Freitag, 22.02.2019

»Die Not von damals gibt es heute auch noch«

Kommentieren
Aschaffenburg, Kirchnerhaus, Ludwigstraße: Das Kirchnerhaus hat über ein Vereinsmitglied ein kostbares von Kirchner illustriertes Buch erworben (Wert 10000 Euro) . Gedichte Georg Heyms. Von links: Martina Diehm (Vorstand), Ulrich Schüren (Bibliothek), Brigitte Schad (1. Vorsitzende) und Dorothé a Campo (2. Vorsitzende) mit dem erworbenen Buch Foto: Petra Reith Bildunterschrift 2018-01-09 --> Kostbares Buch (von links): Vorstandsmitglied Martina Diehm, Ulrich Schüren, Vorsitzende Brigitte Schad und ihre Stellvertreterin Dorothee a Campo.
Foto: Petra Reith

Bri­git­te Schad (Fo­to: Pe­t­ra Reith), die das Kirchn­er­haus Aschaf­fen­burg lei­tet, hat die Aus­stel­lung »Flächen­brand Ex­pres­si­ons­mus« nach Aschaf­fen­burg ge­holt. Im Ge­spräch mit Re­dakteu­rin Bet­ti­na Knel­ler er­zählt sie, was sie da­ran ge­reizt hat.

Was fasziniert Sie an den Kunstwerken? Was macht den Expressionismus auch heute noch so attraktiv?

Ich finde, es ist eine ruhige, klare Schau nur mit Holzschnitten, dem Grafikmittel des Expressionismus schlechthin. Mich beeindruckt die Vielfalt des Ausdrucks - auch wenn alle Künstler das Strenge, das stark Abstrahierte eint. Und die Themen der Expressionisten, vor allem deren Gesellschaftskritik, sind auch heute noch aktuell. Das Blatt beispielsweise mit der Mutter, die am Sarg ihres Mannes steht und an deren Rock sich frierend und hungrig ein Kind drängt, ist zeitlos. Die Not von damals gibt es heute auch noch.

Man sieht hier viele Künstlernamen, von denen man noch nie zuvor gehört hat.

Das ist richtig. Mit der Qualität ihrer Arbeiten hat das aber nichts zu tun. Für viele der hier gezeigten expressionistischen Künstler stellte die Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg eine Zäsur dar. Sie bekamen Berufsverbot, mussten fliehen ins Exil - Ernst Ludwig Kirchner floh in die Schweiz, weil er panische Angst hatte, noch einmal nach dem Ersten Weltkrieg an die Front zu müssen. Ihre Ateliers wurden zerbombt und das Werk ging in Flammen auf. Dadurch konnten viele von ihnen nach dem Krieg nicht wieder an den Erfolg von früher anknüpfen. Deswegen gerieten viele später in Vergessenheit.

Warum kommt das immer wieder vor, dass Künstler in Vergessenheit geraten?

Das ist die Frage, die sich aus der Schau ergibt. Es ist ein Verdienst von Sammlern wie Joseph Hierling, dass Künstler, deren Namen nicht mehr geläufig sind, zurück in das Rampenlicht geholt werden. Und wie man sieht, sind sie das allemal wert.

Lade Inhalte...
Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!