fe Fas­zi­na­ti­on für ihr Su­jet zu se­hen:

Susannah Martin nähert sich ihrem Thema mit zarter Wucht, aber trotzdem Bedacht.

Mit »Just Nature« widmet das Kunstforum der Technischen Universität Darmstadt (TU) der US-amerikanischen Künstlerin eine Ausstellung. Es ist die erste Schau für die Malerin im Rhein-Main-Gebiet - was um so mehr erstaunt, weil Martins Bilder bemerkenswert sind und die 1964 in New York geborene Künstlerin selbst schon lange mit der Region verbunden ist. Von 1994 bis 2000 war sie selbstständige Bühnen- und Wandmalerin in Frankfurt. In dieser Zeit arbeitete sie für namhafte Frankfurter Museen und Filmfirmen. Die Idee also von Kuratorin Julia Reichelt aus dem Kunstforum, Susannah Martin mit einer Schau zu würdigen, holt längst Überfälliges nach.

Surreale Szene wie aus Film

Denn Martins Ölbilder sind sehenswert und handwerklich von hoher Qualität. »Kreuzung« von 2010 ist so ein Bild. Das fast drei Meter breite Werk zeigt einen Flusslauf, in dem sich zwei Frauen bewegen. Die eine wandert mit gerafftem Rock, aber nacktem Oberkörper durch das Wasser - man sieht sie nur von hinten, Äste der Bäume in Ufernähe verdecken sie teilweise. Die andere, unbekleidete Frau wandert in entgegengesetzter Richtung ebenfalls durch das Wasser.

Es ist eine surreale Szene wie aus einem Film. Als hätte ihn jemand angehalten für einen Moment. Eine Natur-Idylle mit zwei zwanglosen Menschen - die irgendwie entrückt wirken. Ätherisch, überirdisch auf der einen Seite - und dann auch wieder sehr präsent. Irgendwo lauert etwas Unheimliches in dem Bild - auch wenn es auf den ersten Blick völlig harmlos aussieht.

»Bavaria« aus dem Jahr 2016 ist noch rätselhafter. Tanzende, vergnügliche Menschen in einem See vor einem Alpenpanorama. Dazu gesellen sich allerlei Schäferhunde - und Würmer, die allerdings auf den ersten Blick wie Blüten wirken, weil sie so knallig und poppig bunt sind. Natürlich hat das alles mit der Realität nichts zu tun. Aber Martin tut so als ob. Ihre feiernden Menschen, die japsenden Hunde und die oberbayerische Landschaft um sie herum wirken sehr real. Einzig die durch das Bild wabernden Würmer stören die Idylle.

Immer wieder spielt die Künstlerin mit solchen Zitaten, mit solchen Anspielungen. Und es tut gut, sich von ihr animieren, sich treiben und inspirieren zu lassen. Denn das kommt in der heutigen überregulierten Welt oft viel zu kurz.

bBis 26. Mai im Kunstforum der TU Darmstadt, Hochschulstraße 1; geöffnet Mittwoch bis Sonntag 13 bis 18 Uhr; Führung am 28. April, 17 Uhr; Lesung am 22. Mai, 20 Uhr, Margarete Stokowski; Gespräch mit Kuratorin und Künstlerin am 23. Mai, 18 Uhr; Vortrag am 26. Mai, 17 Uhr, »Lebensreform heute?!«, Kai Buchholz.

Hintergrund

Ruhige Idylle, aber trotzdem unheimlich: »Kreuzung« hat Susannah Martin 2010 gemalt. Es ist in der Ausstellung »Just Nature« im Kunstforum der TU Darmstadt zu sehen. Foto:

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