Freitag, 16.11.2018

Aschaffenburgtheater zeigt im April 2019 neues Stück

Proben haben begonnen

Aschaffenburg Donnerstag, 08.11.2018 - 13:01 Uhr

Ein Di­ens­ta­g­a­bend im Ju­kuz Aschaf­fen­burg. Ne­ben­an lär­m­en und spie­len Kin­der. Auf der Büh­ne ist es hin­ge­gen ganz still. Es herrscht an­ge­st­reng­te Kon­zen­t­ra­ti­on. Katha­ri­na Pas­ter­nak, Sa­bi­ne Grant-Sie­del, Dus­tin Pau­lus sit­zen am Tisch und le­sen je­der ein Ma­nuskript vor sich.

Es ist das neue Stück des Aschaffenburgtheater, das im April 2019 Premiere haben wird. Und alle machen sich gerade in der ersten Probe mit dem Text vertraut. Später werden noch Torsten und Agnieszka Kleemann dazukommen.

Nach dem umjubelten Debüt der Theatermacher aus Aschaffenburg im Oktober 2016 war es ruhig geworden. Zuschauer hatten schon Bedenken, dass das Ensemble sich wider Erwarten aufgelöst haben könnte. »Die Pause kam dadurch, dass wir über ein Stück nachgedacht haben, uns aber nicht einig werden konnten. Und so konnten wir den für Oktober angesetzten Termin dann nicht einhalten«, sagt Sabine Grant-Siedel. »Wir haben uns dann hingesetzt und angefangen selbst zu schreiben«, sagt Dustin Paulus. Zusammen mit Grant-Siedel hat er ein Autorenduo gebildet, das sich ergänzt und inspiriert hat. Das Ergebnis ist »Der Tag, der vor lauter Geschichten den Abend um Verlängerung bat«. Beide sind zufrieden damit. Die Premiere ist am 3. April im Stadttheater Aschaffenburg, am 4. gibt es eine Vorstellung und möglicherweise auch am 5. April.

Wechselnde Autoren

Inszenieren wird das Stück Katharina Pasternak. Die Theaterwissenschaftlerin und Schauspielerin aus Aschaffenburg hat auch mal als Regieassistentin am Schauspiel Frankfurt gearbeitet. Pasternak und Grant-Siedel kannten sich von früher. »Sie war meine Lehrerin auf der Schauspielschule«, sagt Pasternak. Jetzt freut sie sich sehr darauf, Regie für das Aschaffenburgtheater zu führen. Das erste Stück »Vom Glück....« hatte Berthold Brunn geschrieben und inszeniert. Wechselnde Autoren und Regisseure gehören seit Gründung der Theatergruppe zu deren Konzept. »Vielleicht wechselt auch irgendwann mal das Ensemble. Wer weiß«, sagt Dustin Paulus. Es sei gut, dass der Autor nicht auch gleichzeitig der Regisseur sei. »Es sollten nicht diejenigen inszenieren, die auch geschrieben haben.« Oft könne der Autor seine Worte nicht gut loslassen, so Pasternak.

Dennoch pflegt das Ensemble nach wie vor einen demokratischen Ansatz. Plus einen experimentellen Ansatz, bei dem gemeinsam in den Proben die eigentliche Inszenierung herausgearbeitet wird. Jeder kann sich und seine Ideen einbringen. Das erfordert Geduld von allen und Disziplin von jedem. »Der Vorteil ist, dass wir uns alle gut kennen, und alle respektieren«, erklärt Grant-Siedel. Zumal das neue Stück alle ziemlich gut einspannt. Jeder Schauspieler hat mehrere Rollen. »Keiner kommt irgendwann von der Bühne herunter. Es gibt keine Zeit zum Verschnaufen«, sagt Pasternak. Wie das mit den vielen Kostümwechseln zu bewerkstelligen sein wird? »Am tollsten fände ich es, wenn jemand in die verschiedenen Rollen schlüpft, indem er nur Gestik, Mimik oder Stimmlage verändert«, sagt die Regisseurin.

Ein Wasserhäuschen

Ort des Geschehens in »Der Tag, der vor lauter Geschichten den Abend um Verlängerung bat« ist ein Wasserhäuschen. Vor ihm treffen sich Menschen und kommen ins Gespräch miteinander. Schicksale, alltägliche Probleme, Trauriges, Lustiges, Nachdenkliches, Banales gibt es in den 90 Minuten zu erleben. »Alles, was gesagt werden sollte, wird gesagt«, meint Paulus. Jeder finde sich in der einen oder anderen Figur wieder.

Das Ensemble probt schon fleißig seit zwei Wochen. Jeden Dienstagabend treffen sie sich im Jukuz. Und die Spannung steigt. Bekommen wir das über die Rampe? Wird es funktionieren? Das sind Fragen, die sich alle stellen. Und für die alle alles geben und sich anstrengen.

Eines ist allen im Aschaffenburgtheater aber klar. Theater am Fließband wird es von ihnen nicht geben. Eine Produktion pro Jahr, nicht mehr. »Wir wollen klein und fein bleiben und eine gute Qualität bieten«, sagt Paulus. »Lust und Spielfreude müssen überspringen auf das Publikum. Wir müssen hinter dem stehen, was wir tun«, ergänzt Grant-Siedel.

Und da das erste Stück so gut ankam, erwarteten die Zuschauer auch etwas. Das Ensemble ist gerüstet. »Nach dem Spiel ist vor dem Spiel«, sagt Pasternak und lächelt.

BETTINA KNELLER
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