Kunstgeschichtlicher Krimi

Ausstellung: »Mission Rimini« in Liebieghaus Skulpturensammlung Frankfurt zeigt Sanierung eines Meisterwerks

FRANKFURT
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Ausstellungsansicht "MISSION RIMINI. Material, Geschichte, Restaurierung. Der Rimini-Altar" Foto: Liebieghaus Skulpturensammlung - Norbert Miguletz Bildunterschrift 2021-11-11 --> Erstrahlt in neuer, alter Pracht: der Rimini-Altar in der Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt. Für die Präsentation wurde eigens ein Display entworfen, der die Figuren so zeigt, wie sie ursprünglich im Altar der Kirche zu sehen waren. Foto: Norbert Miguletz
Foto: NORBERT MIGULETZ
Schnee­weiß hebt sich die Kreu­zi­gung Chris­ti, flan­kiert von je­weils sechs Apo­s­teln, vor dem dun­kel­grau­en Hin­ter­grund ab. Der Be­trach­ter wird ma­gisch von dem kost­ba­ren An­blick an­ge­zo­gen.

Und wer in den Raum in der Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt tritt, dem eröffnet sich eine ganz eigene Welt - die Welt des Rimini-Altars.

In der Schau »Mission Rimini« kann man tief einsteigen in die Geschichte des sakralen Kunstwerks. Denn die vollrund ausgearbeiteten und ehemals teilweise farbig gefassten Bildwerke entstammen einem Altarretabel der Wallfahrtskirche Santa Maria delle Grazie in Rimini-Covignano. Entstanden sind sie um 1430 in den südlichen Niederlanden - womöglich in Brügge. Es ist etwas für Spezialisten, für Freaks, für Nerds. Wer interessiert sich für Skulptur? Noch dazu für die des Spätmittelalters? Wenige dürften es sein.

Durchleuchtet Hintergründe

Doch diese intelligent gemachte Ausstellung könnte dazu beitragen, mehr Fans für diese Zeit zu gewinnen. Denn sie reiht nicht ein Superlativ an das andere, nicht ein Kunstwerk an das nächste, sondern sie durchleuchtet die Hintergründe zu einem Werk. Und das lässt sich verfolgen wie ein spannender Krimi. Ein Krimi der Kunstgeschichte.

Die Präsentation zeigt beispielsweise, aus welch besonderem Material der Altar besteht: Alabaster. Hat man schon mal gehört. Aber was ist das eigentlich genau? Und wo wird das Material gefunden oder abgebaut? Alabaster zählt zu den empfindlichsten Steinsorten überhaupt. Als eine kristalline Form des Minerals Gips ist es zugleich wasserlöslich und nicht hitzebeständig sowie extrem druck- und bruchanfällig.

Der Rimini-Altar zeigt eindrücklich, welche Möglichkeiten dieses Material dem Bildhauer bietet. Es lässt sich schnell und ungewöhnlich filigran bearbeiten. Und erst seit wenigen Jahren lässt sich die geografische Herkunft von Alabaster bestimmen. In Vitrinen sieht man Beispiele für die verschiedenen Arten von Alabaster. Und eine Kanope aus der Ägypten-Abteilung des Hauses zeigt auch, wie lange der Werkstoff schon Verwendung findet.

Delikates Material

An weiteren Beispielen teilweise auch aus dem Bestand des Liebieghauses wird demonstriert, wie Bildhauer zur gleichen Zeit wie der Meister des Rimini-Altars das delikate Material verarbeitet haben zu Kunstwerken. Auch in den kleinen Stücken wie der Pieta oder der Heimsuchung Mariens kann man die Faszination von Alabaster entdecken: das halb Transparente, das Durchscheinende, das Schimmern der Oberfläche.

Vier Jahre Restaurierung

Der spannendste Teil der Schau aber ist der, in dem die vier Jahre dauernde Restaurierung des Altars gezeigt wird. In Videos wird gezeigt, wie die Figuren mit Laser und gipsgesättigten Agar-Gel-Kompressen gereinigt wurden und wie Ergänzungen und Auffüllungen aus vorangegangenen Restaurierungen entfernt wurden. Wie aus den einst vergilbten und verblassten Statuetten wieder schneeweiße werden, ist beachtlich.

An einem Apostel haben die Restauratoren auch frühere Farbspuren festgestellt. Als Experiment haben sie die Figur des Bartholomäus rekonstruiert und teilbemalt und vergoldet. So könnte der gesamte Altar einst in majestätischen Farben neben dem reinen Weiß erstrahlt sein.

»Mission Rimini« ist eine spannende Entdeckungsreise. Sie führt die empfindliche, zerbrechliche Schönheit eines Kunstwerks vor Augen. Und die Schau zeigt, wie sehr sich die Technik der Restaurierung verändert hat. Vom Schein damals zum Sein heute.

Hintergrund

Fehlstelle an einem Apostel. Foto: B.

Hintergrund

Bei der Restaurierung. Foto:

Informationen zur Schau

»Mission Rimini: Material, Geschichte, Restaurierung«: Bis 24. April 2022 in der Liebieghaus Skulpturensammlung Frankfurt, Schaumainkai 71; geöffnet Dienstag, Mittwoch 12 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 bis 21 Uhr, Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr; Internet und Online-Tickets: www.liebieghaus.de; Führungen: info@liebieghaus.de, Telefon 069/605098-200.

Hintergrund

Erstrahlt in neuer, alter Pracht: der Rimini-Altar in der Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt. Für die Präsentation wurde eigens ein Display entworfen, der die Figuren so zeigt, wie sie ursprünglich im Altar der Kirche zu sehen waren. Foto:

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