Sonntag, 21.04.2019

Voller Wut und voller Liebe

Konzert:Elena Bongartz überrascht im Aschaffenburger Stadttheater mit ihrer Wandlungsfähigkeit

Aschaffenburg
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Die Sängerin und Pianistin Elena Bongartz überraschte das Publikum im Stadttheater Aschaffenburg. Foto: Doris Huhn
Foto: Picasa

Sie be­t­rat die Büh­ne des Stadt­thea­ters Aschaf­fen­burg als deut­sche Sän­ge­rin und Pia­nis­tin Ele­na Bon­gartz und ver­ließ sie nach gut 100 Mi­nu­ten oh­ne Pau­se als eng­lisch sin­gen­de Ada Bro­die.

Das Abschiedskonzert von ihren bisherigen Songs, die sie auf zwei Alben selbst produziert hat, beendete die 1988 in Aachen geborene und heute in Hamburg lebende Musikerin mit der Vorstellung ihres neuen Projekts.

Mit Publikum geplaudert

Das war sehr spannend und sehr überzeugend, wie der komplette Abend mit der ebenso authentischen wie musikalisch glänzenden jungen Künstlerin. Im lässig-coolen Outfit (zu Turnschuhen und Jogginghose trug die ungeschminkte und kurzhaarige Elena ein Spitzenoberteil, unter dem frech ein roter BH hervor blitzte), startet sie den Abend mit einer eher schüchtern wirkenden Verbeugung und dem ersten Titel »Alles«. Doch dann beginnt sie mit dem Publikum, das leider nur die Hälfte des Stadttheaters füllt, zu plaudern. Neben Small Talk, in dem man erfährt, dass sie zum ersten Mal »im wunderschönen Aschaffenburg« zu Gast ist, verrät sie viel über sich selbst.

Sechs Jahre lang trat sie nun mit ihren zwei Alben »Elena« (2016) und »Shit vergangener Tage« (2017) auf. Während Bongartz ihr erstes Album als »poppig und jugendlich« bezeichnet, charakterisiert sie das zweite als »brutal und voller Poetry Slam Texte«. Der Titelsong des jüngsten Albums ist ein genial-expressives Lied, das sich mit den realen Alpträumen der Künstlerin befasst, die auch als Chorleiterin und Auftragskomponistin arbeitet. Dabei stellt sich heraus, dass das Aschaffenburger Publikum von keinen Alpträumen geplagt wird und die Stadt laut Elena somit eine Insel der Glücklichen ist - was wohl eher daran liegt, dass sich keiner getraut hat, aufzuzeigen. Doch »Aschaffenburg, ihr sollt hier nicht nur sitzen! Singt einfach mit!«, motiviert die sympathische Singer-Songwriterin das Publikum und schon läuft's mit »dibb-dibb-da-da«.

Immer sie selbst

Später wird zweistimmig gesungen und begeistert mit den Finger geschnippt oder rhythmisch geklatscht. In ihren Liedern ist Elena Bongartz immer sie selbst. Voller Wut und voller Liebe geht es da zu. Beeindruckend ist die Entstehungsgeschichte von »Wut im Bauch«. Denn bereits ein Jahr, bevor die »Metoo«-Kampagne weltweit auf sexuelle Belästigungen von Mädchen und Frauen hinweist, hat sie diesen Song 2016 geschrieben. Wütend singt sie in dem von den Noten und den Worten her kantigen Lied von eigenen Erlebnissen. Doch stark und selbstbewusst ist sie daraus hervor gegangen, verbirgt weder Ängste noch Träume, erzählt in »Sonntag« von einer herrlichen »Couch-Herumlunger-Zeit« im Snoopy-Schlafanzug, bei dem die Klaviertöne vor Freude Kapriolen schlagen und hofft: »Wenn ich mich lange nicht auf dem Sofa bewege, findet mich der Montag nicht ?«

Und dann ist die große Stunde von Ada Brodie gekommen, die Elena Bongartz als Special Guest, gendergerecht als »Gästin« für die Zugabe ankündigt. 60 Sekunden benötigt sie, um sich in ihr neues Alter Ego zu verwandeln. Ada spricht und singt auf Englisch und klingt ein kleines bisschen wie die große Adele. Mit Riesenstimme intoniert die Künstlerin »Help me, carry me« sowie zwei weitere Stücke, das letzte davon zu Beginn am Bühnenrand sitzend und auch a-cappella überzeugend.

Egal, ob für Elena oder für Ada - das Publikum spendete einen grandiosen Schlussapplaus und ließ damit wissen, dass das Abschiedskonzert einen grandiosen Anfang geboren hat.

Zur Person: Elena Bongartz

Sie ist ein musikalisches Naturtalent - und zudem familiär umgeben von Musik: Elena Bongartz wurde am 22. Januar 1988 in Aachen geboren. Die Songwriterin, Sängerin und Pianistin ist die Schwester des deutschen Stargeigers David Garrett. Einem breiteren Publikum wurde sie 2016 mit ihrem Album »Elena« bekannt. Sie lernte mit sechs Jahren klassisches Klavierspiel und gewann mit 15 Jahren einen ersten Preis beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert. Mit 14 Jahren sang sie das erste Mal solo bei einem Konzert. Sie studierte Jazzgesang und Kulturmanagement. ()

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