Freitag, 26.04.2019

Flüstern statt schreien

Ausstellung: Der Bildhauer Konrad Franz und der Maler Frank Krämer stellen im Löw-Haus in Klingenberg aus

Klingenberg a.Main
Kommentieren
Streben nach Licht und Luft: »Hieronymus« von Konrad Franz im Untergeschoss der Galerie Löw-Haus. Fotos: Stefan Gregor
Foto: Stefan Gregor
»Frau« (links) und »Mann« von Franz, in der Mitte ein Gemälde von Krämer.
Foto: Stefan Gregor

Wäh­rend im Kel­ler die Ein­zel­ler und Mor­cheln wach­sen und selt­sa­me Pflan­zen sich im Ver­bor­ge­nen re­cken und st­re­cken, wei­sen im obe­ren Stock­werk drei Ge­stal­ten den Weg zum Licht. Und in der Mit­te des Hau­ses tum­meln sich vier wei­se Frau­en und ein Paar.

Konrad Franz' Skulpturen würden aber nicht so zur Geltung kommen, wenn es die Gemälde von Frank Krämer nicht auch gäbe. Sie erden die bildhauerischen Werke.

Denn erst im Zusammenspiel der Arbeiten beider Künstler im Löw-Haus in Klingenberg (Kreis Miltenberg) wird eine runde Inszenierung daraus. Rund insofern, dass der eine wie der andere in einer Form aufbricht. Mit der Ausstellung »Bild und Skulptur« startet der Verein Kunstraum Churfranken in eine neue Zeit. Der neue Vorsitzende Dietmar Keitzl hat die Aufgabe von seinen Vorgängern Jürgen Kadow und Brigitte Seiler übernommen, die beide ihre Ämter im September letzten Jahres niedergelegt hatten. Fünf Ausstellungen will Keitzl dieses Jahr zeigen.

Ruhige Landschaften

Jene von Franz und Krämer eröffnet den Reigen. Auf der einen Seite sind die Landschaften des Kleinwallstädter Malers Frank Krämer zu sehen. Vor den friedlichen, offenen Ausblicken auf Meere, Felder, Wiesen kann man ganz zur Ruhe und zu sich kommen. Es gibt kaum Bewegung in den Bildern. Kaum gibt es Wind, noch kräuseln sich Wellen im Wasser. Es ist still. Das sind magische Ansichten einer idealisierten Natur. Die ganz ohne Menschen oder Gegenstände auskommt. Wie Schleier oder Nebelschwaden hängen Schlieren vor dem Motiv. Der Augenblick friert ein vor dem Auge des Betrachters.

Ganz anders wirken die Skulpturen des Bildhauers, der in Aschaffenburg im ehemaligen Rischar-Atelier und in der Alten Dorfkirche in Hausen im Spessart (Kreis Miltenberg) arbeitet. Konrad Franz lässt die Werke sich nach oben schrauben, lässt sie sich in sich winden, sich drehen und gehen, schreiten, tanzen. Selbst die vegetabilen Formen im Untergeschoss des Löw-Hauses sind in Bewegung.

Mit der Kettensäge bearbeitet

Sie wachsen, werden, wollen hinaus und wollen an das Licht. Mit der Kettensäge oder dem Beil bearbeitet Franz seine Holzstämme, schält mit dem groben Werkzeug teilweise filigrane Strukturen aus ihnen. Oft sind es auch Stelen, die an Menschen erinnern. An Einsame, Verlorene, Verlassene. Was wehmütig und melancholisch stimmt. Und da treffen sich auch beide Künstler wieder: Auch Krämers Gemälde sind voller Schwermut.

Eine gelungene Auftaktschau, in der es eher flüstert als schreit. Aber das ist ja in der heutigen lauten und marktschreierischen Zeit von absolutem Vorteil.

b»Bild und Skulptur - Werke von Konrad Franz und Frank Krämer«: Bis 12. Mai im Löw-Haus, Hauptstraße 29, Klingenberg; geöffnet Samstag, Sonntag 14 bis 18 Uhr.

Hintergrund: Dietmar Keitzl und sein verändertes Konzept

Der 2013 in Miltenberg gegründete und seit 2015 in Klingenberg ansässige Verein Kunstraum Churfranken ist Träger der Galerie Löw-Haus in Klingenberg. Mehrere Künstler und Hobbykünstler arbeiten in fünf Ateliers in der historischen Altstadt des Weinortes. Auch sie gehören neben der Galerie Kunstraum und dem Alten Gefängnis zum Konzept des Kunstraum Churfranken. Die Stadt unterstützt den Verein. Dietmar Keitzl ist Grafikdesigner und kommt aus Breuberg (Odenwaldkreis). Er wurde im August 2018 zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt, nachdem die beiden Vorsitzenden Brigitte Seiler und Jürgen Kadow ihre Ämter niedergelegt hatten. »Für mich ist es in der Vielfalt der Aufgaben, vom Kulturmanagement bis hin zu Gesprächen mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft, eine große Herausforderung und zugleich eine Herzensangelegenheit, die künstlerische Qualität der Menschen in unserer Region hervorzuheben«, sagt Keitzl. Für 2019 plant er fünf Ausstellungen in der Galerie Löw-Haus. Jene von Konrad Franz und Frank Krämer ist die erste unter seiner Ägide im Löw-Haus. In »Photographie ist Kunst!« ab 25. Mai zeigt Keitzl neben sechs weiteren Künstlern eigene Fotografien. ()

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!