Mittwoch, 16.01.2019

Auf dem Rad einmal quer durch Afrika

Anselm Pahnke:Gespräch mit dem 30-Jährigen Geophysiker - 15000 Kilometer, 44 Tage, 15 Länder,

Aschaffenburg
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Immer umringt: Anselm Pahnke bei einer Pause in Sambia. Foto: Pahnke
Foto: Pahnke
Neujahr im Grünen - in Tansania.
Foto: Pahnke

15 000 Ki­lo­me­ter, 414 Ta­ge, 15 Län­der - ein Kon­ti­nent: Der ge­bür­ti­ge Ham­bur­ger An­selm Pahn­ke hat Afri­ka auf dem Fahr­rad durch­qu­ert. Los ging es in Süd­a­fri­ka noch mit zwei Freun­den. Die aber stie­gen nach drei Mo­na­ten aus. Im Grenz­ge­biet zu Bots­wa­na ent­sch­loss sich der da­mals 25-Jäh­ri­ge, al­lei­ne wei­ter zu ra­deln.

Seine Tour führt ihn durch Botswana, Namibia, Simbabwe, Sambia, Malawi, Tansania, Burundi, Ruanda, Uganda, Kenia, Äthiopien und Ägypten.

Erst nach der Rückkehr reifte der Entschluss, aus den Aufnahmen mit einer kleinen Kamera einen Kinofilm zu schneiden. »Anderswo. Allein durch Afrika« heißt die sehenswerte Dokumentation einer ungewöhnlichen Reise. Seit Dezember tourt der studierte Geophysiker Pahnke durch Kinos, um seine 110-minütige Dokumentation vorzustellen und die Fragen der Zuschauer zu beantworten. Am Donnerstagabend war er im Kinopolis, am Freitag in Marktheidenfeld. Wir trafen Anselm Pahnke nach der Vorführung.

Herr Pahnke, einmal durch Afrika, das ist schon mit dem Auto eine Herausforderung, wie kam es zu Ihrer Idee? Warum Afrika?

Ich war schon als Kind von Afrika fasziniert, habe mir die Karten im Atlas angesehen. Außerdem war von Afrika am wenigsten zu erfahren. Dazu kam der Gedanke, dass der Ursprung der Menschheit, von uns allen, in Ostafrika liegt. Dort habe ich auch lange Halt gemacht. Die Neugierde hat mich nach Afrika getrieben, nicht etwa ein Selbstfindungsgedanke oder sowas.

Tragen Sie ein Abenteuer-Gen in sich? Sind Ihre Eltern in der Entwicklungsarbeit oder Diplomaten?

Nein, nein. Abenteurer würde ich nicht sagen, aber wir sind alle Erkunder. Als Kind hinterfragt man alles, will alles anfassen. Das will ich mir erhalten. Wir haben lange auf dem Land gelebt, mit einem Plumpsklo, sehr einfach. Das gilt auch noch heute für mich - ich brauche nicht viel.

Sie haben 15 Länder in Afrika durchquert, gibt es eines, wo es besonders schön war, wo Sie noch einmal hinreisen wollen?

Nein, ich will keinen Ort zweimal besuchen, dann gehen die Emotionen vom ersten Mal verloren. »Die Brücke erst überqueren, wenn Du davor stehst. Nicht davor schon groß darüber nachdenken.« Das ist mein Motto. Wenn man sich zu viele Pläne macht, verbaut man sich den Moment. Ich wusste vor einem Vierteljahr nicht, dass ich auf einer Bühne präsent sein kann. Aber es geht gut, die Filmtour macht Spaß.

Wie haben die Menschen in Afrika reagiert, wenn Sie berichtet haben, dass Sie den Kontinent mit dem Rad durchqueren wollen? Halten die einen für plemplem?

Ich habe nicht groß davon erzählt, dass ich schon Tausende Kilometer geradelt bin, ich wollte da nicht als großer Held dastehen. Ich habe auch nicht großartig Bilder von daheim gezeigt, vom Elternhaus oder so. Nur ein paar Bilder meiner Familie.

Kommen wir zur eigentlichen Qual: Sie sind rein rechnerisch jeden Tag gut 36 Kilometer gefahren. Gab es Radfahrpausen?

