Dienstag, 16.10.2018

In Geheimnisse der Blumen-Sprache eingeweiht

Klassik: Rund tausend begeisterte Besucher bei der Frühlingsgala »Wenn die Magnolien blühen« in der Aschaffenburger Stadthalle

(© Harald Schreiber)
Aschaffenburg Montag, 16.04.2018 - 20:15 Uhr

In Wal­zern, Pol­kas und Ope­ret­te­na­ri­en schwel­gen - und ne­ben­bei in die Ge­heim­nis­se der Blu­men-Spra­che ein­ge­weiht wer­den: Hel­l­auf be­geis­tert wa­ren die rund tau­send Be­su­cher der Ga­la »Wenn die Mag­no­li­en blühen« am Sonn­ta­g­a­bend in der Stadt­hal­le.

Dirigent Thomas Wicklein hatte nicht nur die exzellent aufspielende Jenaer Philharmonie in Griff. Der Vollblutmusiker entpuppte sich auch als brillanter Unterhalter bei der Moderation des zweieinhalbstündigen Programms unter dem Motto »Blumenfest«.
Ein Strauß dreier Straußens
Viele Sträuße habe man dabei, sagte Wicklein: Josef Strauß (1827 bis 1870), Johann Strauß (1825 bis 1899) und Eduard Strauß 1835 bis 1916). Bei Eduards »Saat- und Ernte«-Schnellpolka zeigten die Jenaer Musiker, dass sie selbst bei Höchstgeschwindigkeit nicht aus der Präzisionskurve fliegen. Josefs bezaubernd duftig dargebotene Polka »Ohne Sorgen« machte den Anfang, und seine »Sturm«-Polka sorgte für eine lustige Überraschung bei der Zugabe. Johann, der Sohn, kam nach der Pause gleich fünfmal zu Ehren. Dessen »Blumenfest«- und »Ballsträußchen«-Polka nutzte der Moderator, um etwas über die symbolträchtigen Farben von Rosen zu erzählen. So stehe Orange für »Ich brenne für dich« und Weiß für rein platonische Bewunderung. Den bekannten »Frühlingsstimmenwalzer« von Junior Johann Strauß bekam das Gala-Publikum in einer Form präsentiert, dass ihm erst mal die Luft wegblieb vor Staunen über die Nachtigallenstimme der Sopranistin Katie Bolding und dass es danach in donnernden Applaus ausbrach. Nur wenige Sängerinnen könnten die Koloratursopran-Version dieses Walzers überhaupt singen, meinte Wicklein.
Herrlich grunzen konnte Bariton Milko Milev als schwerreicher, aber lese- und schreibunfähiger Schweinezüchter Zsupán im »Zigeunerbaron«. Der geborene Komiker war auch als Ollendorf in Millöckers »Bettelstudent« goldrichtig mit seinem unschuldigen Augenaufschlag »Ich hab sie doch nur auf die Schulter geküsst!«.
Dass Radoslaw Rydlewski einen wundervoll austarierten und biegsamen Tenor hat, ging wegen der leidigen Stadthallenakustik erst einmal unter bei der Arie »Freunde, das Leben ist lebenswert« aus der Operette »Giuditta« von Franz Lehár (1870 bis 1948). Zum Glück reagierte das Orchester nach der Pause und nahm die Lautstärke bei der Begleitung etwas zurück. Und konnte das Publikum hemmungslos schwelgen in Rydlewskis Auftritt als Prinz Sou-Chong mit »Dein ist mein ganzes Herz« aus Lehárs »Land des Lächelns«.
Evergreen als Rausschmeißer
Klar, dass ein Evergreen von Johann Strauß Sohn den Rausschmeißer - oder besser das Sahnehäubchen am Schluss - gab: die Champagner-Arie »Im Feuerstrom der Reben« aus der »Fledermaus«, bei der die drei Solisten ein letztes Mal glänzen durften nach dem Operettenhit »Schenkt man sich Rosen in Tirol« aus Carl Zellers »Vogelhändler«.
Um es nicht zu vergessen: Der zum Thema passende Blumenwalzer aus Tschaikowskis (1840 bis 1893) »Nußknacker«-Ballett war ein Hochgenuss.
Melanie Pollinger
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