Freitag, 14.12.2018

Schatzkammer hoch über dem Main

Ausstellung:»Domestic Space« zeigt zwölf zeitgenössische Positionen in Schloss Homburg in Triefenstein

Triefenstein
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80er-Jahre-Gefühle beschwört Marc Peschkes »Cube« herauf.
Fotograf: Harald Schreiber  | Ort: Homburg | Datum: 21.09.2018
Im Dialog miteinander: »Target/Ground« von Jürgen Pass und Meissen-Wandteller im Hintergrund. Fotos: Harald Schreiber
Fotograf: Harald Schreiber  | Ort: Homburg | Datum: 21.09.2018
»Lageplan Orange zu Blau« von Elvira Lantenhammer.
Fotograf: Harald Schreiber  | Ort: Homburg | Datum: 21.09.2018

Wie ei­ne Ziel­schei­be mar­kiert Jür­gen Pass' In­stal­la­ti­on »Tar­get/Ground« den Mit­tel­punkt des Rau­mes in Sch­loss Hom­burg in Trie­fen­stein-Hom­burg (Kreis Main-Spess­art). Die knall­b­un­te Bo­den­ar­beit aus Kan­ten-Kunst­stoff­bän­dern scheint all die En­er­gie zu sam­meln und in sich zu kon­zen­trie­ren, die von den Ar­bei­ten an den Wän­den aus­geht.

Beispielsweise bündelt es auch jene Kraft, mit der »Lageplan Orange zu Blau« von Hausherrin Elvira Lantenhammer im Raum leuchtet. Die kräftigen Farbfelder, die sich begegnen, die Pinselzüge, die man wahrnimmt auf der Leinwand: Sie laden zum Nachdenken über Farben und Formen ein. Reminiszenzen an japanische Zen-Gärten ruft das Gemälde wach.

Reduzierte, konzeptuelle Werke

Zu sehen sind die zwölf zeitgenössischen Positionen unter dem Titel »Domestic Space - Schloss Homburg Edition«. Der Berliner Galerist Andreas Stucken hat die Ausstellung konzipiert mit Künstlern, die er vertritt. Als Gegensatz zu den abstrakten Werken zeigt Stucken zwölf Wandteller von Meissen mit gegenständlichen Porträts von Otto Drögsler. Das modern interpretierte Porzellan und die reduzierten, konzeptuellen Werke in dem quadratischen Zimmer in dem historischen Schloss: Es ist eine kleine Schatzkammer, die man betritt. Eine Schatzkammer hoch über dem Main, den man durch die vielen Fenster im Zimmer sehen kann.

Seit 1999 zeigt Elvira Lantenhammer in ihrer Reihe »Kunst in Schloss Homburg« Kunstwerke. Die neue Kooperation mit der Zweigstelle Berlin von Andreas Stucken bringt jetzt wieder frische Positionen, für die man sich Zeit nehmen sollte. Zwar sind nur zwölf Werke plus zwölf kleinere Editionen im Raum verteilt. Aber die brauchen Raum zum Atmen - und zum Entdecktwerden.

Es sind starke Skulpturen und Gemälde. Darunter sind auch zwei »Cubes« von dem aus Wertheim (Main-Tauber-Kreis) stammenden Künstler Marc Peschke oder Gabriele Schade-Hasenbergs intensives »o.T. 05«, ein Farbfeld, das aus vielen lasierten Ölschichten besteht und das je nach Lichteinfall changiert und seinen Charakter ändert. Mal scheint es altes Holz sein zu wollen, mal Bronze. Subtil sind auch Florian Eckers Blöcke aus Carrara-Marmor, die auf den ersten Blick bloß wie simple Steinquader aussehen - auf den zweiten erst offenbaren sie die sanfte und polierte Eintiefung auf der Oberseite. Und so schaut man und staunt in dem Raum hoch über dem Main. Es gibt viel zu entdecken und viel zu reflektieren in dieser Schatzkammer voll zeitgenössischer Positionen.

BETTINA KNELLER
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