Absolut, ich hab die Hälfte der Tage nicht auf dem Rad verbracht, im Schnitt waren es 72 Kilometer am Tag. Ich bin kein Rennfahrer oder so, ich finde Radfahren auch nicht sooo toll, es ist halt praktisch. Die Tage ohne Rad, wenn ich mit Menschen zusammen war, habe ich bewusst nicht gefilmt. Es waren tolle Begegnungen.

Im Film sieht man viel Natur, viel Landschaft, viele Begegnungen mit Menschen an der Straße. Städte und Massen haben Sie gemieden?

Richtig, zu viele Menschen an einem Ort, das mag ich nicht. Wenn ein Tourist kam und sagte, »fahr dort hin«, dann wusste ich sofort: Genau dahin werde ich nicht fahren, ich mag diese Punkte nicht. Nur Kampala, die Hauptstadt von Uganda, konnte ich nicht vermeiden, weil ich ein Visum besorgen musste.

Wie viele Pannen hatten Sie?

Hmmm? Ich habe nicht gezählt, vielleicht 40? Aber ich habe auch gute Reifen, die kosten 50 Euro, aber halten was aus.

414 Tage heißt auch 414 Nächte, wo haben Sie übernachtet?

Fast immer im Zelt, manchmal habe ich es auch in Höfen oder neben Hütten aufbauen dürfen. In den Hütten ist es mir viel zu warm, ich habe es mal versucht. Ich glaube, ich war 17 Tage nicht im Zelt: in Kampala, dann als ich Malaria hatte. Und Typhus, das ist noch schlimmer, echt krass. Und nach der Fahrt durch die Sahara, da lag ich zehn Tage im Krankenhaus. Ich war total platt und erschöpft. Aber sonst habe ich das gesundheitlich gut überstanden.

Respekt, Sie scheinen abgehärtet zu sein.

Ich bin tatsächlich ein resistenter Typ, hatte meinen ersten Schnupfen mit sieben, glaub ich, nie eine Mandelentzündung, noch nie 'ne Grippe.

Okay, Robustheit, Fitness, Mut - Sie haben vieles, was man für eine solche Tour braucht. Wie ist es mit Geld?

Ich denke, man sieht im Film, dass ich sehr einfach unterwegs war. Ich habe am Tag drei bis vier Euro gebraucht. Insgesamt habe ich in Afrika rund 2300 Euro ausgegeben. Man kommt mit wenig aus. Ich lebe auch in Deutschland sehr günstig.

Ein bisschen was wird jetzt der Film bringen?

Das weiß ich nicht, bis jetzt haben alle umsonst gearbeitet. Wenn was bleibt, bekommt der Cutter genauso viel wie ich. Und alle anderen. Ich kann mit Geld nicht so viel anfangen, es ist mir nicht wichtig.

Wenn jemand eine ähnliche Tour machen wollte, welchen Tipp hätten Sie für ihn?

Keinen Plan machen. Ein Plan ist das, was am meisten behindert.

bWeitere Vorstellungstermine mit A. Pahnke: 13.1., 14 Uhr: Würzburg, Central; 19 Uhr: Darmstadt, Rex. Der Film soll laut Anselm Pahnke nochmals in Aschaffenburg zu sehen sein - Termin noch offen. Infos: www.anderswoinafrika.de

Zur Person: Anselm Pahnke

Anselm Pahnke, geboren 1989, wuchs in einem Vorort von Hamburg als zweites von fünf Kindern in einem von seinen Eltern gebauten Holzhaus auf. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in Kanada studierte er Ozeanographie und Geophysik in Hamburg. Wenige Tage nach seinem Bachelorabschluss löste er er seine Wohnung auf und begann eine Fahrradreise, die ihn durch Afrika führte.

Direkt anschließend reiste er weiter in den Nahen und Mittleren Osten, durch China und über den Himalaya nach Südostasien bis nach Sydney. Aus der Idee, ein paar Monate zu reisen, wurden so mehrere Jahre und die Welt sein Zuhause - und ein Film. (bach)

Hintergrund

» Als Kind hinterfragt man alles, will alles anfassen.

Das will ich mir erhalten. «

Anselm Pahnke,Afrika-Durchquerer

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