Montag, 18.03.2019

Die kann und darf das!

Konzert:Barbara Schöneberger in der Alten Oper Frankfurt - Bogen von Pop über Soul, Funk und Jazz bis hin zu Chanson und Bossa Nova

FRANKFURT
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ARCHIV - 21.05.2008, Hessen, Frankfurt/Main: Barbara Schöneberger singt in der Alten Oper. (zu dpa «Rock- und Pop-Konzerte im März») Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Bildunterschrift 2019-03-15 --> Gut bei Stimme: Barbara Schöneberger bei einem früheren Auftritt in der Alten Oper Frankfurt. Archivfoto: Boris Roessler (dpa)
Foto: Boris Roessler

Bar­ba­ra Sc­hö­ne­ber­ger nimmt kein Blatt vor den at­trak­ti­ven Mund. Schon gar nicht we­gen je­ner Da­men und Her­ren, die ihr auf ih­rer ers­ten Tournee seit ei­ni­gen Jah­ren ei­ne aus­ver­kauf­te Al­te Oper be­schert ha­ben.

Mag sie das auf entspannte Erheiterung erpichte Publikum auch erst noch vor wenigen Minuten mit einem überschwänglichen »Frankfurt, ich freu' mich so!« begrüßt haben.

Allzweck-Moderatorin

Bei der der in München geborenen, in Berlin wohnhaften Allzweck-Moderatorin mit Schwerpunkt Preisverleihungen ist der Widerspruch quasi Programm. Einen nicht minder hohen Stellenwert nimmt die Ironie respektive die Selbstironie ein. Und das gleich pfundweise. Barbara Schöneberger geht dabei mit sich selbst respektloser um als mit allen anderen. Also, alles paletti. Deshalb würde auch keiner beleidigt aufbegehren, wenn sie bei der Überleitung zum Song »Du willst es doch auch« mal eben einen flapsigen Satz an ihre Fangemeinde richtet: »Während Sie googeln, was Libido ist, fange ich schon mal an zu singen.«

Auch das witzige Aufgreifen der lächerlichen Bernd-Stelter-Doppelnamen-Affäre an Karneval mit augenzwinkernder Aufforderung »Will jemand auf die Bühne kommen?« erzeugt starke Lacher. Kommt ja von Barbara Schöneberger - die kann und darf das.

Dank ihrer Ausnahmestellung im deutschen Showbetrieb - als einzige Mitstreiterin im etwa gleichen Metier ließe sich Ina Müller ausmachen - kann sich Barbara von Schierstädt, wie sie bürgerlich seit ihrer Verheiratung mit Gatte Maximilian heißt, fast alles erlauben. Etwa während ihres launigen Zweistunden-Programms »Eine Frau gibt Auskunft« mit immerhin 21 Songs, wo sie sich rund ein halbes Dutzend Mal in gerne ein, zwei Nummern zu kleine hautenge Textilien mit Glitzereffekt zwängt. Oder aber gnadenlos sich selbst bewerben, indem sie nicht nur im Einstiegssong »Jetzt singt sie wieder« ihre ganzen künstlerisch-geschäftlichen Tätigkeiten Revue passieren lässt, sondern auch noch in ihren endlosen Wortkaskaden: »Ich nenn mich selbst Thermomix der Showbranche - ich mache quasi alles«, illustriert sie ihre geschäftstüchtige Umtriebigkeit.

Tatsächlich kann sich die Schöneberger über mangelnde Präsenz wie Resonanz im Medialen nicht beklagen: Vielseitige Moderatorin, seit 2015 redaktionell eingebunden in einer nach ihr benannten Frauenzeitschrift, Tapeten entwarf sie auch schon sowie behutsame Werbung für Fleischsalat und Ultraschallzahnbürsten. Seit 2007 hat sie vier CDs aufgenommen, von 1999 an war sie immer wieder mal auch als Schauspielerin in TV- und Kinofilmen zu sehen. Fehlt noch was? Unter Garantie, man verliert so langsam den Überblick.

Eine wandelndes Boulevard-Magazin, das Unaussprechliches ausspricht, ist sie auch noch. Da kommt alles aufs Tablett was Rang und Namen hat: Über Helene Fischer weiß sie, »die hat jetzt einen muskulös attraktiven Akrobaten aus ihrer Truppe - für den würde ich meinen Mann auch verlassen.« Heidi Klum beglückwünscht sie zu ihrem jüngeren Lebensabschnittsgefährten: »Schon süß, der Tom Kaulitz - wenn der erst mal in den Stimmbruch kommt!« Von Grey's-Anatomy-Mime Patrick Dempsey, den sie während einer von ihr moderierten Preisverleihung traf, schwärmt sie. Dass sie mit Roland Kaiser gemeinsam ins Tonstudio durfte auch, obwohl nicht er sie zum Duett, sondern ihr Management den Kaiser dazu anfragte.

Auch im umfangreichen musikalischen, von routinierter Band begleiteten Teil glänzt Barbara Schöneberger mit souveräner Stimme. Abwechslungsreich spannt sich der Bogen von Pop über Soul, Funk und Jazz bis hin zu Chanson und Bossa Nova. Pointiert greift sie Themen wie Patchwork-Familie, das Leben in der Provinz oder Frauen-Power auf. Dass sie gerne wäre wie der französische Filmstar »Isabelle Huppert« signalisiert der gleichnamige Song. Abrundung erfährt das durchweg hochwertige Entertainment durch ein - mal wieder augenzwinkerndes - Greatest-Hits-Medley sowie durch Coverversionen von Dolly Parton, Donna Summer und Gloria Gaynor.

Hintergrund

Gut bei Stimme: Barbara Schöneberger bei einem früheren Auftritt in der Alten Oper Frankfurt.

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