Donnerstag, 21.03.2019

Bayerisch-nigerianisches »Überraschungspaket«

Comedy:Simon Pearce glänzt in Stockstadt

Stockstadt am Main
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Simon Pearce. Foto: Doris Huhn
Foto: Doris Huhn

In gro­ßer Plau­der­lau­ne und mit min­des­tens eben­so so viel Selb­s­t­iro­nie glänz­te der 36-jäh­ri­ge Si­mon Pe­ar­ce (»Mei­ne Mut­ter ist ei­ne 77-jäh­ri­ge baye­ri­sche Volks­schau­spie­le­rin, mein Va­ter Ni­ge­ria­ner«) in der seit Wo­chen aus­ver­kauf­ten Al­ten Kn­a­ben­schu­le Stock­stadt.

Nachdem er im vergangenen Jahr an gleicher Stelle mit »Allein unter Schwarzen« das Publikum in seine Kindheits- und Jugenderinnerungen entführt hat, bot das zweite Soloprogramm »Pea®ce on Earth!« die Fortsetzung.

Pointierte Erzählweise

Im lässigen Bob-Marley-T-Shirt plus grüner Baseball-Kappe über dem Afrolook inklusive beginnender Glatze punktete der sympathische, frisch gebackene Vater, der mit Freundin und Kind in München lebt, durch seine pointierte und lebhafte Erzählweise. Gut, das können andere Kollegen des Genres auch. Doch bei Pearce vollzieht sich im Laufe des Abends eine Wandlung. Das bayerisch-nigerianische »Überraschungspaket« versteht es nämlich ganz hervorragend, sich aus seinen superlustig vorgetragenen Erlebnissen als Flugangst-Zombie oder als panischer Urologie-Patient in einen echten Kämpfer für Frieden zwischen den Kulturen zu verwandeln. Maßgeblich tragen dazu zwei Schlüsselerlebnisse bei, die er anfangs im Plauderton preis gibt und dabei noch das ein oder andere Witzchen fallen lässt.

Hass-Fax trifft ein

Doch das Eintreffen eines Hass-Faxes kurz vor einem Auftritt in Miesbach mit massiven Androhungen und dem zunächst wenig erfolgreichen Versuch, die Polizei einzuschalten, lassen das Publikum aufhorchen und nachdenklich werden. Groß ist die Erleichterung, als es nach einem halben Jahr gelingt, den mehrfach agierenden Täter zu verhaften - es ist ein deutscher Rentner, der in Italien lebt?

Dass Pearce immer damit rechnen muss, dass er an einschlägigen Plätzen in München »eins auf die Fresse kriegt«, ist der zweite Punkt, an dem klar wird, dass Pearce nicht aus Aufmerksamkeits-Hascherei auf Weltfrieden aus ist, sondern dass das seine Realität ist. Zumal der kleine Simon von seinem nigerianischen Vater in einigen Dingen deutscher als deutsch erzogen wurde und sich heutzutage einen Kopf macht, wenn er in einigen Situationen dementsprechend reagiert. »Ich will den Geschäftsführer sprechen!«, der laut Pearce deutscheste Satz der Welt rutscht ihm regelmäßig raus. Doch oft genug streiten die bayerische und die nigerianische Seele. Der Bayer hat quasi inklusive Weißbierglas die Berechtigung zum Entspannen, während der Afrikaner ohne Weißbierglas herumhängt und dabei todsicher den nächsten Diebstahl ausheckt?

bSimon Pearce ist mit »Allein unter Schwarzen« am Freitag, 29. März, um 20 Uhr im Hofgarten-Kabarett Aschaffenburg zu sehen.

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