Mann mit Mundharmonika

Lesung: Philipp Sonntag zu Gast im Aschaffenburger Ludwigstheater

Aschaffenburg
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Ein Abend nicht ohne Längen: Philipp Sonntag mit seiner Mundharmonika.
Foto: Christine Blume-Esterer
Unter den besonderen Lesungen der Reihe »Gsella lässt lesen« werde diese eher klassisch ausfallen, kündigte Axel Teuscher am Donnerstag Abend im Ludwigstheater an - und der Hofgarten-Geschäftsführer und Mitveranstalter behielt recht.
Philipp Sonntag, Münchner Multitalent, stellte sich und seinen ersten Roman dem Aschaffenburger Publikum vor, las Passagen aus »Ketzermusical«- viele an der Zahl. Der Einladende, Thomas Gsella, reicherte das Programm mit eigenen Geschichten und Gedichten an, lockerte die Stimmung mit Derbem wie Spitzfindigem, Wortspielen und Reimen.
Sonntag, der im Dezember seinen 68. Geburtstag feiert, ist Schauspieler, Drehbuchschreiber, Regisseur, Zeichner, Kabarettist - und nun auch Autor. Die Kinderreihe »Das feuerrote Spielmobil« machte den Mann mit dem markanten Gesicht Anfang der 70-er Jahre bekannt.
Seitdem wirkte er in zahlreichen Fernsehproduktionen mit, unter anderem in der Lindenstraße und der Telenovela »Sturm der Liebe« und übernahm 2007 eine Rolle in der Kinokomödie »Vorne ist verdammt weit weg«. Erstaunlich daher sein Bekenntnis zu Beginn der Lesung, die Serien nicht wirklich zu kennen und zur Zeit ohne Fernsehgerät zu leben. Doch kein Problem, schließlich war sein Publikum ja nicht gekommen, um über Soaps zu plaudern, sondern Auszüge aus seinem Roman zu hören. Und eben eine nicht ganz normale Lesung zu besuchen.
Melancholische Stimmung
Heiter wie bei der vorangegangenen Veranstaltung mit Greser und Lenz verlief der Abend nicht, doch das war beim eher melancholischen Thema des Debütromans nicht zu erwarten. Trotzdem, mit seinen Mundharmonika-Einlagen, die in ihrer Bluesstimmung gut mit den Texten harmonierten, entfernte sich Sonntag von den üblichen Buchhandlungs-Events.
Die Geschichte, die er erzählt, dreht sich um Liebe, die am Leben scheitert, um Träume, die von der Realität eingeholt werden, der ewigen Suche nach Geborgenheit und vom Schicksal, das es nicht immer gut meint. Hauptfigur ist der alternde Harry, ein wenig erfolgreicher Drehbuchautor, ein Anti-Held. Auf der einen Seite lebt er in einer oberflächlichen TV-Schickeria-Welt, auf der anderen Seite stürzt er sich in eine konfliktreiche Beziehung zu einer Afrikanerin.
Turchu, jung, schön und vom Leben traumatisiert, klammert sich an Harry, der allerdings immer weniger mit ihrem Wesen klar kommt. Was folgt: Streit um Streit, kulturelle Differenzen, Schwangerschaft, Bruch, Desillusionierung. Sonntag trennte sich bei der Lesung vom Romanverlauf, er pickte Kapitel heraus, wechselte in der Dramaturgie des Abends zwischen Passagen, die deprimieren und solchen, die erheitern. Doch phasenweise erging sich sein Text in weitschweifigen Schilderungen, in detailgenauen Beschreibungen, was letztendlich ermüdete. Trotz aller Schauspielkunst des Autors machten sich nach der Pause Längen bemerkbar, über die auch eine Mundharmonika nicht hinweg helfen konnte. Martina Jordan
Philipp Sonntag: Ketzermusical. Verlag Hans Schiler 2009; 234 Seiten; 19,90 Euro
Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!